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Wissen Land unter: Wie der Klimawandel Europas Küsten bedroht
Nachrichten Wissen Land unter: Wie der Klimawandel Europas Küsten bedroht
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13:31 29.10.2018
Wellen prallen gegen ein Auto, das am Vortag nach einem Sturm ins Wasser geschleudert wurde. Quelle: Alejandro Garcia/EFE/dpa
Tunis/Hannover

Erst die Unwetter auf Mallorca und an der französischen Mittelmeerküste, dann versanken die Straßen der italienischen Hauptstadt Rom unter Hagel und Eisbrocken. Jetzt wurde an Kroatiens Küste die höchste Unwetter-Warnstufe ausgerufen. Immer wieder haben heftige Unwetter in den vergangenen Wochen Länder rund ums Mittelmeer heimgesucht. Forscher glauben: Der Klimawandel macht Wetterkapriolen extremer. Das wirke sich auch auf Deutschland aus.

„Wir können dieses Jahr als Warnsignal des Klimas verstehen“, Peter Hoffmann Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Die Temperatur der Meeresoberflächen hat sich durch die globale Erwärmung verändert. Im Mittelmeer weist sie in diesem Jahr fast wieder einen Rekord auf.“ Dadurch habe sich die Dynamik des Wetters verändert. „Es muss nicht unbedingt sein, dass die Häufigkeit von diesen Wetterextremen zunimmt, aber es ist wahrscheinlich, dass die Intensität zunimmt.“ Starke Regenfälle werden also extremer, die Gefahr von Überschwemmungen steigt.

Zahlreiche Todesopfer auf Mallorca und in Jordanien

Bei den heftigen Unwettern der vergangenen Wochen kamen im Mittelmeerraum mehr als 60 Menschen ums Leben. Mitte Oktober traten in der Region um die südfranzösische Stadt Carcassonne Bäche und Flüsse über die Ufer. Mancherorts stieg das Hochwasser mehr als sieben Meter hoch. Binnen weniger Stunden fiel soviel Regen wie sonst in einem halben Jahr. Versicherer bezifferten den Schaden auf 200 Millionen Euro.

Auf Mallorca fielen am Abend des 9. Oktobers binnen weniger Stunden 233 Liter Wasser pro Quadratmeter. Die Wassermassen forderten 13 Todesopfer. Auch andere Regionen Spaniens erlebten traurige Regenrekorde. In Tunesien verwandelten heftige Niederschläge ausgetrocknete Täler um den bei Touristen beliebten Ort Nabeul in große Flüsse. Die Abwassersysteme waren den Wassermassen nicht gewachsen. Mindestens elf Menschen kamen in dem nordafrikanischen Land ums Leben. In Jordanien rissen Wassermassen erst vor wenigen Tagen zahlreiche Schulkinder in den Tod. Sie waren auf einem Ausflug nahe dem Toten Meer von einem Sturzregen überrascht worden. Insgesamt kamen mindestens 21 Menschen um.

Die Heftigkeit der Regenfälle nimmt zu

Dass es im Oktober, in der Übergangszeit vom Sommer zum Winter, im Mittelmeerraum etwas stärker regne, sei nicht ungewöhnlich, erklärt Klimaforscher Hoffmann. Die Summe der einzelnen Veränderungen, wie Temperaturanstiegen und Veränderungen der Wassertemperaturen, verändere klar die Dynamik der Atmosphäre, sagt Hoffmann. Die Erderwärmung könne sich auch auf die großen Windströmungen auswirken und etwa Wetterlagen länger an einem Ort verweilen lassen. Das kann laut Hoffmann zwei Extreme begünstigen: „heiß und trocken oder warm und feucht.“ Ist etwa das Mittelmeer ordentlich aufgeheizt, kann es auch mehr Wasserdampf in die Atmosphäre geben. „Das kann dann zu plötzlichen sturzflutartigen Regenfällen führen wie zuletzt auf Mallorca“, sagt Hoffmann.

Ein ausgetrockneter Boden und intensive Bebauung verstärkten zudem die Überschwemmungen. Messungen zeigen seit den frühen 1990er-Jahren einen klaren Anstieg der globalen Temperaturen, der auf Treibhausgas-Emissionen der Menschen zurückgeht.

Tiefs transportieren Regen nach Mitteleuropa

Mit seinen Warnungen steht der Forscher nicht allein. Vor kurzem mahnten Wissenschaftler aus Kiel im Journal „Nature Communications“, ein großer Teil der Unesco-Welterbestätten am Mittelmeer sei durch Sturmfluten und Küstenerosion bedroht: die Lagune von Venedig, das türkische Ephesos, die Ruinen von Karthago in Tunesien.

Und die Folgen bleiben wohl nicht auf den Mittelmeerraum beschränkt. „Die Erwärmung der Wassertemperatur im Mittelmeer hat auch starke Auswirkungen auf die Regenmengen bei uns“, sagt Klimaforscher Hoffmann. Die gesamte Dynamik der Atmosphäre verändere sich. Die Hochwasserereignisse von 2002 und 2013 in Deutschland hingen auch mit Entwicklungen im Mittelmeerraum zusammen. Tiefs transportierten mit Feuchtigkeit angereicherte Luftmassen nach Norden und ließen sie in Mitteleuropa abregnen. „Das ist also eine Fernwirkung der Veränderungen im Mittelmeerraum, die wir auch bei uns in Deutschland spüren.“

Von RND/so/dpa

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