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18:00 20.10.2018
Schlaf’, Kindlein, schlaf’! Kinder, die schnell und zufrieden einschlafen, sind für Erwachsene eine Wohltat. Ist das Gegenteil der Fall, liegen die Nerven mitunter blank. Quelle: Foto: Getty Images/iStockphoto
Hannover

Endlich Feierabend. Endlich Zeit, die Beine hochzulegen. Vorher müssen allerdings noch die Kinder ins Bett – und die haben viel mehr Lust, aufzubleiben: „Wir sind überhaupt nicht müde!“ Als Elternteil sorgt man sich dann nicht bloß um den Fernsehabend – sondern auch darum, ob der Nachwuchs genug Schlaf bekommt. Doch wann muss ein Kind wirklich ins Bett?

„Auf die Selbsteinschätzung von Kindern unter zwölf Jahren kann man dabei nicht viel geben“, sagt Michael Urschitz, Medizinprofessor aus Mainz. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin ist Experte für Schlafstörungen bei Kindern. „Das wissen wir aus Studien, in denen wir die Müdigkeit von Kindern gemessen haben, und sie gleichzeitig befragt haben, wie sie sich fühlen.“

Schlafmangel bei Kindern zeigt sich am Verhalten

Wie viel Schlaf der Nachwuchs braucht, kann vor allem bei den Jüngsten sehr unterschiedlich sein. Es gibt Babys, die in den ersten Lebensmonaten neun Stunden schlafen, andere 19 – ohne dass das ein Zeichen für eine Krankheit oder Schlafstörung sein muss: „Bei Kindern bis zu vier Jahren ist es selbst für uns Mediziner nicht immer einfach zu erkennen, ob ein Kind genug schläft. Da gilt es genauer hinzuschauen“, sagt Urschitz. Wichtig sei das Verhalten: Wenn ein Kind wenig schläft, aber ausgeglichen und ausgeruht wirkt, kommt es womöglich gut damit aus. „Bei den Kleinen gilt ohnehin, dass sie einen möglichen Schlafmangel aus der Nacht tagsüber wieder ausgleichen können.“ Daher sei es auch nicht schlimm, wenn diese etwas später ins Bett kommen.

Ab dem Schulalter gilt das nicht mehr, und daher sei es verständlich, wenn Eltern ihre Kinder früh genug ins Bett schicken wollen. Aber auch hierbei sollte man nicht allzu dogmatisch sein, sagt der Professor: „Wenn mein Kind um eine bestimmte Zeit nicht einschlafen kann, ist es vielleicht einfach zu früh dafür.“ Wer Sohn oder Tochter stets vergeblich um sieben ins Bett schicke, obwohl sie noch eine Stunde lang quengeln, sollte besser gleich acht Uhr als Schlafenszeit ausprobieren. Kleine Schulkinder schlafen im Durchschnitt elf, größere bis zur Pubertät neun Stunden – aber das seien nur grobe Richtwerte: „Jeder Mensch hat ein individuelles Schlafbedürfnis, das überwiegend genetisch bedingt ist.“

Besonderes Verständnis sei ab Beginn der Pubertät gefragt: Ab einem Alter von zehn bis zwölf Jahren verschiebt sich die Einschlafzeit nach hinten: „Jugendliche haben das Bedürfnis, später ins Bett zu gehen und später aufzustehen, das ist ganz natürlich“, sagt Urschitz. „Es wäre deshalb besser für sie, wenn die Schule nicht so früh anfangen würde. Bisher haben Teenager aber keine andere Wahl, als am Wochenende den Schlaf nachzuholen – Eltern sollten sie lassen.“

Feste Rituale können Kindern beim Einschlafen helfen

Die Alarmsignale, dass ein Kind nicht genug schläft, sind je nach Altersgruppe also ganz unterschiedlich. Bei den Kleinen sollte man darauf achten, ob sie extrem gereizt und quengelig sind, wenn sie tagsüber mal nicht schlafen können. Dann ist die Nachtruhe womöglich zu knapp bemessen. Dass Kleinkinder tagsüber spontan von selbst einschlafen, ist wiederum keine Seltenheit. Später sind Einschlafattacken am Tag jedoch nicht mehr normal: Wenn ein Schulkind selbst bei kurzen Autofahrten, beim Spielen oder sogar beim Essen plötzlich wegnickt, muss es deutlich übermüdet sein. Ernst nehmen sollten es Eltern auch, wenn Lehrer auf Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit in der Schule hinweisen.

Die einfachste Lösung, wenn Kinder nicht ein- oder durchschlafen können, ist für alle Altersgruppen gleich: Es kommt auf die „Schlafhygiene“ an. Dazu gehört, jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen zu gehen und aufzustehen. „Gut sind auch Rituale, etwa Lesen oder Vorlesen bei gedimmtem Licht und das Abspielen von ruhiger Musik. Die letzte halbe Stunde vor dem Einschlafen sollte möglichst langweilig und immer gleich verlaufen“, empfiehlt Kinderarzt Urschitz. Außerdem sollte man mehrere Stunden vor dem Einschlafen das künstliche Licht von Fernsehen, PC oder Smartphone meiden, denn das macht nachweisbar wach. Das gelte erst recht für Computerspiele mit aggressivem Inhalt. Wenn all diese Tipps nicht helfen, hat sich womöglich schon eine Schlafstörung entwickel – und die gilt es zu behandeln. „Sonst besteht die Gefahr, sie bis ins Erwachsenenalter beizubehalten – und das birgt ein erhöhtes Risiko für Depressionen oder andere psychische und organische Krankheiten“, erklärt Urschitz.

Schnarchen bei Kindern ärztlich abklären lassen

Als Richtlinie dafür, wann Eltern einen Arzt hinzuziehen sollten, nennt er die sogenannte Dreier-Regel: Wenn eine Schlaf- oder Einschlafstörung an mindestens drei Tagen die Woche über drei Monate hinweg auftritt, sollte man sie abklären lassen. Das Gleiche gilt, wenn Kinder gut geregelte Schlafenszeiten haben, aber trotzdem ständig unausgeruht sind: Das könnte organische Ursachen haben. So seien Atemaussetzer im Schlaf – man spricht auch von Schlafapnoe – bei Kindern genauso häufig wie bei Erwachsenen. Dazu kommt es vor allem, wenn Kinder schnarchen. „Schnarcht ein Kind über mehrere Monate hinweg, ohne dass es eine Erkältung oder Allergie hat, sollte das der Arzt untersuchen“, sagt Urschitz. Sehr oft seien Polypen die Ursache.

Was aber sollen Eltern tun, wenn das Kind zum richtigen Zeitpunkt einfach nicht ins Bett gehen will? In vielen Familien fehle es in Sachen Zubettgehen an einer klaren Linie, meint Urschitz: „Das nutzen Kinder gern aus. Wie auch bei anderen Fragen der Erziehung ist dann ganz einfach Konsequenz gefragt.“

Von Irene Habich

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