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Wissen Auch ältere Menschen können noch Heuschnupfen bekommen
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11:42 19.02.2018
Haselnuss, Birke und Co.: Fliegende Pollen können bei jedem Menschen eine Allergie auslösen – egal in welchem Alter. Quelle: picture alliance
Ingolstadt

Ein 80-Jähriger, der plötzlich Heuschnupfen bekommt? Das hielten Ärzte vor einigen Jahren noch für kaum möglich. Allergien, so dachte man, seien vor allem eine Krankheit der Jugend. Inzwischen weiß man, dass das nicht stimmt: „Eine Allergie kann leider jeden und in jedem Alter treffen“, sagt Sonja Lämmel von Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Auch bei Erwachsenen ab 65 Jahren sind allergische Beschwerden weit verbreitet. „Oft werden die Symptome bei Senioren aber nicht ernst genug genommen“, kritisiert Lämmel.

Pollen-, Hausstaubmilben- und Lebensmittelallergien

Vor allem Pollen und Hausstaubmilben machen vielen älteren Menschen zu schaffen. „Zunehmend finden sich jedoch auch Lebensmittelallergien und auch die Häufigkeit von Neurodermitis im höheren Lebensalter nimmt zu“, sagt der Allergologe Prof. Torsten Zuberbier von der Charité in Berlin. Zuverlässige Studien dazu, wie verbreitet Allergien bei Senioren sind, gibt es nicht. Bisher sei diese Altersgruppe in der Forschung zu wenig berücksichtigt worden, bemängelt Zuberbier: „Es gibt keine einzige Langzeitstudie, die die Entwicklung von Allergien bei Menschen im Rentenalter untersucht. Dies wäre dringend erforderlich.“

Einmal Allergiker, immer Allergiker

Schätzungen zufolge sind bis zu zehn Prozent der Erwachsenen ab 65 Jahren betroffen. Manche davon haben seit ihrer frühen Kindheit Probleme. Denn wer einmal eine Allergie hat, wird sie nicht mehr los – auch wenn die Beschwerden mit den Jahren bei vielen Betroffenen leichter werden. „Die Allergien an sich verschwinden nicht, sondern die Symptome bessern sich oft nach der Pubertät“, erklärt Zuberbier, der auch die Europäische Stiftung für Allergieforschung leitet. Im mittleren Erwachsenenalter treten allergischer Schnupfen, Asthma oder Neurodermitis häufig wieder verstärkt auf. Abgesehen davon kann es sein, dass sich eine Allergie erst im Alter zeigt: „Immer mehr Menschen auch jenseits des 70. Lebensjahres stellen sich in unserer Ambulanz mit neu entdeckten Atemwegsallergien vor“, sagt der Allergologe. Einer der Gründe dafür sei die städtische Lebensweise. „Die für das Immunsystem eigentlich harmlosen Pollen verändern sich in der Stadtluft: Feine Staubpartikel lagern sich auf die Pollen auf, dadurch erkennt sie das Immunsystem leichter. Es stuft sie dann fälschlicherweise als gefährlich ein und bekämpft sie.“

Pollen, Milben, Lebensmittel oder Tiere: Mit einem Prick-Test auf der Haut können Stoffe gefunden werden, die bei den Patienten Allergien auslösen können. Quelle: picture-alliance

Was ist eine Allergie, was ist normal?

Grundsätzlich ist eine laufende, verstopfte Nase und häufiges Niesen ein weit verbreitetes Problem bei Senioren. Das braucht nicht zwangsläufig auf eine Allergie hinzudeuten, sagt Prof. Jörg Kleine-Tebbe von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). „Einige ältere Patienten haben einfach überempfindliche Schleimhäute.“ Sie seien in dem Fall „Schleimhaut-Schwächlinge“, aber keine Allergiker. Eine Triefnase kann verschiedene Ursachen haben, wie der Arzt erklärt. Bei einer Erkältung läuft die Nase relativ konstant, ein allergischer Schnupfen tritt dagegen anfallsartig auf. „Er kommt plötzlich und verschwindet genauso unerwartet wieder – so wie man einen Lichtschalter an- und ausschaltet“, beschreibt Kleine-Tebbe. Besonders verdächtig wird es, wenn Augenbeschwerden hinzukommen: „Augenjucken ist typisch bei einer Allergie.“

