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Wirtschaft Kommt die „große Lösung“ für die Landesbanken?
Nachrichten Wirtschaft Kommt die „große Lösung“ für die Landesbanken?
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00:18 29.10.2018
Nord/LB-Zentrale am Aegidientorplatz in Hannover Quelle: Nord LB
Hannover

Das Ziel ist klar: Die Sparkassen-Finanzgruppe will sich effizienter aufstellen. Die Strukturen seien „so nicht zukunftsfähig“, sagte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, im Februar mit Blick auf die zahlreichen Landesbanken, Landesbausparkassen und öffentlichen Versicherungen, die mit den 385 deutschen Sparkassen zusammenarbeiten.

Nun zeichnet sich ab, wie Schleweis dem Ziel näher kommen könnte. Laut einen Bericht des Handelsblatts planen die Sparkassen einen Einstieg der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) bei der Nord/LB in Hannover, die zurzeit einen Kapitalgeber sucht. Im Anschluss sollen die Helaba und die Nord/LB angeblich miteinander fusionieren, später dann auch noch mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Der Weg dorthin ist allerdings kompliziert. Die Sparkassen halten zwar die Mehrheit an der Helaba, bei der Nord/LB hat aber das Land Niedersachsen mit knapp 60 Prozent der Anteile das Sagen. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Warum erwägen die Sparkassen eine Landesbanken-Fusion?

Zur Sparkassen-Finanzgruppe gehören bundesweit sieben Landesbanken, elf Versicherungen und acht Landesbausparkassen (LBS). Die genossenschaftliche Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken kommt hingegen mit einer Zentralbank, einer Versicherung und einer Bausparkasse aus. Sie betreibt also deutlich weniger Aufwand.

Darüber hinaus kämen die Sparkassen mit einem Einstieg der Helaba bei der Nord/LB Privatinvestoren zuvor. Zur Nord/LB gehört auch die Braunschweigische Landessparkasse mit über 100 Filialen – und die Sparkassen legen Wert darauf, komplett in öffentlich-rechtlicher Hand zu bleiben.

Welche Vorteile hätte der Plan für Niedersachsen?

Aus Sicht der niedersächsischen Landesregierung hätte ein Einstieg der Helaba bei der Nord/LB Vorteile im Vergleich zu einer Lösung mit privaten Investoren. Die Nord/LB könnte weiterhin die Einlagensicherung der öffentlichen Banken nutzen. Das würde den Prozess der Kapitalbeschaffung beschleunigen und vereinfachen.

Niedersachsen könnte gleichzeitig mit der Helaba in die Nord/LB investieren und dadurch Mehrheitseigentümer bleiben. Das ist jedoch nicht zwingend nötig. Eventuell kann sich die Landesregierung das Geld auch sparen. Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) würde zwar gerne die Kontrolle bei der Nord/LB behalten, hat sich aber auch die Option offengelassen, sich künftig mit einem Minderheitsanteil zu begnügen.

Welche Nachteile gäbe es?

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi würde der Einstieg einer anderen Landesbank weitere Arbeitsplätze bei der Nord/LB gefährden. Auch öffentliche Investoren wie die Helaba wollten Synergieeffekte, sagte Jörg Reinbrecht, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen bei Verdi Niedersachsen. „Wer das nötige Kapital gibt, will Rendite sehen und das Sagen haben, auch bei einer Minderheitsbeteiligung.“

Denkbar ist, dass die Landesbanken zunächst bestimmte Abteilungen zusammenlegen, um Kosten zu sparen. Eine richtige Fusion zwischen Nord/LB und Helaba könnte für Hannover und Niedersachsen noch schmerzhafter werden. Vermutlich würde die Nord/LB dann zu einer Niederlassung der neuen Großbank degradiert werden. Die wichtigen Entscheidungen würden in der Finanzmetropole Frankfurt fallen.

Welche Bedeutung hat die Nord/LB für Niedersachsen?

Die Bank ist einer der größten Arbeitgeber im Bundesland. Sie beschäftigt rund 5900 Mitarbeiter, davon rund 3300 in Hannover, rund 1200 bei der Braunschweigischen Landessparkasse und über 600 in Oldenburg. Als Landesbank ist sie darüber hinaus ein wichtiger Partner der Landesregierung und niedersächsischer Unternehmen.

Wie haben sich die Landesbanken in den letzten Jahren entwickelt?

Die Landesbanken dienen den Bundesländern traditionell als Hausbanken und Wirtschaftsförderer, sie machen aber auch privaten Banken Konkurrenz. Seit dem Ende staatlicher Garantien, die aus Sicht der EU den Wettbewerb verzerrten, gingen einige von ihnen hohe Risiken ein. Die Finanzkrise traf deshalb zum Beispiel die West/LB hart, die Schiffskrise unter anderem die HSH Nordbank.

In den vergangenen zehn Jahren verschwanden nicht weniger als fünf Landesbanken: Die SachsenLB wurde von der LBBW übernommen, die WestLB zerschlagen und die Landesbank Berlin ging komplett an die Sparkassen. Die Nord/LB übernahm die Bremer Landesbank und US-Investoren bekamen den Zuschlag für die HSH Nordbank.

Von Christian Wölbert

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