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10:02 04.08.2018
Lovebombing Quelle: Illustration: Patan
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München

Die Liebe hat viele Facetten! Aber ob beim Love-Bombing überhaupt von Liebe gesprochen werden kann? Wer an einen sogenannten Love-Bomber gerät, der wird nur auf sehr absehbare Zeit mit Liebe bombardiert. Love-Bombing beschreibt ein Beziehungsphänomen, in dem man mit Liebe überschüttet oder knallhart abgestraft wird. Kommt ganz darauf an, wie gut man sich dem Willen seines Love-Bombers fügt. Und hier ist nicht die Rede von harmlosen Rollenspielen. Vielmehr geht es um Macht und Selbstaufwertung. Beides offenbart sich oft erst, wenn das Herz an den Love-Bomber bereits verloren ist!

„Ich habe mich anfangs wirklich so toll gefühlt wie noch nie“, erzählt Sandra rückblickend. „Milo hat mir das Gefühl gegeben, die schönste und begehrenswerteste Frau auf der ganzen Welt zu sein. Das kannte ich so gar nicht.“ Ihre Beziehung mit Milo liegt zwei Jahre zurück. Es ist spürbar, wie erleichtert Sandra heute ist, mit Milo keinen Kontakt mehr zu haben. Denn was ursprünglich mit einem Bombardement an Komplimenten, Geschenken und Aufmerksamkeit startete, mündete in totaler Kontrolle.

Emotionale Kälte als Strafe

Sandra hat noch genau vor Augen, wie die rosaroten Wolken auf einen Schlag verpufften. Nach Wochen, in denen die Welt vor Verliebtsein stillstand, wollte sie mal wieder etwas mit ihren Freundinnen unternehmen – allein. Milo war so ungehalten darüber, dass Sandra die Verabredung kurzerhand abgesagt hat: „Da dachte ich noch, er hat einen schlechten Tag, und ich wollte unser Glück nicht kaputt machen. Doch irgendwas war plötzlich anders.“ Milo wurde immer dominanter. Sandra durfte nichts mehr allein machen. Außerdem wollte er ständig erzwingen, wie Sandra zu denken und zu fühlen hat. War sie anderer Meinung, wurde Sandra mit gemeinen Kommentaren und emotionaler Kälte bestraft. Lenkte sie ein, gab es von Milo Liebe und Lob als Belohnung.

„Im Grunde geht es darum, dass ein Mensch, der sich sehr um sich selbst dreht, einen anderen mit vereinnahmt. So möchte er sich selbst aufwerten und besser fühlen. Es ist ein narzisstisches Phänomen, das auf eine weitere Person ausgedehnt wird“, schildert Psychologe André Kellner die Beweggründe. Zuerst bombardiert er das Objekt seiner Begierde mit Liebe, aber dann wolle er auch etwas zurückhaben, warnt er:„Nämlich, dass der andere schön das macht, was einem selbst gefällt. Das hat nichts mit wirklichem Interesse am anderen zu tun.“ Alles dreht sich im Grunde nur um den Love-Bomber. Und der Partner oder die Partnerin ist solange wichtig, wie er oder sie gefügig bleibt. Der Gewinn des narzisstischen Liebhabers liegt nach Einschätzung des Psychologen darin, sich durch den Partner aufzuwerten: „Widerworte sind völlig inakzeptabel. Mehr noch, sie bedrohen das eigene Selbstbild. Denn dieses besteht nur aus Selbstherrlichkeit.“

Schuld sind immer die anderen

Sämtliche Alarmglocken sollten also direkt läuten, wenn der Anfang einer Beziehung fast schon zu schön ist, um wahr zu sein, warnt Paarberater Eric Hegmann: „Beim Love-Bombing werden unter aller positiven Energie tiefe Abgründe verdeckt. Oft gehört die Beziehungshistorie, in der frühere Beziehungen kaum lange hielten, dazu. Aussagen über Ex-Partner, die ausgesprochen bösartig und fies klingen, geben einen Eindruck davon, wie sich die Person wohl auch über einen selbst auslassen wird, sobald der Euphorieschub vorüber ist.“

