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18:02 22.06.2018
Und jetzt ist Papa an der Reihe: Nach einer Trennung leben viele Kinder teils bei einem, teils beim anderen Elternteil. Quelle: iStock
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Wiesbaden

„Die Eltern müssen sich ständig über Fragen des Kinderalltags absprechen können“, sagt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Jonas Göbel. Nur so könne das Wechselmodell funktionieren, bei dem die Kinder im wöchentlichen Wechsel bei Vater oder Mutter leben.

Jonas Göbel arbeitet als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut am Zentrum für Beratung und Therapie beim Diakonischen Werk Wiesbaden. Quelle: privat

Herr Göbel, neue Studien deuten darauf hin, dass es für Kinder nach einer Scheidung das Beste ist, teils bei dem einen und teils bei dem anderen Elternteil zu wohnen. Man spricht auch vom sogenannten Wechselmodell. Können Sie als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut das bestätigen?

Es ist richtig – wenn das Wechselmodell gut gelingt, ist es sicher die beste Lösung für Scheidungskinder. Da ist die Studienlage eindeutig. Und im Grunde ist das auch keine Überraschung: Kinder haben weiterhin das Bedürfnis nach dem Umgang mit beiden Elternteilen, und sogar ein Recht darauf. Man muss aber auch sagen, dass dieses Modell die Eltern vor große Schwierigkeiten stellt und dass es deshalb in vielen Fällen scheitert. Manchmal, aber nicht immer, kann dann eine Beratung bei einem sozialen Dienst helfen.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein ständiger Wechsel zwischen Vater und Mutter funktioniert?

Viele Faktoren sind zu berücksichtigen, das macht es ja so kompliziert. Zum einen ist es eine Frage von Zeit und auch von Geld. Nicht immer haben beide Elternteile eine Arbeit, die es ihnen ermöglicht, sehr viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass sich beide nach der Trennung weiterhin eine Wohnung mit Kinderzimmer leisten können.

Was gilt es noch zu beachten?

Vor allem bei kleineren Kindern sollten die Eltern nicht zu weit auseinander wohnen, damit die Kinder in einer vertrauten Umgebung bleiben können. Fast das Wichtigste: Die Eltern müssen sich ständig über Fragen des Kinderalltags absprechen können – ohne dabei in Kämpfe und Rechthaberei zu verfallen. Kurz nach dem Ende einer Partnerschaft ist das meist eine ungemein große Herausforderung. Aber: Je besser es gelingt, desto weniger wirkt sich die belastende Trennungssituation negativ auf die psychische, emotionale und intellektuelle Entwicklung der Kinder aus.

Im Interesse des Kindes sollte man sich doch absprechen können?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Die meisten Eltern glauben ja, dass sie bereits ihr Bestes dafür tun und nur der jeweils andere Elternteil sich unkooperativ verhält. Man darf nicht vergessen: Es handelt sich um zwei Menschen, denen es schon nicht gelungen ist, in ihrer Partnerschaft konstruktiv Konflikte zu klären. Und nach einer Trennung ist man als Ex-Partner nicht automatisch „wieder gut miteinander”. Streit ist daher oft programmiert – darunter können die Kinder stark leiden. Auch weil gerade jüngere Kinder dazu neigen, sich die Schuld am Zerbrechen der Familie zu geben. Im Zweifelsfall kann es dann besser sein, dass ein Kind fest bei einem Elternteil lebt und den anderen besuchsweise sieht.

Und wäre das Wechselmodell für alle Kinder gleichermaßen geeignet?

Bei sehr jungen Kindern ist es wichtig, dass sie ein festes Zuhause haben. Ein Hin- und Herwechseln könnte sie schnell überfordern. Und natürlich macht das Modell nur Sinn, wenn die Kinder zu beiden Eltern eine gute Bindung aufgebaut haben.

Ist das Wechselmodell nicht auch für neue Partner schwierig, weil weiterhin so viel Kontakt mit dem Ex-Partner besteht?

Das stimmt. Patchwork-Konstellationen machen das Ganze nicht leichter, weil auch die neuen Beziehungen der Eltern Zeit und Raum einfordern. Eifersucht der neuen Partner auf Kinder oder Ex-Partner spielt dabei oft eine große Rolle. Das ist schon deshalb schade, weil es menschlich ja sehr für den Partner spricht, dass er weiterhin seine Verantwortung wahrnimmt und für seine Kinder da sein möchte. Aber klar: Es ist nicht immer leicht, seine Zeit zwischen alter und vielleicht neuer Familie aufzuteilen.

Angenommen, das Wechselmodell funktioniert nicht. Wie kann ich als Elternteil, der ausgezogen ist, weiter für mein Kind da sein?

Mit das Wichtigste im Umgang mit Kindern nach einer Trennungssituation ist das, was wir erwartbares Verhalten bei den Eltern nennen. Das heißt, Absprachen und Regelmäßigkeiten sollten eingehalten werden. Eine gute Idee ist zum Beispiel, jeden Tag um die gleiche Zeit zu telefonieren, um aktuelle Entwicklungen und Erlebnisse im Alltag mit den Kindern auszutauschen – auch wenn es nur kurz ist. Dem Kind einfach nur gelegentlich zu sagen „Ich habe dich weiterhin gern“ reicht nicht.

Brauchen wir in Deutschland neue Gesetze, die das Wechselmodell zum Normalfall erklären?

Davon bin ich noch nicht überzeugt. Ich finde aber etwas anderes wichtig: Eltern haben einen Rechtsanspruch auf psychologische Beratung. Diese Beratung bei entsprechenden Stellen oder dem Jugendamt in Anspruch zu nehmen ist nach einer Trennung für Eltern die Chance, die eigene Belastung und die Belastung für ihre Kinder so gering wie möglich zu halten. Sie kann auch helfen, Konflikte mit dem Ex-Partner bei der Betreuung der Kinder zu klären. Das ist wichtig, damit diese nicht immer weiter unter Streitereien zu leiden haben – wie vielleicht schon vor der Trennung. Leider sind die Jugendämter unterfinanziert, und die Wartezeiten sind oft auch zu lang. Das Angebot sollte daher dringend ausgebaut werden.

Was möchten Sie Eltern, die sich getrennt haben, sonst noch mit auf den Weg geben?

Die meisten Eltern glauben, genau zu wissen, was gut für ihr Kind ist. Gerade nach einer Trennung ist das aber nicht leicht. Nicht immer ist für das Kind auch das Beste, was man sich für sich selber wünscht. Gerade bei Uneinigkeiten mit dem Ex-Partner sollte man nicht um jeden Preis auf seinem Recht beharren – denn allzu oft werden Konflikte dann auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.

Kinder werden für Studie befragt

Rund 50 Prozent der Eltern, die getrennt leben, wünschen sich, dass die Kinder zur Hälfte von der Mutter und zur Hälfte vom Vater betreut und erzogen werden. Das ist das Ergebnis einer im vergangenen Sommer veröffentlichten Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. 15 Prozent der Befragten betreuen bereits zu gleichen Teilen.

Was aber wünschen sich die rund 200.000 Kinder, die jährlich von Trennungen betroffen sind? Das Ministerium hat dazu die Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“ in Auftrag gegeben, für die Interviews mit Kindern geführt werden.

Von Interview: Irene Habich/RND

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