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Wissen Das kopierte Hirn: Auf ewig Ich?
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11:01 05.08.2018
Traum von der Unsterblichkeit: Statt einen Körper wiederzubeleben, wollen Wissenschaftler versuchen, den menschlichen Geist auf ein digitales Medium zu übertragen. Quelle: Shutterstock
Berlin

Kann die Wissenschaft eines Tages den Traum vom unendlichen Leben erfüllen? Es gibt Menschen, die davon überzeugt sind. Aber sie haben Angst, es nicht mehr zu erleben.

Nach ihrem Tod wollen sie sich deshalb einfrieren lassen. In den USA ist das bereits möglich. Das Blut im Körper wird durch Frostschutzmittel ersetzt, der Leichnam bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagert. Irgendwann, so die Hoffnung, kann die Medizin den Tod rückgängig machen. Eine funktionierende Methode zur Wiederbelebung der gefrorenen Körper wurde allerdings bisher noch nicht entwickelt.

Seit einigen Jahren wird nun ein ganz neuer Ansatz erforscht: Statt einen Körper wiederzubeleben, wollen Wissenschaftler versuchen, den menschlichen Geist auf ein digitales Medium zu übertragen. Der “mind upload“, so die Idee, würde das menschliche Wesen vom biologischen Körper lösen und tatsächlich unsterblich machen.

Scan der Feinstruktur des Gehirns

Weil aber auch das technisch noch nicht möglich ist, müsste auch hierfür das Gehirn konserviert werden. Das Start-up Netcome hat dafür eine Technik entwickelt, bei der die Verbindungen zwischen den einzelnen Gehirnzellen, den Neuronen, bis ins kleinste Detail erhalten bleiben.

Die spezielle Art der Präparierung lässt sich nicht rückgängig machen. So behandelte Gehirne werden nie wieder zu funktionsfähigen Organen werden. Das ist aber auch gar nicht der Plan: Die Netcome-Wissenschaftler wollen die Feinstruktur des Gehirns eines Tages einscannen lassen – um die darin enthaltenen Informationen zu digitalisieren.

Sie stützen sich dabei auf eine Hypothese des amerikanischen Hirnforschers Hyunjune Sebastian Seung. Demnach sind die individuellen Verbindungen zwischen den Nervenzellen das Abbild unserer Erinnerungen und unserer Persönlichkeit. Also von dem, was uns als Individuum ausmacht. Seung hält es für möglich, dass man Erinnerungen eines Tages aus der Struktur eines Gehirns herauslesen kann.

Ein Verfahren zum Hochladen müsste erst erfunden werden

Bei Netcome geht man über diesen Ansatz noch hinaus: Nach einem “Auslesen“ der Feinstruktur des Gehirns und dem digitalem Upload der gespeicherten Informationen sei es möglich, dass sich auch das Bewusstsein wiederherstellen ließe, so die Netcome-Forscher. Bisher hat das Start-up allerdings nur die spezielle Technik zur Konservierung entwickelt. Ein Verfahren zum Auslesen und Hochladen des Gehirns – einschließlich des Bewusstseins – müsste erst noch erfunden werden.

Wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario? Nicht sehr wahrscheinlich, glaubt Michael Madeja. Der Hirnforscher ist außerordentlicher Professor an der Goethe-Universität Frankfurt und wissenschaftlicher Vorstand der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. “Die Struktur des Gehirns in einem bestimmten Moment komplett zu erfassen ist nicht nur technisch nicht machbar – es würde auch gar nichts nützen“, sagt Madeja.

Typisch für die Arbeitsweise des Gehirns sei schließlich, dass es seine Struktur ständig verändert. “Um alle Funktionen eines Gehirns zu erfassen, müsste man diese Strukturänderungen vorhersagen können. Das ist praktisch unmöglich.“

Michael Madeja ist Hirnforscher, außerordentlicher Professor an der Goethe-Universität Frankfurt und wissenschaftlicher Vorstand der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Quelle: dpa

Noch unrealistischer sei es, das Bewusstsein auf ein digitales Medium übertragen zu können. Schon deshalb, weil bis heute nicht klar ist, worum es sich dabei eigentlich handelt. “Das Bewusstsein lässt sich mit den Methoden der Naturwissenschaft nicht vollständig erklären“, sagt Madeja. “Naturwissenschaften arbeiten damit, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, die sich durch Experimente beweisen lassen. Bezogen auf die Funktionsweise des Gehirns funktioniert das aber nicht, denn jedes Gehirn ist anders.“

Extrem unwahrscheinlich sei auch, dass es gelingen könnte, eingefrorene Gehirne eines Tages in neue Körper zu verpflanzen. “Wenn jemand so etwas verspricht, ist das Scharlatanerie.“ Wenn überhaupt, könne man vielleicht einen komplett gefrorenen Körper wieder zum Leben erwecken, sagt Madeja. “Das würde ich noch am ehesten für möglich halten.“

Und zwar dann, wenn das eines Tages gelänge, ohne dabei Körperzellen zu zerstören – ein Problem, das die Wissenschaft bis heute noch nicht gelöst hat. Nur: Ließe sich nach Jahrzehnten im Kühltank auch das Bewusstsein, das ursprüngliche Ich, wieder zum Leben erwecken? “Das weiß ich nicht“, sagt Madeja. “Ich würde aber zumindest erwarten, dass es danach verändert wäre.“

Einfrieren nach dem Tod ist in Deutschland verboten

Um zu verhindern, dass mit der falschen Hoffnung auf Unsterblichkeit Geschäfte gemacht werden, ist es zum Beispiel in Deutschland verboten, sich nach dem Tod einfrieren zu lassen. Auch Netcome bietet noch keinen kommerziellen Service an – das sei zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zu verantworten, heißt es auf der Website. Und die beiden aktiven Anbieter in den USA, das Cryonics Institute und die Alcor Life Extension Foundation, sind Nonprofit-Organisationen. Je nachdem, welche Methode des Einfrierens man wünscht, bewegen sich die Kosten zwischen 30 000 und 200 000 Euro.

Michael Madeja glaubt nicht, dass die Konservierung und Digitalisierung von Gehirnen in der seriösen Forschung absehbar eine Chance hat. Ob man glaubt, eines Tages den Tod besiegen oder das Bewusstsein erfassen zu können, ist nicht zuletzt auch eine philosophische oder religiöse Frage.

Madeja selbst ist überzeugt, dass das, was einen Menschen ausmacht, nicht an die reine Funktion von Nervenzellen gebunden ist. “In meinem Beruf als Wissenschaftler suche ich zwar nach wissenschaftlichen Erklärungen. Als Mensch glaube ich aber, dass es da noch etwas anderes gibt.“ Für die meisten Menschen ist das ganz einfach “die Seele“.

Von Irene Habich

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