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Die Gaswirtschaft will grüner werden

Energiewende Die Gaswirtschaft will grüner werden

Bisher stammt das meiste Gas aus dem Boden. Zumeist wird es importiert – hauptsächlich aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Nach Vorstellung der Branche soll der Gasbedarf künftig aber verstärkt aus heimischen und erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Aber wie?

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Biogasanlagen sollen die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten langfristig senken.

Quelle: Foto: dpa

Berlin. Die deutsche Gaswirtschaft will den Umstieg auf regenerative Energien vorantreiben. „Im Energiesystem der Zukunft können Gase zu 100 Prozent erneuerbar beziehungsweise treibhausgasneutral sein“, heißt es in einem Impulspapier, das der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) am Dienstag in Berlin vorstellen will. Das Papier liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bereits vor. „Gas kann Grün“ – mit diesem Motto wirbt der DVGW für einen neuen Blick auf die Branche.

Die Energiewende kommt damit endgültig auch auf dem deutschen Gasmarkt an. Bislang stammt das in Deutschland verbrauchte Gas vorwiegend aus fossilen Lagerstätten im Boden. Der Name Erdgas ist Programm. Da die Förderung aus deutschen Quellen seit Jahren zurückgeht, muss der allergrößte Teil dieses Gases importiert werden. Bei 93 Prozent lag die Importquote für Erdgas 2016. Die wichtigsten Lieferländer waren Russland, Norwegen und die Niederlande.

Drei Schritte für die grüne Zukunft

Nach Vorstellung des Branchenvereins DVGW könnte Gas für den deutschen Markt künftig verstärkt aus erneuerbaren und heimischen Quellen stammen, etwa aus Biogasanlagen oder durch die Umwandlung von überschüssigem Öko-Strom in Gas. Dadurch würde auch die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten langfristig sinken. Mittelfristig sei ein Anteil erneuerbarer Gase am deutschen Gesamtverbrauch in einer Größenordnung von 30 bis 35 Prozent denkbar, sagt DVGW-Chef Gerald Linke.

In drei Schritten will der Branchenverein die grüne Zukunft erreichen. In einem ersten sollen schmutzige, fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Benzin durch saubereres Gas ersetzt werden. Weil bei dessen Verbrennung weniger CO 2 entsteht, würden dadurch sofort hohe Klimaschutzeffekte erzielt, die darüber hinaus nicht viel kosten würden, argumentieren die Experten. In einem zweiten Schritt soll der Anteil grüner beziehungsweise klimaneutraler Gase in den Netzen sukzessive gesteigert werden, bevor in einem dritten Schritt die verschiedenen Energiesektoren wie der Gas- und der Strommarkt miteinander verzahnt werden.

Power-to-Gas-Anlagen als Speicher

Bislang gibt es aus rechtlichen und regulatorischen Gründen keine Möglichkeit, überschüssige Wind- oder Solarenergie in das Gasnetz einzuleiten. Dabei wäre das technisch durchaus möglich, durch sogenannte Power-to-Gas-Anlagen, bei denen Strom erst in Wasserstoff und dann in Methan umgewandelt wird. Dieses Methan könnte in das Erdgasnetz eingeleitet und dort zum Beispiel gespeichert werden. Aus Sicht der Gaswirtschaft würde das gleich mehrere Probleme der Energiewende lösen. Der teure Leitungsausbau müsste nicht bis in den letzten Winkel der Bundesrepublik erfolgen, Lastspitzen im Netz ließen sich kappen und auch das Speicherproblem für überschüssige Öko-Energie wäre gelöst. „Gasnetz und Gasspeicher können einen zentralen Beitrag zum Gelingen der Energiewende beitragen“, sagt Linke. „Das geht aber nur, wenn die Politik die Stoppschilder zwischen den Sektoren Gas, Strom und Verkehr endlich entfernt.“

Die Branche fordert ein Markteinführungsprogramm für Power-to-Gas-Anlagen, die im Rahmen einer Technologieförderung zu internationaler Marktreife weiterentwickelt werden müssten. Es diene auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn zukunftsfähige Schlüsseltechnologie exportfähig würden, heißt es in dem Papier. Experte Linke sagt es mit einfacheren Worten: „Neue Technologien wie Power-to-Gas müssen eine faire Chance bekommen.“

Von Andreas Niesmann/RND

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