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Schober: "Geschäft per Handschlag? Undenkbar"

Chef von Hannover Finanz Schober: "Geschäft per Handschlag? Undenkbar"

Andreas Schober, der scheidende Chef von Hannover Finanz, über den Wandel seiner Branche, persönliche Kontakte
und den Komponisten Paul Hindemith.

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"Ich denke mit etwas Wehmut an die alten Zeiten", sagt Andreas Schober.

Quelle: Heidrich

Hannover. Herr Schober, Sie haben vor fast 30 Jahren bei Hannover Finanz als Beteiligungsmanager angefangen. Welche Veränderungen haben Sie in dieser Zeit beobachtet?

Das Geschäft hat sich enorm gewandelt. Ich denke mit etwas Wehmut an die alten Zeiten. Damals konnte man ein Geschäft mit einem Unternehmer noch per Handschlag abschließen, das ist heute undenkbar. Sogenannte Bauchentscheidungen sind kaum noch möglich.

Zur Person

Andreas Schober, geboren 1954 als Sohn eines österreichischen Diplomaten in Washington, ist seit 1988 bei Hannover Finanz und gehört seit 1996 dem Vorstand an. Im Juli 2009 übernahm er die Funktion des Sprechers des Vorstandes. Ende Oktober geht er in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Goetz Hertz-Eichenrode (Jahrgang 1976), Sohn des ehemaligen Hannover-Finanz-Chefs Albrecht Hertz-Eichenrode. Schober begann seine berufliche Laufbahn 1981 bei Hewlett-Packard in Böblingen. Später wechselte er zur französischen Strategieberatungsfirma Mars & Co. in Paris. Schober ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Warum?

Heute ist eine Vielzahl von formalen Anforderungen zu erfüllen. Im Rahmen der sogenannten Due Diligence (Risikoprüfung, d. Red.) sind etliche Prüfungen Standard, der ganze Prozess ist dadurch sehr technisch geworden, und auf beiden Seiten reden eine Menge Berater mit.

Wie war es denn früher?

Ein gutes Beispiel ist unsere Beteiligung an Mobilcom in den Neunzigerjahren. Damals sind wir wegen starken Schneetreibens zwei Stunden zu spät bei Unternehmensgründer und -chef Gerhard Schmid in Schleswig angekommen, der einen Kapitalgeber suchte. Wegen der Verspätung trafen wir dort auf das Team eines konkurrierenden Finanzinvestors und entschieden einfach einvernehmlich, das Gespräch gemeinsam zu führen. Das war damals kein Problem, heute wäre es undenkbar.

Kommen Sie trotzdem noch persönlich mit den Unternehmern in Kontakt?

Natürlich. Nach wie vor führen wir vor einer Beteiligungsentscheidung immer persönliche Gespräche mit den Vorständen beziehungsweise Unternehmern. Diese Kontakte sind überhaupt mit das Schönste an meinem Beruf. Man lernt dabei interessante, intelligente und oft auch kantige Persönlichkeiten kennen. Die haben oft ziemlich viel drauf.

Ist der Umgang mit solchen Leuten nicht manchmal auch schwierig?

Das stimmt. Schließlich haben sie oft ihr Unternehmen aufgebaut und sind dadurch auch viel stärker emotional beteiligt. Deshalb fällt es ihnen schwer, Entscheidungen zu delegieren oder anderen eine Mitsprache zu erlauben. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Besetzung von Geschäftsführerposten, da wollen sie oft niemanden reinlassen. Man muss sich da als Beteiligungsmanager manchmal ziemlich beherrschen.

Sie haben die Leitung von Hannover Finanz vor acht Jahren mitten in der Weltfinanzkrise übernommen. Das war sicher kein sehr günstiger Zeitpunkt ...

Das kann man so sagen. Damals, im Jahr 2009, mussten auch wir einige Schläge verkraften. Einige noch relativ neue Beteiligungsunternehmen gingen in die Insolvenz. Allerdings hat Hannover Finanz nie einen Verlust geschrieben. Uns hat dabei unser breites Portfolio geholfen, deshalb konnten wir die Ausfälle verkraften.

Gibt es Veränderungen in der Strategie?

Vor ein paar Jahren haben wir entschieden, größere Beteiligungen anzustreben. Bei größeren Unternehmen ist das Management oft professioneller. Außerdem ist der Beteiligungsprozess so aufwendig geworden, dass größere Beteiligungen einfach effizienter sind.

Auf dem Beteiligungsmarkt gibt es jede Menge Kapital und Konkurrenz. Was unterscheidet die Hannover
Finanz von den Wettbewerbern?

Unsere Zielgruppe sind mittelständische, meist inhabergeführte Unternehmen. Wir investieren sehr langfristig, verkaufen also nicht zur Unzeit, wenn zum Beispiel irgendein strategischer Investor auftaucht. Und wir verfügen über ausreichend Cash, um sehr schnell entscheiden zu können – also auch, bevor die endgültige Finanzierung geklärt ist.

Wie lautet Ihre persönliche Schlussbilanz?

Ich bin sehr stolz auf die Entwicklung der Hannover Finanz und auch zuversichtlich, dass es so weitergeht. Dabei helfen dem Unternehmen sein guter Ruf und der große Erfahrungsschatz.

Ihr letzter Tag als Hannover-Finanz-Chef ist der 31. Oktober. Was planen Sie für die Zeit danach?

Ich werde in den Beirat der Hannover Finanz wechseln und auch bei einigen Portfolio-Unternehmen noch beratend tätig sein. Außerdem warten auf mich einige Aufgaben im kulturellen Bereich.

Welche?

Ich bin im Stiftungsrat der Hindemith-Stiftung in der Schweiz. Mit dem Komponisten Paul Hindemith verbindet mich sogar eine persönliche Beziehung: Seine Frau Gertrud war die Tante meiner Mutter. Ich habe ihn als kleiner Junge noch kennengelernt. Außerdem will ich meiner Frau helfen, die als ehrenamtliche Präsidentin der Hannoverschen Chopin-Gesellschaft acht Konzerte jährlich organisiert. Zudem übernehme ich gerne noch weitere Ehrenämter im kulturellen Bereich. Auch möchte ich mehr Golf spielen und an meinem ziemlich schwachen Handicap arbeiten.

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