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11:00 21.11.2018
Hannover

Kürzlich hüpfte der Roboter Mascot über einen Steinkoloss in exorbitanter Entfernung. Die Landesonde, so groß wie ein Toaster, ausgestattet mit Sprungfedern und Messinstrumenten, sammelte Daten des Asteroiden Ryugu, 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. 17 Stunden lang erkundete Mascot die geheimnisvolle Welt aus Geröll und Steinen – und sendete seine Erkenntnisse zur Erde, bevor seine Batterien schlappmachten. Es war eine spektakuläre Mission.

Zwar sind Mascots Befunde noch nicht ausgewertet, aber am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln wird die eigene Mission schon jetzt als „historischer Erfolg“ gefeiert: „Erstmals ist es damit gelungen, die Oberfläche eines Asteroiden in diesem Umfang mit einer Landesonde zu erkunden“, sagt Professor Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie. Oberstes Ziel der seltenen Asteroidenlandung ist es, mehr über die Entstehung der Erde zu erfahren. Asteroid Ryugu, das weiß man bereits, ist einer der Urbausteine des Planetensystems und einer von 17 000 bekannten Kleinstplaneten, die die Erdbahn kreuzen. In zwei Jahren soll Mascots Muttersonde Hayabusa2 ein Säckchen mit angesaugten Asteroidenbrocken auf der Erde abliefern.

300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt: Diese von der japanischen Raumfahrtbehörde (JAXA) zur Verfügung gestellte Computergrafk zeigt das deutsch-französische Messgerät «Mascot» auf dem Asteroiden Ryugu. Quelle: dpa

Nicht nur die Wissenschaft, auch die Wirtschaft fiebert den Ergebnissen der Asteroidenlandung entgegen. Für die Zusammensetzung der kosmischen Kolosse interessiert sich mittlerweile eine milliardenschwere Industrie. Die sogenannte New Space Economy hofft, in Zukunft wertvolle Rohstoffe von den steinigen Himmelskörpern abbauen zu können. Unternehmen in den USA, Russland und Europa investieren galaktische Summen in die Umsetzung der Idee von den stellaren Steinbrüchen.

Fliegende Schatztruhen

Asteroiden gelten als fliegende Schatztruhen. Zum Teil, das haben Untersuchungen mit Raumsonden und Teleskopen ergeben, bestehen sie aus vielen interessanten Rohstoffen – Edelmetallen und seltenen Erden, Mineralien, Wasser, Stickstoff oder Phosphor, eben vielen Stoffen, die auf der Erde stark nachgefragt, rar und schwierig zu erschließen sind. Selbst riesige Objekte mit viel Gold und Diamanten dürften im Weltraum herumschwirren – allerdings Lichtjahre entfernt.

Das 2012 gegründete US-Unternehmen Planetary Resources bezeichnet sich als Pionier des Weltraumbergbaus. Zu den Gründern, Beratern und Investoren gehören etwa Google-Chef Larry Page, der Vorsitzende der US-Weltraumtourismusagentur Space Adventures, Eric Anderson, und Hollywoodregisseur James Cameron.

Im Stammsitz in Washington empfängt Planetenforscher Chris Lewicki potenzielle Investoren und Journalisten. Lewicki hat einst für die US-Raumfahrtbehörde Nasa Missionen zum Mars geleitet, heute ist er Geschäftsführer von Planetary Resources. Bei seinen Präsentationen versprüht er Goldgräberstimmung. Er sagt, dass „ein einziger 500 Meter großer Asteroid mehr Platin vorhält als alle bekannten Erd­reserven“. Und dass der Wert eines solchen Asteroiden 2,9 Trillionen Dollar beträgt – eine Zahl mit 18 Nullen. „In 1000 Jahren wird die Menschheit an die Zeit zurückdenken, in der wir Geschichte geschrieben haben, als wir für immer den Weg zum All frei gemacht haben“, glaubt Lewicki.

„in einziger 500 Meter großer Asteroid mehr Platin vorhält als alle bekannten Erd­reserven“: Planetenforscher Chris Lewicki. Quelle: RND

Flankiert werden die Worte von fiktionalen Videos, die verdeutlichen sollen, was man da oben vorhat: Raumschiffe rasen durchs Weltall, postieren sich vor den Kleinstplaneten. Kameras, Radargeräte und Spektrometer inspizieren die Brocken akribisch nach Rohstoffen. Ein Bergbau-Konvoi verankert sich am Koloss. Robotermaschinen bohren sich in Felsen, sammeln Geröll und Staub. Solaröfen erhitzen das Material, Reaktoren extrahieren Wasser, Gold und seltene Erden. Interplanetare Minenfahrzeuge fahren Stein und Staub im Gepäck zu großen Tanks im Kosmos. Die werden dann abgeholt, wenn der Asteroid in einigen Jahren wieder der Erde begegnet.

In den Werkshallen von Planetary Resources werden schon heute am laufenden Band Prototypen der Weltraumwerkzeuge, Fahrzeuge und Instrumente hergestellt. 3-D-Drucker fertigen Bagger- und Pipelineteile, die Gluthitze und eisiger Kälte sowie einer enormen Schwerkraft standhalten können. Die Prototypen werden in Laboren unter Weltraumbedingungen getestet.

