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Tui will an jedem Kunden mehr verdienen

Reisebranche Tui will an jedem Kunden mehr verdienen

Der Touristikkonzern hat seinen Wandel vom Reiseveranstalter zum Hotel- und Kreuzfahrtkonzern abgeschlossen. Die Tui will weiter zweistellig wachsen – und den Kunden individuell neue Angebote machen. Das soll die Profitabilität noch einmal erhöhen.

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TUI-Vorstandschef Friedrich Joussen (links) begrüßt den kommenden Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Zetsche (Mitte). Der amtierende Aufsichtsratschef Klaus Mangold bleibt im Amt, bis Zetsche bei Daimler als Konzernchef ausscheidet

Quelle: imago/localpic

Hannover.  Durch die Digitalisierung will die Tui künftig deutlich mehr verdienen. Mit Hilfe neuer IT-Techniken werde es möglich, den Umsatz pro Urlauber zu erhöhen und gleichzeitig das Auslastungsrisiko für die eigenen Hotels zu senken, sagte Vorstandschef Friedrich Joussen am Dienstag bei der Hauptversammlung in Hannover. Der Kunde kenne die Marke Tui und vertraue ihr: „Daraus solten wir mehr und bessere Service-Angebote entwickeln und zusätzliche Erlöse generieren.“

Wie diese Ansprache in Zukunft aussehen könnte, testet die Tui in Skandinavien: Anders als im übrigen Europa hat der Konzern dort Angebote für bequemere Sitze im Flugzeug, bessere Hotelzimmer oder Ausflüge am Urlaubsziel auf jeden einzelnen Reisenden zugeschnitten. Während bei Offerten für breitere Zielgruppen nur fünf von tausend Kunden entsprechende Zusatzleistungen in Anspruch nähmen, seien es bei individuellen Angeboten vierzig Mal so viele, sagte Joussen. 

Parallel dazu will der Vorstandschef die vorhandenen Bettenkapazitäten besser ausnutzen. Jedes Jahr bietet die Tui 100 Millionen Übernachtungen in ihren eigenen Hotels an, zudem kauft der Konzern ür 5 Milliarden Euro Betten bei anderen Hoteliers an. Lange wurde die Angebote nach den Herkunftsländern der Gäste getrennt vermarktet:  Wenn etwa die Nachfrage in Großbritannien schwächer war als in Deutschland, habe man das bei der Tui erst spät bemerkt, sagte Joussen. Dank  einer neuen Datenbank-Technologie (Blockchain) falle das inzwischen sofort auf: „Durch die intelligente Integration unserer Preissysteme erkennen wir, in welchen Märkten die Kapazität den höchsten Wert erlösen kann und gruppieren sie dementsprechend um“.

Höhere Erträge je Kunde und  Bett sollen der Tui helfen, den operativen Gewinn weiterhin zweistellig steigern zu können. Seit der Übernahme der britischen Tochter Tui Travel 2014 habe der Konzern das bereinigte Ergebnis vor  Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Schnitt jedes Jahr um 12 Prozent erhöht, sagte Finanzvorstand Horst Baier. Im vergangenen Jahr verdiente die Tui bei einem Umsatz von 18,5 Milliarden rund 1,1 Milliarden Euro, unter dem Strich waren es 761 Millionen Euro. Die Dividende je Aktie stieg von 63 auf 65 Cent.

Auch ins laufende Geschäftsjahr 2017/18 (30.9.) ist der Konzern gut gestartet. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse dank hoher Zuwächse bei den Sommerbuchungen um 8 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, der saisontypische Verlust verringerte sich operativ auf 25 Millionen Euro. Vor allem die Türkei sei wieder stark gefragt, hieß es.

Bei den Aktionären kamen die verbesserten Zahlen und ehrgeizigen Ziele gut an. „Die Altlasten sind aus der Bilanz, die Strategie ist richtig – tolle Leistung“, sagte Peter Tschirner von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.  Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft Deutsche Asset Management sieht die Tui ebenfalls auf einem guten Weg, lediglich die Kursentwicklung der Aktie lasse noch zu wünschen übrig: Das Papier habe sich zuletzt schlechter geschlagen als der M-Dax, in dem es notiert ist.

Von Jens Heitmann

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