Denn schuld sind immer die anderen. Je ausgeprägter das narzisstische Verhalten, desto drastischer ist für Psychologe André Kellner auch der Mangel des Love-Bombers, sich realistisch wahrzunehmen: „Gefährlich wird es dann, wenn körperliche und psychische Grenzen nicht mehr eingehalten werden. Wenn mit Psychoterror soziale Kontakte unterbunden werden. Wenn jemand keine Einsicht mehr für seine eigene Dynamik hat, grenzt das ans Pathologische.“ Love-Bomber stellen sich nur die Frage, ob jemand für oder gegen sie ist. Ist jemand gegen sie, wird er niedergemacht.

Menschen mit wenig Selbstvertrauen sind anfällig

Laut Experten kann übrigens jeder Mensch einem Love-Bomber ins Netz gehen. Denn niemand ist gefeit vor Eitelkeiten. Und wenn man mit emotionaler und körperlicher Zuwendung überschüttet wird, fühlt sich das für viele erst mal super an. Allerdings hält Paarberater Eric Hegmann Menschen, die auf der Suche nach einem besonders starken und selbstbewussten Partner sind, für anfälliger. Das sei auch eine Frage des Selbstwertgefühls, sagt Psychologe André Kellner. „Es gibt einen Punkt, an dem Menschen mit einem stabilen Selbstwert merken, dass es ihnen zu viel wird. Und meistens kippt es dann. Der Love-Bomber wird ausfallend, übergriffig, mitunter auch gewalttätig. An dieser Stelle fällt es Menschen mit einem stabilen Selbstvertrauen leichter, sich aus einer solchen Beziehung zu lösen, als jemandem, der sehr abhängig von Zuspruch ist.“ Außerdem seien Menschen mit wenig Selbstvertrauen sehr empfänglich für Vorwürfe und Schuldgefühle – was sie länger an die ungesunde Beziehung mit dem Love-Bomber binde. Der Bomber sucht sich häufig nach dem Schlüssel-Loch-Prinzip, instinktiv seine Partner.

Was aber tun, wenn man in einer Beziehung mit einem Love-Bomber ist? Wichtig ist, sich bewusst zu machen, wie viel man von sich selbst aufgibt, wenn man in so einer Beziehung steckt. Das musste sich auch Sandra schmerzhaft eingestehen. Und sie hat mithilfe einer Therapeutin verinnerlicht, dass Liebe niemals etwas mit emotionaler Manipulation zu tun hat. Es gibt tatsächlich nur einen Weg, der in einer solchen Situation der gesunde ist: so schnell wie möglich raus aus dieser Beziehung.

Love-Bombing und Narzissmus

Love-Bomber drehen sich vor allem um sich selbst: Es geht ihnen um ihre Interessen und darum, mit dem Partner ihr eigenes Selbstwertgefühl aufzubessern. Es ist ein narzisstisches Phänomen. Krankhafte Narzissten leiden unter einem niedrigen Selbstwertgefühl, einer ausgeprägten Kritikempfindlichkeit und Versagensängsten. Der Begriff Narzissmus wird oft mit Selbstverliebtheit und einem großen Geltungsbedürfnis in Verbindung gebracht. Der Name „Narzissmus“ geht auf eine Gestalt aus der griechischen Mythologie zurück: den Göttersohn Narziss. Er war schon immer vernarrt in sich selbst, doch als ein verschmähter Liebhaber sich seinetwegen umbrachte, straften die Götter Narziss mit unerfüllbarer Selbstliebe. Er verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild, das er im Wasser sah. An seinem Ableben scheiden sich die Mythen – alle gemeinsam haben, dass Narziss an seiner unerfüllten Selbstliebe zugrunde ging und statt eines Leichnams eine Narzisse zurückblieb.

Von Andrea Mayer-Halm

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