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Wirtschaft „Wäre nicht erstaunt, wenn es zu weiteren Anklagen kommt“
Nachrichten Wirtschaft „Wäre nicht erstaunt, wenn es zu weiteren Anklagen kommt“
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14:12 04.05.2018
Die Forschungen von Peter Mock, Direktor am renommierten International Council on Clean Transportation (ICCT) brachten den VW-Abgasskandal ans Licht und Martin Winterkorn, damaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, letztendlich auf die Anklagebank. Quelle: dpa
Berlin

Peter Mock ist Direktor am renommierten International Council on Clean Transportation (ICCT) in Berlin. Seine Forschungen manövrierten im Herbst 2015 den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn ins Aus.

Herr Mock, Sie haben mit Ihren Untersuchungen den VW-Skandal vor zweieinhalb Jahren ins Rollen gebracht und dadurch indirekt Martin Winterkorn gestürzt. Jetzt hat die US-Justiz Anklage gegen den früheren VW-Chef erhoben. Hätten Sie gedacht, dass es so weit kommen würde?

Nein, auf gar keinen Fall. Zuerst ging ich von logischen Erklärungen dafür aus, warum die Testwerte so dramatisch voneinander abwichen. Erst später wurde klar, wie groß die Verfehlungen tatsächlich waren.

Sind Sie mit den Konsequenzen aus dem Diesel-Skandal zufrieden?

Ich hätte mehr erwartet. Bisher ist kein einziger Hersteller zu Strafzahlungen verurteilt worden. Die finanziellen Folgen gehen allein auf Klagen von Verbrauchern zurück. Für mich ist überraschend, wie einige Behörden ihrer Verantwortung nicht umfänglich nachkommen und diese stattdessen auf Gerichtsentscheide abwälzen.

Erwarten Sie weitere Anklagen?

Ich habe immer schon bezweifelt, dass nur ein kleiner Kreis ohne weitreichende Befugnisse von den Manipulationen wusste und für diese verantwortlich war. Vor diesem Hintergrund wäre ich nicht erstaunt, falls es zu weiteren Anklagen kommt.

Warum passiert in Deutschland so wenig?

Von den Testverfahren her hat sich einiges getan. In dieser Woche wurde für Europa vorgeschrieben, dass es regelmäßige Abgas-Nachprüfungen unter realen Fahrbedingungen geben muss und auch die Tests unabhängiger Institute berücksichtigt werden müssen. Das ist ein Riesenschritt in die richtige Richtung. Allerdings haben die zuständigen Behörden wie das Kraftfahrtbundesamt viel zu wenig Personal, um effektiv arbeiten zu können. Die Beharrungswiderstände aus der deutschen Industrie und der Politik sind unverändert groß.

Hat der Diesel-Skandal mit der Anklage gegen Winterkorn seinen Höhepunkt erreicht?

Die Aufarbeitung ist noch nicht vorbei. Es ist traurig, dass so viele Fälle bei den Gerichten liegen und die Konzerne von sich aus nicht den Mut besessen haben, ihre Fehler vollumfänglich einzugestehen.

Hat der Diesel ausgedient?

Zumindest für den Einsatz im Pkw. Aber die Menschen haben erst angefangen, weniger Diesel zu kaufen, als wegen drohender Fahrverbote der Wiederverkaufswert ihrer Altfahrzeuge sank – nicht wegen des Diesel-Skandals. Ich bin sehr gespannt, ob VW seinen Ankündigungen, massiv auf Elektro-Mobilität zu setzen, Taten folgen lässt.

Hat die deutsche Automobilindustrie die Zeichen der Zeit verschlafen?

Ich glaube nicht. Tesla wird überbewertet. Ich traue den deutschen Herstellern deutlich mehr zu als der amerikanischen Konkurrenz. Die Deutschen haben einfach mehr Erfahrung.

Von Jörg Köpke/RND

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