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Wissen Ich sage, also fühl’ ich!
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18:01 31.05.2018
„Wer unklar formuliert, setzt sich unter Druck, fühlt sich überfordert und kann nicht mehr souverän agieren“, sagt Psychologe Ulrich Schmitz. Quelle: Illustration: RND/Patan
Berlin

Nur noch fünf Minuten! Komme gleich! Nur ganz kurz! Klassische letzte Worte vor einem akuten Stressanfall. Und das Ganze auch noch hausgemacht. Rhetorik-Coaches sind überzeugt, dass wir uns mit unseren Formulierungen ganz unbedacht unter Druck setzen. Utopische Zeitangaben sind dabei nur der Anfang! Ungefiltert treiben wir uns verbal zu mehr Leistung und Zwang an – und fühlen uns schlechter und schlechter. Sprechen wir mit uns selbst die falsche Sprache?

Motivierende Sätze gegen Ängste

Wie es im besten Falle laufen kann, machen uns Profisportler vor. Und was nun kommt, hat nichts mit körperlicher Fitness zu tun. Wenn in wenigen Wochen die WM startet, herrscht für die Fußballer auf dem Platz Ausnahmezustand. Es ist eine Zeit massiver Anspannung. Entscheidend ist in einer solchen Situation auch die mentale Frische, wie Fußballtrainer Niko Kovac einmal anmerkte. Nur mit mentaler Frische, was gleichzusetzen ist mit der richtigen und positiven Einstellung, wird das Spiel gewonnen. Um das zu erreichen, sagen sich viele Sportler individuelle Motivationssätze auf, die sie im Vorfeld mit Trainern oder Sportpsychologen entwickeln. Damit beugen sie aufkeimenden Versagensängsten und einer negativen Gedankenspirale vor. Die positiven Sätze werden entsprechend einem Mantra wiederholt, um sie im tiefsten Inneren zu manifestieren.

Überlebt mit autogenem Training

Schon vor Jahrzehnten hat der Mediziner Hans-Günther (Hannes) Lindemann den Grundstein dieser Methode mit einem gewagten Selbstversuch auf die Probe gestellt. Er kaufte sich 1955 ein Faltboot, 60 Lebensmittelkonserven, Milch- und Bierdosen, drei Liter Wasser, Angelzubehör und überquerte damit in 72 Tagen den Atlantik. Lindemann überstand mehrere Orkane, zweimaliges Kentern und verlor in der Zeit 25 Kilogramm Körpergewicht. Dass er diesen Versuch überlebt hat, führte er auf autogenes Training zurück. Im Stillen sagte er sich immer wieder Sätze auf, mit denen er sich in dieser Ausnahmesituation beruhigen konnte. Dabei griff er auf die damals recht moderne und mittlerweile anerkannte Therapiemethode des Berliner Psychiaters Johannes Heinrich Schultz zurück, indem er Formeln wie „Ich bin ganz ruhig“, „Das Herz schlägt ruhig und kräftig“ wiederholte. Er wollte durch das gesagte Wort seinem Hirn eine entspannende, hypnotische Botschaft senden.

Ein Arzt in Einbaum und Faltboot: In „Allein über den Ozean“ (Delius Klasing Verlag, 180 Seiten, ab 11 Euro; meist nur gebraucht im Onlinehandel erhältlich) erzählt Autor Hannes Lindemann, wie er mithilfe autogenen Trainings die Atlantiküberquerung überlebt hat. Psychohygiene und Stressabbau spielen dabei eine entscheidende Rolle. Quelle: Symbolbild (Pixabay)

Halbfertige Sätze sorgen für reichlich Spannung

Dass positive Aussagen eine beruhigende, ja, sogar heilsame Wirkung haben, hat auch eine Studie der Universität von San Francisco aus dem Jahr 2014 nachgewiesen. Im Umkehrschluss wirken negativ konnotierte Aussagen auf den eigenen Organismus lähmend und bedrückend. Sätze, die mit „Ich muss“ beginnen, haben regelrechte Bumerangwirkung. Ebenso sorgen halb fertige Sätze für reichlich Spannung. Um Zeit zu sparen, tendieren immer mehr Erwachsene dazu, das Verb wegzulassen: „Darf ich mal, bitte?!“ Es sind unentschlossene Äußerungen, auch Phrasen, die signalisieren wollen, dass man auf keinen Fall stören möchte. Oft verlieren sich aggressionsgehemmte Menschen in derlei Formulierungen, meint Psychologe Ulrich Schmitz: „Es gibt Menschen, die sich nicht trauen zu sagen: ‚Ich brauche noch eine Viertelstunde länger‘. Man sollte klar sein, auch bei Kleinigkeiten.“ Andernfalls setze man sich unter Druck, fühle sich überfordert und könne nicht mehr souverän agieren.“

Nur mit dem nötigen Selbstvertrauen lassen sich klare Aussagen treffen

Die Ursachen dafür, dass Menschen so leicht in negative Formulierungen abgleiten, sind einfach: Oft mangelt es uns im Alltag an der nötigen Fehlertoleranz, auch uns selbst gegenüber. „Das Ziel muss sein“, so Ulrich Schmitz, „ein gesund unangepasstes Verhalten auszuleben. Und das führt dann zur Stärkung des Selbstvertrauens und der Stärkung des Ichbewusstseins.“ Nur so lassen sich auch klare, positive Aussagen treffen, die der Umgebung und einem selbst dabei helfen, klare und positive Gedanken zu fassen.

Auch die Grammatik beeinflusst das Handeln

Etwas tiefer geht der Ansatz von Barbara Mertins, Professorin für Psycholinguistik an der Technischen Universität Dortmund. Sie macht weniger einzelne Formulierungen als spezielle grammatische Strukturen für unsere Selbst- und Weltsicht verantwortlich. Grammatik beeinflusse unsere Kognition, also unsere Fähigkeit, Information zu verarbeiten, maßgeblich: „Die Nutzung der Grammatik prägt das, wie wir die Welt wahrnehmen und welche Informationen wir herausfiltern. Grammatik ist der Kern der Sprache. Und grammatische Merkmale haben maßgeblichen Einfluss auf die Wahrnehmung, die Kognition und somit auf die spezifische Sicht der Welt.“ Natürlich hätten verschiedenste Dinge Einfluss auf unser Handeln, sagt die Professorin, aber es sei sehr schwer zu testen, wie weit der Einfluss der Worte dabei reiche.

Eine ausgleichende Sprache reduziert Stress

Einen Selbstversuch ist es sicher wert. Es gibt genügend Ansatzpunkte, Druck aus der eigenen Sprache zu nehmen. Ein „muss“ kann durch ein „werde“ ersetzt werden, ein „gleich“ durch eine konkrete Zeitangabe. Durch bewusstes positives Formulieren können wir eine ausgleichende Sprache sprechen – so wie viele Profisportler es schon machen. Warum also das nicht auf den Alltag anwenden? Schließlich stellt einen das Leben im Büro, in der Familie oder im Berufsverkehr doch auch vor wettkampfähnliche Herausforderungen.

Von Andrea Mayer-Halm/RND

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