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Elektroschrott-Rücknahme funktioniert schlecht

Bilanz nach einem Jahr Elektroschrott-Rücknahme funktioniert schlecht

Seit einem Jahr sind große Elektromärkte gezwungen, Elektroschrott von Verbrauchern anzunehmen. Doch die neue Regelung setzt sich nur schleppend durch. Vor allem, weil der Handel seine Kunden nicht genug über die Möglichkeit informiert, kritisieren Umweltschützer.

Wenn Händler Elektroschrott nicht zurücknehmen, müssen sie mit einem Bußgeld rechnen. Bisher wurden aber keine verhängt.

Quelle: dpa

Berlin. Seit einem knappen Jahr sind viele Händler verpflichtet, Elektroschrott zurückzunehmen. Seit 1. Juni droht ihnen zudem ein Bußgeld von bis zu 100 000 Euro, wenn sie sich nicht an die Vorgabe halten. Doch Verbraucher- und Umweltschützer sind unzufrieden: Händler informierten zu wenig, dass Verbraucher bei ihnen Altgeräte loswerden können. Deswegen sei auch die Rückgabequote niedrig, kritisieren sie. Handelsvertreter monieren dagegen, dass Aufwand und Kosten für die Rückgabe zu hoch seien.

„Anfangs hat faktisch nichts funktioniert“, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Etwas besser sei es inzwischen geworden. Unter anderem würden Verbraucher nicht mehr ganz so häufig aus Geschäften weggeschickt. Probleme gebe es aber weiter – von Verbraucherfreundlichkeit könne keine Rede sein. „Verbraucher nehmen nur das in Anspruch, von dem sie wissen“, sagt Fischer. Händler würden aber oft nicht oder nur versteckt auf die Möglichkeit zur Rücknahme hinweisen. Der Handel müsste offensiver informieren, fordert Philip Heldt von der Verbraucherzentrale.

Diese Geschäfte müssen alte Geräte annehmen

Seit Ende Juli 2016 müssen Geschäfte Elektroschrott annehmen, vorausgesetzt das Geschäft hat mindestens 400 Quadratmeter Verkaufsfläche für Elektrogeräte. Bei Onlinehändlern wird deren Versand- und Lagerfläche berechnet. Nach dem Gesetz müssen Geräte mit einer Kantenlänge bis 25 Zentimeter ohne Kassenbeleg und ohne Kauf eines neuen Geräts zurückgenommen werden. Größere Geräte dürfen Kunden dagegen nur beim Kauf eines neuen kostenlos abgeben. Ziel des Gesetzes ist es, die Sammelquote für Elektroschrott zu erhöhen – also: mehr Wiederverwertung, weniger in die Schwarze Tonne.

Ein Problem sieht Fischer zudem in einer Gesetzeslücke: So müssten Discounter keinen Elektroschrott zurücknehmen. Sie zählen mit Wochenangeboten aber zu den größten Verkäufern kleiner Elektrogeräte – wie etwa Föhne, Rasierer oder Radiowecker.

Branchenverbände geben sich pflichtbewusst: Beim Bundesverband Onlinehandel (BVOH) gehe man „fest davon aus“, dass der betroffene Handel sich an die Gesetze und Regeln hält. BVOH-Präsident Oliver Prothmann sieht nach einem knappen Jahr Rücknahme-Pflicht die Annahme seines Verbands bestätigt, dass viel Aufwand für nichts betrieben werde. Online-Händler hätten monatliche Mehrkosten von mehreren Hundert Euro deswegen.

„Kleine Elektrogeräte werden nur wenige im Handel abgegeben“

Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT): „Kleine Elektrogeräte werden weiterhin nur wenige im Handel abgegeben.“ Auch Händler, die auffällige Rücknahmetheken für diese Geräte eingerichtet haben, würden bis heute kaum Rückläufe registrieren. Ausrangierte Elektro-Großgeräte wie etwa Kühlschränke nehme der Fachhandel dagegen schon seit jeher freiwillig zurück.

„Die Nachfrage ist gering bis nicht existent“, sagt Prothmann. Es würden auch insgesamt nicht mehr Geräte entsorgt. Vielmehr finde eine Umverteilung statt – weg von öffentlich-rechtlichen Entsorgungspunkten hin zum Handel, schätzt der Branchenvertreter.

Konkrete Zahlen zu Beschwerden hat der BVT nicht. „Wenn uns aber etwas verbesserungswürdig erscheint, machen wir Händler auch schon einmal darauf aufmerksam“, teilte der Verband auf Anfrage mit. Fälle von Bußgeldern sind beiden Verbänden bislang nicht bekannt.

Von RND/dpa/ang

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