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Wirtschaft Thyssenkrupp will Werk in Emden schließen
Nachrichten Wirtschaft Thyssenkrupp will Werk in Emden schließen
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08:20 02.09.2017
Der Abstieg des Traditionsstandorts der früheren Nordseewerke setzt sich fort: Thyssenkrupp will sein dortiges Werk aufgeben. Foto: dpa Quelle: Mohssen Assanimoghaddam
Hannover/Emden

Den 220 Beschäftigten der Tochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) werde man an anderen Standorten des Unternehmens Jobs anbieten. Die Unternehmensleitung informierte am Freitag die Belegschaft in Emden auf einer Betriebsversammlung über die Pläne. Der Traditionsstandort der Nordseewerke setzt damit seinen jahrelangen Abstieg fort.

Der Thyssenkrupp-Konzern hatte am Donnerstag die Streichung von bis zu weiteren 1000 Stellen in seiner Sparte Industrial Solutions in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt soll der Großanlagenbau sein - doch auch der Marineschiffbau gehört zu der Sparte. Weltweit sollen in den kommenden drei Jahren bis 1500 Arbeitsplätze wegfallen.

Die Umstrukturierung in dem Schiffbau-Geschäftsbereich sei die Folge des verschärften Wettbewerbsdrucks bei Marineschiffen, erklärte das Unternehmen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies (SPD) betonte jedoch, dass er für das Vorgehen von Thyssenkrupp kein Verständnis habe.

Das Argument, wonach Arbeiten stärker konzentriert werden müssten, passe nicht mehr in das Jahr 2017. Die mehr als 200 hoch qualifizierten Ingenieure, Techniker und Schiffskonstrukteure seien bereits heute mit allen Konzernstandorten digital verbunden. Daher könnten die Arbeiten weiterhin in Emden geleistet werden, sagte der Minister. Er kündigte einen Runden Tisch mit allen Beteiligten in Hannover an.

Der Emder Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) sprach von einem Tiefschlag und einer Katastrophe für die Region. Gewerkschafter und Betriebsräte kritisierten, fast alle Fragen zu dem Stellenabbau seien offengeblieben. Nicht einmal ein grober Zeitrahmen sei genannt worden. Die Schließungspläne seien wirtschaftlich nicht sinnvoll und nicht nachvollziehbar. Die IG Metall Küste kündigte Widerstand gegen die Pläne des Konzerns an.

Viele Jobs verloren

Solche Kämpfe wurden auf dem Gelände der im Jahr 1903 gegründeten Nordseewerke schon öfter geführt. Der Standort zählte einst zu den größten deutschen Marinewerften mit bis zu 5000 Beschäftigten. 1974 übernahm Thyssen das Unternehmen und verkaufte es im Jahr 2010 wieder - mit seiner Tochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) blieb der Konzern allerdings auch selbst auf dem Areal tätig.

Zum Zeitpunkt des Verkaufs bauten die Nordseewerke bereits keine Schiffe mehr, sondern Tripod-Fundamente für Offshore-Windkraftanlagen. Ohne Erfolg: 2012 mussten sie Insolvenz anmelden. Damals waren hier noch 750 Mitarbeiter beschäftigt. Nach mehreren Investoren- und Strategiewechseln heißt die Werft mittlerweile Nordseewerke Emden Shipyard (NES) und produziert mit rund 50 Mitarbeitern schwere Stahlkomponenten für Offshore-Industrie und die Papenburger Meyer-Werft.

Nun verstärkt der Rückzug von Thyssenkrupp den Abstieg des Standortes. Bereits vor einigen Jahren hatte ThyssenKrupp Marine Systems versucht, Beschäftigte zum Wechsel von Emden nach Kiel zu bewegen. Thyssenkrupp habe an dem niedersächsischen Standort „verbrannte Erde“ hinterlassen, sagte der Geschäftsführer der Emder IG Metall, Michael Hehemann. Die Kieler Werft hingegen - am Hauptsitz von Thyssenkrupp Marine Systems - ist nach Firmenangaben nicht von den angekündigten Stellenstreichungen betroffen.

Von Heiko Randermann
 und Hans-Christian Wöste

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