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Wirtschaft Claassen erstattet Strafanzeige gegen Air-Berlin-Chef
Nachrichten Wirtschaft Claassen erstattet Strafanzeige gegen Air-Berlin-Chef
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18:21 22.10.2017
Von Jens Heitmann
Wird zerschlagen: Teile der insolventen Fluglinie Air Berlin gingen vor wenigen Tagen an die Lufthansa.  Quelle: dpa/HAZ-Archiv
Hannover

Die Übernahme großer Teile von Air Berlin durch die Lufthansa wird die Justiz beschäftigen. Der hannoversche Investor Utz Claassen hat als einer der unterlegen Bieter bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann „sowie weitere in Betracht kommende Personen“ erstattet. Es geht um den Verdacht der Untreue, der vorsätzlichen Gläubigerbenachteiligung und „sonstiger in Betracht kommender Delikte“. „Hier ist ein Unternehmen mit 8000 Arbeitsplätzen geschlachtet worden“, sagte Claassen am Sonntag. „Das finde ich unerträglich.“

Wie aus der Strafanzeige hervorgeht, die der HAZ vorliegt, wittert Claassen hinter dem Insolvenzverfahren bei Air Berlin ein abgekartetes Spiel. Der potenzielle Investor hegt offenbar den Verdacht, dass das Management ein Interesse daran hatte, dass kein anderer Bieter die Fluggesellschaft komplett übernehmen und als Ganzes erhalten soll.

Als Beleg für diesen Vorwurf führt Claassen zwei Entscheidungen des Air-Berlin-Vorstandes unmittelbar vor dem Ende des Bieterverfahrens an: So hatte das Management Anfang September erst das Ende der Langstreckenflüge vom Berliner Flughafen Tegel nach New York und Miami bekanntgegeben. Kurze Zeit später wurde das Aus für alle Flüge in die Karibik verkündet.

Damit habe der Vorstand um Winkelmann auch die entsprechenden Start- und Landerechte aufgegeben - diese sogenannten Slots seien jedoch „der zentrale Vermögenswert der Air Berlin“ gewesen, heißt es in der Anzeige. Damit sei anderen Bietern die Grundlage für ein Angebot entzogen worden: „Ohne die entsprechenden Slots (...) wäre eine Auslastung der hier vorgehaltenen Maschinen und Crews nicht möglich gewesen.“

Mitte Oktober hat die Lufthansa für voraussichtlich 210 Millionen Euro den Zuschlag für die Übernahme der Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sowie 20 weiterer Maschinen erhalten. Dass die Wahl auf den Marktführer gefallen ist, überrascht Claassen wegen der personellen Verflechtungen nicht: Air-Berlin-Chef Winkelmann war zuvor für die Lufthansa tätig.

Millionengarantie für Winkelmann

Ein Indiz dafür, dass sich Winkelmann bereits zu Beginn seiner Tätigkeit auf den Absturz seines neuen Arbeitgebers einstellte, sieht Claassen in der Absicherung seines Gehaltes: Dank einer Bankgarantie laufen die Bezüge des Managers trotz Insolvenz weiter - bis 2021 bekommt er 4,5 Millionen Euro. Das Unternehmen habe „seinen Ermessensspielraum ausgenutzt“, hieß es im Geschäftsbericht, „um angesichts der außergewöhnlichen und unerwarteten Umstände für ihn ein angemessenes Vergütungspaket aufzusetzen“. Auch von Seiten der Politik hat es bereits harsche Kritik an dieser Abfindungsregelung gegeben.

Für Claassen ergibt sich daraus die Frage, ob Winkelmann überhaupt ein Interesse an einer erfolgreichen Sanierung von Air Berlin gehabt habe. Deshalb solle die Staatsanwaltschaft untersuchen, inwiefern sich die Absicherung der Bezüge des Konzernchefs auf seine „Vermögensbetreuungspflichten als Vorstand“ ausgewirkt habe, heißt es in der Strafanzeige: „In diesem Zusammenhang schließt sich der Kreis zu den Geschehensabläufen im Kontext des späteren Umgangs mit den sogenannten Slots der Air Berlin.“

Gründer soll Firmengelder veruntreut haben

Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold steht im Verdacht, Firmengelder veruntreut zu haben. Anfang 2012 habe der damalige Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn die interne Revision damit beauftragt, Abrechnungen seines Vorgängers Hunold zu überprüfen, berichtete die „Bild am Sonntag“. Im Anschluss daran hätten Fachleute des Unternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) die Vorwürfe geprüft und ein Zwischengutachten erstellt. Darin bestätigten sie offenbar Hinweise, „dass Joachim Hunold zu privaten Zwecken pflichtwidrig das Gesellschaftsvermögen schädigte, indem er auf Kosten der Gesellschaft mit Geschäftsreiseflugzeugen zu privaten Zwecken flog“. Mehdorn habe dem damaligen Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber das Gutachten geschickt. Hunold wies die Vorwürfe zurück. „Es gab nie irgendwie geartete Beanstandungen, geschweige denn ein Ermittlungsverfahren“, teilte Hunolds Anwalt Christian Schertz mit.

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