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Wirtschaft TÜV-Prüfer arbeiten am Limit
Nachrichten Wirtschaft TÜV-Prüfer arbeiten am Limit
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00:47 26.03.2018
Lange Warteschlange: Abgasmessung auf einem Prüfstand des TÜV Nord in Essen Quelle: Udo Geisler
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Hannover

 Verschärfte Vorschriften für Abgasmessungen stellen nicht nur die Autohersteller, sondern auch den TÜV vor neue Herausforderungen. „Unsere Prüfer leiden unter der sehr hohen Auslastung“, sagte TÜV-Nord-Chef Dirk Stenkamp am Freitag in Hannover. Die Prüfstände aller zugelassenen Testinstitute in Deutschland seien bis September weitgehend ausgebucht. 

Am 1. September treten verschärfte Regeln für Abgasmessungen in Kraft. Der neue Prüfstand-Fahrzyklus WLTP orientiert sich mehr am Alltagsgebrauch eines Fahrzeugs als sein Vorgänger NEFZ, dadurch wird es für die Autobauer schwieriger, die Grenzwerte für den Schadstoffausstoß einzuhalten. Nicht nur neue Modelle werden geprüft, die Hersteller müssen auch ihre aktuelle Modellpalette vorführen und testen lassen. Nur mit gültigem aktuellen Prüfsiegel dürfen sie die Autos weiter verkaufen – werden die Grenzwerte überschritten, oder sind keine Prüfstände verfügbar, um die neuen Tests durchzuführen, müssen die Hersteller den Verkauf stoppen – möglicherweise sogar die Produktion.

Die neuen Tests nähmen erheblich mehr Zeit in Anspruch als gedacht, sagte Stenkamp. „Alle, einschließlich des Kraftfahrtbundesamtes, waren überrascht von der Fülle der Prüfungen und der zu erbringenden Dokumentation.“ Angangs habe der TÜV vier Arbeitstage für jedes Modell benötigt. Inzwischen stelle sich aber eine gewisse Routine ein. Ziel sei, künftig in 14 bis 15 Stunden fertig zu sein. Dadurch werde man die Tests rechtzeitig abschließen können. Hersteller wie VW hatten Sorgen geäußert, dass sie wegen der ausgebuchten Prüfstände vorübergehend Modelle aus dem Programm nehmen müssten.

Experten erwarten zudem, dass einige Autos im neuen Testverfahren die Grenzwerte nicht einhalten. BMW hat bereits angekündigt, mehrere Modelle mit Benzinmotor vorübergehend aus dem Angebot zu nehmen. Der 7er wird als Benziner sogar ein Jahr lang nicht verkauft. Die Autos benötigen künftig einen Partikelfilter, um den Grenzwert für Feinstaub einzuhalten. Bei VW Nutzfahrzeuge hieß es kürzlich, dass die Neuzulassungen „das größte Risiko“ im laufenden Jahr darstellten. 

Zur Debatte um die Hardware-Nachrüstung älterer Diesel sagte Stenkamp, diese sei „teilweise sinnhaft umzusetzen“. Technische Möglichkeiten seien vorhanden – die Frage, wer die Nachrüstung bezahlt, müsse aber von der Politik diskutiert werden. In jedem Fall müssten Änderungen am Abgassystem zugelassen werden.

TÜV will mehr Frauen

Der TÜV Nord mit Hauptsitz in Hannover gehört zu den größten Prüfkonzernen der Welt. Er beschäftigt 13.100 Mitarbeiter, davon rund 900 in Hannover. 

Um ausreichend Nachwuchs zu gewinnen, will der TÜV künftig „deutlich attraktiver für Frauen werden“, sagte Personalvorstand Harald Reutter. Dazu habe man ein „Gender-Balance-Programm“ gestartet und Stellenausschreibungen so optimiert, dass sich Frauen stärker angesprochen fühlen.

Im gesamten Konzern liegt der Frauenanteil bei 29 Prozent. In den technischen Bereichen sind es nur 11 Prozent, in den drei Führungsebenen unterhalb des – rein männlichen – Vorstandes nur 18 Prozent. Diese Werte wolle man ausbauen, betonte Reutter.

Weiteres Wachstumsjahr

Die TÜV-Nord-Gruppe mit Hauptsitz Hannover hat das vierte Wachstumsjahr in Folge hingelegt: Der Umsatz stieg 2017 um 2,7 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro, der Gewinn legte um 11 Prozent auf 48 Millionen Euro zu. Den stärksten Umsatzzuwachs erarbeitete sich der Geschäftsbereich Mobilität. „Maßgeblich dafür war die erfolgreiche Marktexpansion bei der Prüfung und Bewertung von Fahrzeugen nach Süddeutschland“, erklärte der TÜV. Der Industrie- und der IT-Bereich legten ebenfalls zu. In den relativ kleinen Sektoren Bildung, Rohstoffe und Luftfahrt gingen die Umsätze hingegen zurück.

Von Christian Wölbert

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