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Wirtschaft Lukrative Nebenjobs beim Landvolk ärgern Bauern
Nachrichten Wirtschaft Lukrative Nebenjobs beim Landvolk ärgern Bauern
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00:15 31.12.2017
Bauern leben heutzutage häufig nicht nur von der Landwirtschaft, sondern zum Beispiel auch der Stromerzeugung aus Windkraft. Entsprechend aufwendig sind die Steuererklärungen. Quelle: dpa
Hannover

Die Vereinigung des Emsländischen Landvolkes e.V. (VEL) preist sich als „die Interessenvertretung Nr. 1 der Landwirte im Emsland und in der Grafschaft Bentheim“. Allerdings kommen jetzt Zweifel auf, dass es nur um die Interessen der etwa 8000 Mitglieder im Emsland und in der Grafschaft Bentheim geht. Anlass ist ein Antrag auf Einleitung von Berufsaufsichtsverfahren gegen die Geschäftsführer der sehr eng mit der VEL verbundenen Steuerberatungsgesellschaft Data-Tax in Meppen, der jetzt bei der Steuerberaterkammer Niedersachsen eingegangen ist. Hinter dem Antrag stehen Landwirte aus dem Emsland, denen die Verflechtungen zwischen dem Landvolk und Data-Tax missfallen. Jedoch geht es bei dem Streit nicht nur um Berufsrecht, sondern auch um viel Geld. 

Die Steuerberaterkammer Niedersachsen gibt sich verschwiegen. „Wir können und dürfen uns zu solchen Verfahren nicht öffentlich äußern“, sagte Geschäftsführer Arne Hundertmark. Etwas auskunftsfreudiger zeigte sich die Generalstaatsanwaltschaft Celle. Oberstaatsanwalt Bernd Kolkmeier bestätigte, dass die Behörde ein Duplikat des Antrags erhalten habe. Bevor sie selbst tätig werde, warte sie jedoch das Ergebnis des Verfahren bei der Kammer ab. 

Dahinter steht letztlich der Verdacht, dass sich VEL-Mitarbeiter eine zumindest fragwürdige zusätzliche Einkommensquelle erschlossen haben. Die Vereinigung ist nicht ein bloßer Interessenverband, sondern bietet in ihren vier Landwirtschaftlichen Buchstellen in Meppen, Aschendorf, Lingen und Neuenhaus den Bauern auch Dienstleistungen wie Steuerberatung an. Im Grundsatz ist sie dabei aber auf Einkünfte aus der Landwirtschaft beschränkt. 

Soweit ein Bauer daneben andere Einkünfte erzielt, werden die VEL-Mitglieder an die eigens zu diesem Zweck gegründete Data-Tax weitergeleitet. Formal handelt es sich um eine völlig getrennte Gesellschaft, doch die Verflechtungen sind äußerst eng: So arbeiten die Geschäftsführer und Gesellschafter der Data-Tax auch als angestellte Steuerberater für die VEL, die Adressen sind mit den Buchstellen identisch, die Data-Tax kann sich auch auf die Dienste der mehr als 200 VEL-Mitarbeiter stützen. Dafür reicht die Data-Tax zwar den größten Teil ihrer Erträge an die VEL weiter, aber es bleibt offenbar noch allerhand übrig – angeblich genug, um jedem der elf Geschäftsführer durchschnittlich pro Jahr eine sechsstellige Summe zu überweisen. 

Je mehr Leistungen die VEL-Steuerberater also in ihrem Nebenjob bei der Data-Tax erbringen, desto besser ist das auch für ihr privates Konto. Deshalb schickten die VEL-Buchstellen – so behaupten jedenfalls Insider – Vereinsmitglieder mit ihren Steuerangelegenheiten zur Data-Tax, obwohl dies gar nicht nötig sei. Für nicht landwirtschaftliche Nebeneinkünfte, die „üblicherweise bei Landwirten vorkommen“, dürfen nämlich laut Steuerberatungsgesetz auch Landwirtschaftliche Buchstellen steuerberatend tätig werden. Doch gilt diese Ausnahme zum Beispiel für Einnahmen aus Photovoltaik-Anlagen auf dem Stalldach oder gewerbliche Schweinemast? Die Steuerberaterkammer Niedersachsen sieht hier kein Problem, wie ein Antwortschreiben an einen Landwirt belegt. 

Data-Tax-Geschäftsführer Hermann ter Glane wollte sich zu dem Vorwurf nicht selbst äußern, sondern ließ den Düsseldorfer Anwalt Wolfgang Peters Stellung nehmen. Demnach sei es „rechtlich zwingend“, die VEL-Mitglieder in solchen Fällen an die Data-Tax zu verweisen. Solche Fälle der Zusammenarbeit von Vereinen von Land- und Forstwirten und Steuerberatergesellschaften gebe es im Übrigen häufig, sie seien „der Steuerberaterkammer seit vielen Jahren bestens bekannt“. 

VEL-Hauptgeschäftsführer Lambert Hurink hebt die Vorteile der Kooperation hervor: „Durch die Zusammenarbeit gelingt es uns als VEL, für unsere Mitglieder eine umfassende Dienstleistung anzubieten.“ Sie sei auch der Grund, „dass wir für unsere Mitglieder seit 25 Jahren den Mitgliedsbeitrag nicht mehr erhöht haben“.  Ganz anders sieht der Kölner Jurist Matthes Heller die Rechtslage. Der Experte für das Steuerberatungsrecht hält Kooperationen wie im Fall von VEL und Data-Tax nicht nur für rechtlich äußerst problematisch. Sie seien auch aus Sicht der Beteiligten nicht mehr erforderlich. „Vereine von Land- und Forstwirten können ihre Mandanten heute praktisch unbeschränkt selbst steuerlich beraten.“ Daher könne es für die Beteiligten nur einen Rat geben: „Die Verträge sind zu beenden.“

Von Albrecht Scheuermann

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