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Wirtschaft Früherer VW-Topmanager streitet um Bonus
Nachrichten Wirtschaft Früherer VW-Topmanager streitet um Bonus
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18:06 08.01.2018
Ein Bild aus besseren Tagen: Wolfgang Schreiber war  als VWN-Chef auch für die Entwicklung des Pick-Ups Amarok verantwortlich. Quelle: HAZ NP
Hannover

 Er gilt als der Erfinder des VW-Doppelkupplungsgetriebes DSG – und hat auch bei den Entwicklung des 1001-PS-Bugatti eine wichtige Rolle gespielt. Doch trotz seiner unbestrittenen Verdienste für das Unternehmen streiten sich Wolfgang Schreiber und der VW-Konzern nun über Geld, viel Geld. Am Montag wurde der Fall vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover verhandelt. Er dürfte die Justiz noch lange beschäftigen, denn dem Vorsitzenden Richter Jan-Oliver Hochtritt gelang es nicht, die Parteien zu neuen Vergleichsverhandlungen zu bewegen. Beide hatten Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichts Braunschweig vom vergangenen Jahr eingelegt, die nun in Hannover zurückgewiesen wurde (Az.: 15 SA 318/17).

Der einstige VW-Topmanager  war bis 2012 Chef von VW Nutzfahrzeuge in Hannover und übernahm danach die Führung bei den VW-Töchtern Bentley und Bugatti. Ende Mai  2014 wurde der promovierte Ingenieur im Alter von 56 Jahren völlig überraschend von seinen Aufgaben  freigestellt. Seitdem sitzt er zuhause, und zwar bei vollem Fixgehalt – aber gekürzten Bonuszahlungen. Der VW-Konzern argumentiert, damit es sich zum Teil um leistungsbezogenen Zuschläge handele. Da Schreiber keine Leistung mehr erbringe, habe er darauf keine Anspruch. Zudem beharrt das Unternehmen auf Klauseln, die eine Befristung des Dienstvertrages vorsehen. 

Der jugendlich wirkende Ingenieur hat fast 30 Jahre bei VW gearbeitet. Zum Abschied hatte ihn Konzernchef Martin Winterkorn in den höchsten Tönen gelobt, doch Schreiber  nennt den verkappten Rauswurf „die größte Niederlage meines Lebens“. Eine offizielle Begründung für das abrupte Ende hatte es nie gegeben. Allerdings hatte seinerzeit das als glaubwürdig geltende Gerücht die Runde gemacht, dass er seinen Platz nur deshalb hatte räumen müssen, weil VW den früheren Audi-Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer mit einem angemessenen Job versorgen musste.

Nach dieser Niederlage möchte Schreiber nach eigenen Worten wenigstens vor Gericht siegen und ließ sich dabei auch von der Argumentation von Richter Hochtritt nicht beirren, dass er seine Forderungen kaum vollständig durchsetzen könne. Der Streitwert des Verfahrens liegt bei 1,5 Millionen Euro, aber die Summe, um die  es geht, ist viel höher. Anwalt Christoph Crisolli wies vor Gericht darauf hin, dass nach seiner Ansicht der Vertrag seines Mandanten mit VW bis zu seinem Ableben gültig bleibt. Schreiber hätte demnach bis zu seinem Tod Anspruch auf die vollen Bezüge einschließlich der Bonuszahlungen – was auf einen zweistelligen Millionenbetrag hinauslaufen könnte. Außerdem hat Schreiber gegen VW eine Patentklage im Wert beim Landgericht München erhoben. Dabei geht es um das von ihm entwickelte Doppelschaltgetriebe (DSG), das als ein Meilenstein der Automobiltechnik gilt, und angeblich um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Doch ihm gehe es nicht nur ums Geld, wie er vor Gericht betonte. Er habe immer gern für VW gearbeitet, es sei „ein tolles Unternehmen“.  Aber jetzt könne er nicht klein beigeben. Die VW-Vertreter beeindruckte das jedoch nicht. Schreiber sei kein normaler Arbeitnehmer, für Topmanager sei nun mal eine zeitliche Befristung ihrer Verträge üblich. Zudem habe der Konzern ihm eine Weiterbeschäftigung auf angemessenen Positionen angeboten. 

Das Gericht bestätigte das Urteil des Arbeitsgerichts Braunschweig, das sowohl Schreiber als auch dem VW-Konzern aus unterschiedlichen Gründen missfallen hat. Anwalt Crisolli kündigte noch am Montagnachmittag an, dass sein Mandant nun Revision beim Bundesarbeitgericht in Erfurt einlegen wird. Mit einer Entscheidung ist erst im Jahr 2019 zu rechnen.

Von Albrecht Scheuermann

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