Deutschland hinkt hinterher“

Die Planetary-Resources-Akteure sind nicht die Einzigen, denen galaktische Gewinne vorschweben. Einige Staaten unterstützen die neue Weltraumindustrie mit Weltraumgesetzen: Im Wettlauf um die begehrten Rohstoffe aus dem All haben bislang die USA, Russland, auch die Mongolei den Grundstein für Investitionen gelegt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate planen solch ein Gesetz.

In Europa will ausgerechnet das kleine Luxemburg zur Weltraumnation aufsteigen. 2017 hat es als bisher einziges EU-Land ein Asteroiden-Abbau-Gesetz erlassen. Danach dürfen Firmen im All nach Rohstoffen schürfen und sie behalten. Jüngst im September nahm die Weltraumagentur Luxembourg Space Agency ihre Arbeit auf, die Unternehmen mit staatlichen Mitteln bei Weltraumforschungsprojekten fördern will. Die US-Unternehmen Planet Resources und Deep Space Industries haben bereits Ableger in Luxemburg gegründet.

„Deutschland gerät ins Hintertreffen“: Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Quelle: dpa

Und Deutschland? Hinkt den Plänen vom Abbau im All hinterher, wie der Industrieverband BDI anprangert. In einem im Juni veröffentlichten Positionspapier fordert der Verband einen „schnellstmöglichen Entwurf“, der unbedingt auch ein Kapitel zum Weltraumbergbau enthalten und zudem Haftungsfragen klären sollte. Andernfalls laufe Deutschland Gefahr, im globalen Wettlauf um die Ressourcen aus dem All ins Hintertreffen zu geraten. Bislang gibt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD nur eine entsprechende Absichtserklärung. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland dazu: „Es gibt vorbereitende Arbeiten. Nähere Details können zum jetzigen Zeitpunkt nicht genannt werden.“

Wem gehören Himmelskörper?

Die Verbindlichkeit solcher nationalen Gesetze ist umstritten. Über allem steht die Frage, wem der Weltraum gehört. Die Frage nach Recht im Raum regelt bisher der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen von 1967: „Der Weltraum einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper unterliegt keiner nationalen Aneignung“, heißt es darin. Juristen sehen demzufolge in den nationalen Asteroiden-Abbau-Gesetzen einen Verstoß gegen internationales Recht.

Die entscheidende Frage allerdings ist: Lassen sich die ambitionierten Pläne überhaupt technisch umsetzen? Oder ist die New Space Economy vor allem ein Hype, ausgelöst von fantasievollen Milliardären aus dem Silicon Valley?

Klaus Jäger vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg klingt wenig euphorisch. Es werde wohl noch lange dauern, bis eine entsprechende Infrastruktur geschaffen ist, sagt er. Ernst nimmt er die Vorhaben dennoch: Der stellare Bergbau sei „eine der größten technischen und ökonomischen Herausforderungen des Universums“.

Zunächst einmal, sagt der Astronom, müssten ertragreiche Himmelskörper gefunden werden, die sich kosmisch gesehen nah – also im Sonnensystem zwischen Mars und Jupiter – befinden. Eine weitere Schwierigkeit: Roboter und andere Gefährte müssen auf den Gesteinsbrocken aufsetzen und dort tätig sein, wo so gut wie keine Schwerkraft herrscht. Dies sei auch ein Problem beim Abbau, so Jäger: „Man kann da ja nicht einfach eine Spitzhacke ansetzen und Gesteinsbrocken heraushacken, ohne dass alles durch die Gegend fliegt.“ Jäger stellt auch die Frage, ob am Ende noch hohe Preise erzielt werden, wenn die Rohstoffe massenweise aus dem All auf die Erde transportiert werden müssen.

Eine Industrie im All fürs All

Die Akteure betonen jedoch, dass es ihnen „vorerst“ nicht um den Transport zur Erde geht. Vielmehr sollen die im All gewonnenen Rohstoffe für die Raumfahrt und eine „neue Weltraumindustrie“ genutzt werden. Die in einer Initiative namens Space Resources zusammengeschlossenen Firmen wollen Wasserstoff und Sauerstoff als Treibstoff für Raumfahrzeuge gewinnen und Astronauten mit auf Asteroiden gefundenem Wasser versorgen. So könne man – langfristig – 95 Prozent der Kosten für die Raumfahrt einsparen, wirbt Planetary Resources. In Zukunft könnten schwebende Versorgungsstationen auch dabei helfen, den Mond zu kolonisieren oder Solarstrom drahtlos zur Erde zu funken.

Voraussetzung für die außerirdischen Abbauvisionen ist es, entsprechende Asteroiden näher an die Erde zu rücken. Das geht dann so: Ein Roboterraumschiff schleppt sie in der Umlaufbahn des Mondes und dort werden sie geschreddert. Eine Studie von renommierten Weltraumexperten der Nasa, Forschungsinstituten in den USA und Europa legte die „Entführungsmissionen“ unlängst als praktikabelste Lösung nahe.

Wie so ein Gesteinsbrocken von seiner Bahn abgelenkt oder transportiert werden kann, ist auch Thema bei der Mascot-Mission des DLR – auch um mögliche Kollisionen mit der Erde zu verhindern. Bis Ende des Jahrzehnts wollen Wirtschaft und Wissenschaft schon erste Asteroiden-Kandidaten küren – und das kosmische Kidnapping beginnen.

Von Sonja Fröhlich

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