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Wirtschaft Volkswagen-Aufseher ist nicht zufrieden
Nachrichten Wirtschaft Volkswagen-Aufseher ist nicht zufrieden
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14:47 27.08.2018
Hiltrud Werner, VW-Konzernvorstand für Integrität und Recht, weiß, dass sich der Autokonzern noch verbessern muss, um den von den US-Behörden eingesetzte Aufseher Larry Thompson in punkto Transparenz zufriedenzustellen. Quelle: dpa
Wolfsburg

Der von den US-Behörden bei Volkswagen eingesetzte Aufpasser Larry Thompson ist mit dem Wandel der Unternehmenskultur noch nicht zufrieden. In seinem ersten Zwischenbericht hat der Kontrolleur zwei konkrete Verstöße gegen die Auflagen festgestellt, die dem Konzern in der Folge der Diesel-Affäre auferlegt wurden. Er könne noch nicht beurteilen, wie weit der Konzern bei der Umsetzung seiner Verpflichtungen gekommen sei, sagte Thompson am Montag in Wolfsburg. Insgesamt mahnte er eine höhere Transparenz an. „Wir sind eher am Anfang unserer Audit-Arbeit.“ Volkswagen solle ein „besseres Unternehmen“ werden.

Aufgabe des früheren US-Staatssekretärs und seines rund 60-köpfigen Teams ist es, Volkswagen drei Jahre lang auf die Finger zu schauen, damit sich kriminelles Verhalten wie im Abgasskandal nicht wiederholen kann. Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, in den USA die Abgasreinigung von Autos mit Dieselmotor manipuliert und so Kunden und Behörden betrogen zu haben. Insgesamt kostet die Aufarbeitung der weltweit millionenfachen Abgasmanipulation den Konzern bislang mehr als 27 Milliarden Euro.

Für Außenstehende wirken die von Thompson monierten Verstöße eher kleinteilig: So hat Volkswagen eine Liste von fünf Fragen im Zusammenhang mit der jährlichen Mitarbeiterbefragung „aus Versehen“ nicht in die Manager-Handbücher aufgenommen. Zudem sei übersehen worden, zehn Tage vor Beginn von Emissionstests für das Modelljahr 2017 die Umweltbehörde CARB schriftlich zu informieren, sagte Hiltrud Werner, Vorstand für Integrität und Recht. Der Konzern habe auf diese Fehler selbst hingewiesen.

Volkswagen wolle auch in Sachen Integrität ein Vorbild sein, sagte Werner – dies sei gleichrangig mit finanziellen Kennzahlen und Qualität der Fahrzeuge. Ziel sei, das im April beschlossene Integritäts-Programm „Together4Integrity“ bis 2020 auf die anderen Marken des Konzerns auszurollen. Damit sollten 70 Prozent der Belegschaft erreicht werden: „Wir haben hier einen Marathon vor uns, dessen Umsetzung Jahre in Anspruch nehmen wird.“ Bis 2025 wolle Volkswagen alle Tochtergesellschaften weltweit und sämtliche rund 650.000 Mitarbeiter erreichen.

Nach Einschätzung von Werner tut sich Volkswagen mit der Umstellung der Unternehmenskultur zum Teil noch schwer. „An vielen Stellen im Konzern gibt es noch Beharrungskräfte, die die alte Kultur wertschätzen: das stille Pflichterfüllen ohne Widerworte", sagte die Managerin der „Süddeutschen Zeitung“. Diese Art der Folgsamkeit und Obrigkeitshörigkeit gilt als einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Diesel-Manipulationen so lange unentdeckt bleiben konnten.

Die Verbesserung der Unternehmenskultur habe für den Konzernvorstand inzwischen „oberste Priorität“, sagte Werner:„Für den weiteren Kulturwandel rechne ich mit einem Dekaden-Horizont.“ Auch der Schulungsaufwand sei hoch: Allein im vergangenen November seien rund 7300 Manager mit Themen rund um Integrität und Unternehmenskultur vertraut gemacht worden.

Von Thomas Strünkelnberg

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