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Wissen Aufgetauchter Brief: Das schreibt Albert Einstein an seine Schwester
Nachrichten Wissen Aufgetauchter Brief: Das schreibt Albert Einstein an seine Schwester
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17:58 09.11.2018
Albert Einstein im Juni 1954 in Princton: Ein neu aufgetauchter Brief zeigt, bereits mehr als zehn Jahre, bevor die Nazis die Macht ergriffen, fühlte der Physiker sich verfolgt und hatte Sorgen um Deutschland. Quelle: AP
Jerusalem

Angst und Sorge, wenn auch nur verdeckt: Ein neu aufgetauchter Brief von Albert Einstein zeigt den berühmten Physiker bereits 1922 als einen vom erstarkenden Antisemitismus Getriebenen. Noch vor dem Aufstieg der Faschisten in Italien und der Machtergreifung Hitlers vertraute er sich seiner jüngeren Schwester Maja an. Der Brief, den Einstein auf der Flucht schrieb, soll nun versteigert werden.

„Hier sind wirtschaftlich und politisch düstere Zeiten im Anzuge, so dass ich froh bin, ein halbes Jahr mich absentieren zu können“, schrieb er ihr am 12. August 1922. Einstein versteckte sich zu dieser Zeit in Norddeutschland. Er war aus Berlin geflohen, nachdem sein langjähriger Freund, der jüdische Außenminister Walther Rathenau, von Rechtsextremisten ermordet worden war. Die Polizei hatte Einstein, der auch aus einer jüdischen Familie stammte, gewarnt: Auch sein Leben könnte in Gefahr sein.

Albert Einstein (14. März 1879 - 18. April 1955) auf einer undatierten Aufnahme. Quelle: AP

Flucht nach Norddeutschland

„Hier draussen weiss niemand wo ich bin, und ich gelte als verreist“, schrieb der 43-jährige Einstein seiner zwei Jahre jüngeren Schwester. Er scherzt fast, wenn er schreibt: „Du siehst, ich bin im Begriffe, eine Art Wanderprediger zu werden. Dies ist erstens angenehm und zweitens - notwendig“.

Der Brief trägt keine Adresse. Es wird vermutet, dass Einstein ihn schrieb, als er in Kiel war, noch bevor er nach Japan zu einer Vortragsreise aufbrach. Den Nobelpreis für Physik, der er ihm 1921 zugesprochen war, erhielt er erst danach.

Bedrohung durch die Nationalsozialisten

Der jetzt aufgetauchte Brief zeugt davon, wie sich die noch junge Weimarer Republik bereits entwickelt hatte, auch wenn Einstein Angst und Bedrohung noch herunterspielte: „Mach dir keine Sorgen um mich“, schrieb er an Maja, „ich habe selbst auch keine Angst, wenn es auch nicht ganz koscher ist; die Menschen sind eben aus dem Häuschen.“Angesichts des Aufstiegs der Faschisten in Rom, fügte er hinzu: „In Italien scheint es übrigens mindestens ebenso arg zu sein.“

„Die Beziehung zwischen Albert und Maja war besonders und eng“, erklärt Meron Eden, Miteigentümer des Jerusalemer Auktionshauses Kedem, das den Brief in der kommenden Woche versteigert. Das Mindestgebot liegt bei 12.000 US-Dollar (10.500 Euro). Bislang befand sich das handschriftliche Dokument im Besitz eines anonymen Sammlers. „Der Brief zeigt uns die Gedanken, die während einer sehr frühen Phase des Nazi-Terrors durch Einsteins Kopf und Herz gingen“, so Eden weiter.

Neu aufgetaucht: In dem Brief vom 12. August 1922 schildert Albert Einstein seiner jüngeren Schwester Maja seine Ängste vor dem wachsenden Antisemitismus lange vor der Machtergreifung Hitlers. Quelle: Kedem Auction House

Brief dokumentiert deutschen Antisemitismus

Der Brief sei nicht der erste, in dem Einstein vor dem deutschen Antisemitismus, warne, erklärt Ze’ev Rosenkrantz. Er erforscht am California Institute of Technology Einsteins Nachlass. Aber das Schriftstück erfasse seinen Gemütszustand nach der Tötung Rathenaus und das „innere Exil“, in das er sich danach begeben habe.

Einsteins erste Reaktion war eine der Panik und der Wunsch, Deutschland für immer zu verlassen. Innerhalb einer Woche hatte er seine Meinung geändert“, beschreibt Rosenkrantz. „Der Brief zeigt eine für Einstein recht typische Mentalität, bei der er behauptet, äußerem Druck gegenüber gleichgültig zu sein.“ Einerseits vielleicht, so Rosenkrantz, um seine Schwester nicht zu beunruhigen, andererseits um nicht zugeben zu müssen, dass die Situation ihn durchaus aufwühlte.

Bedrohung 1922 noch heruntergespielt

„Mir ist es recht wohl, trotz allen Antisemiten unter den deutschen Kollegen. Ich ziehe mich hier zurück, ohne Krach und ohne unangenehme Gefühle und ve(r)diene mein Geld in der Hauptsache unabhängig vom Staate, so dass ich wirklich ein freier Mann bin“, schreibt er nicht ohne Trotz.

Mehr als ein Jahr bevor Adolf Hitler zum ersten Mal versuchen wird, sich an die Macht zu putschen, äußere sich Einstein hier dennoch bereits besorgt über die Zukunft Deutschlands.

Einsteins Relativitätstheorie als „jüdische Physik“ geschmäht

Am 9. November 1923 wird die NSDAP unter Adolf Hitler und Erich Ludendorff versuchen, Mussolinis „Marsch auf Rom“ nachzueifern. Der Marsch auf die Münchener Feldherrnhalle misslingt.

Knapp zehn Jahre später sind die Nationalsozialisten dann an der Macht. Am 9. November 1938 brennen die Synagogen, jüdische Geschäfte werden zerschlagen und Juden verfolgt. Die Reichspogromnacht ist der Auftakt für den Völkermord an den europäischen Juden.

Einstein ist da bereits ausgebürgert worden und in die USA emigriert. Seine bahnbrechenden Erkenntnisse, darunter die Relativitätstheorie, versuchten die Nazis als „jüdische Physik“ herabzuwürdigen.

Ein Porträt von Maja Einstein (18. November 1881 - 25. Juni 1951), circa um die Jahrhundertwende: Die jüngere Schwester von Albert Einstein war seine lebenslange Vertraute und folgte ihm nach Princton in die USA. Quelle: unbekannt

Exil in den USA

Bis zu seinem Tod 1955 blieb Einstein in den Vereinigten Staaten. Als er nach der Gründung des Staates Israel eingeladen wurde, dessen erster Präsident zu werden, lehnte er ab. Allerdings vermachte seinen literarischen Nachlass und persönliche Dokumente der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Auch seine Schwester folgte ihm. 1939 zog Maja Einstein zu ihm nach Princton in den US-Bundesstaat New Jersey. Sie starb knapp vier Jahre vor ihrem berühmten Bruder.

Von RND/nie/AP

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