Auch Asthma, das oft mit allergischem Schnupfen einhergeht, ist bei Senioren nicht selten. Die damit verbundenen Atembeschwerden können ihr Allgemeinbefinden stark beeinträchtigen: „Menschen ab 70 Jahren haben oft ein angeschlagenes Bronchialsytem“, sagt die DAAB-Expertin Lämmel. „Wenn sie dann noch Heuschnupfen und Asthma bekommen, hat das ganz andere Auswirkungen als bei jungen Menschen.“ Doch die Anzeichen eines Asthmas werden bei älteren Patienten manchmal nicht ernst genommen oder falsch gedeutet. So sagt Kleine-Tebbe: „Symptome wie anfallsartige Schweratmigkeit und nächtlicher Husten werden öfters übersehen. Da kann es passieren, dass Patienten jahrelang unbehandelt bleiben.“ Kommt noch hinzu, dass viele ältere Erwachsene, vor allem Raucher, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) haben. Sie führt zu Husten, Auswurf und Atembeschwerden und lässt sich nicht leicht von Asthma unterscheiden.

Bei Beschwerden lieber einen Arzt aufsuchen

„Das Wichtigste ist: Man sollte auch bei einem älteren Menschen an eine Allergie denken“, sagt Kleine-Tebbe. Auch die Senioren selbst sollten ihre Beschwerden ernst nehmen und bald zum Arzt gehen. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Allergie, wird sie wie bei einem jungen Menschen behandelt. Für einen betagten Patienten kommt genauso wie für ein Kind eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) in Frage. Dabei wird der allergieauslösende Stoff (z.B. Pollen oder Hausstaubmilben) in immer größeren Dosen verabreicht, um das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen. Zuberbier betont: „Zusätzlich zu dieser ursächlichen Therapie sollten auch unbedingt die Symptome behandelt werden, beispielsweise mit Antihistaminika-Tabletten.“ Daneben setzen Ärzte oft Cortison-haltige Nasen- oder Asthmasprays ein, die in der Regel gut wirksam und verträglich sind. Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn ältere Menschen Asthma und zusätzlich eine Herzerkrankung haben: In dem Fall muss man die Medikamente sorgfältig aufeinander abstimmen.

Wie kann man sich schützen?

Wer zu Allergien neigt, sollte Folgendes beachten:

- Auslöser meiden: Wer weiß, worauf er allergisch reagiert, sollte diesen Stoffen möglichst konsequent aus dem Weg gehen.

- Nicht rauchen: Der Verzicht auf Zigaretten senkt unter anderem das Asthma-Risiko. Umgekehrt können Aktiv- und Passiv-Rauchen Heuschnupfen und Atembeschwerden aller Art verschlimmern.

- Gesunde Raumluft: Regelmäßiges Lüften ist wichtig! Schadstoffe in Innenräumen, etwa Formaldehyd, können Allergien auslösen. Auch auf Duftlampen, Raumsprays und Desinfektionsmittel sollte man wegen bedenklicher Inhaltsstoffe verzichten. Gefahr geht auch von Schimmelpilzen aus: Damit sie nicht entstehen, darf das Raumklima nicht zu feucht sein. Empfehlenswert ist eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent bei 20 Grad Celsius.

- Hautpflege: Regelmäßiges Eincremen schützt trockene Haut vor Reizungen und Ausschlägen. Die Produkte sollten frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein. Außerdem ist es ratsam, beim Putzen und Abwaschen Haushaltshandschuhe zu tragen.

- Informationen: Wissenswertes rund um das Thema Allergien findet man z.B. beim Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München

Von Angela Stoll/RND

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