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Wirtschaft Belege einreichen erstmals nicht mehr Pflicht
Nachrichten Wirtschaft Belege einreichen erstmals nicht mehr Pflicht
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00:28 16.04.2018
Viele füllen die Steuererklärung noch wie zu Großvaters Zeiten auf Papierformularen aus. Die Finanzämter bevorzugen jedoch die elektronische Steuererklärung, bekannt unter dem Begriff Elster.  Quelle: dpa
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Hannover

Die Steuererklärung für das Jahr 2017 muss bis Ende Mai beim Finanzamt eingereicht werden. Dies gilt jedenfalls für jene, die zur Abgabe verpflichtet sind und die ihre Steuererklärung nicht von einem Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater erstellen lassen. Wie jedes Jahr stellen sich dabei jede Menge Fragen. Antworten geben Uwe Rauhöft (Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfe),  Gunthild Henneberg (Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland),  Brigitte Heinrich (Lohnsteuerhilfeverein Fuldatal) und Monika Ostrowski (Vereinigte Lohnsteuerhilfe).

Wie lange muss eine Steuerklärung eingereicht werden, meine Mutter ist bereits 94 Jahre alt?

Die Abgabepflicht richtet sich nach den Einkünften. Das Lebensalter spielt hierbei keine Rolle. Deshalb kann bereits ein Kind zur Abgabe verpflichtet sein, wenn es beispielsweise bereits Einkünfte bezieht, ebenso ältere Personen, wenn deren Altersbezüge entsprechend hoch sind. 

Wir haben eine Wohnung unentgeltlich unserer Tochter überlassen. Können wir Handwerkerrechnungen für diese Wohnung absetzen? 

 Steuerermäßigungen für Handwerkerleistungen werden nur für den eigenen Haushalt gewährt. Dazu zählen auch Kinder, wenn sie steuerlich zu berücksichtigen sind, das heißt, solange noch Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag besteht. Trifft dies nicht mehr zu, kann Ihre Tochter Handwerkerleistungen in der von ihr genutzten Wohnung nur selbst geltend machen. 

 Unser Sohn studiert. Seitdem er 25 Jahre ist, erhalten wir kein Kindergeld mehr. Können wir gar nichts mehr geltend machen? 

Eher ist das Gegenteil der Fall, dass dann sogar mehr berücksichtigt werden kann. Bis zur Altersgrenze sind alle Aufwendungen der Eltern grundsätzlich mit dem Kindergeld bzw. den Kinderfreibeträgen abgegolten. Entfällt dies für ältere Kinder, können Eltern ihre Unterhaltsaufwendungen als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Dazu ist in der Steuererklärung die Anlage Unterhalt auszufüllen. Lebt das Kind noch im elterlichen Haushalt, kann ohne Nachweis der Aufwendungen der Höchstbetrag geltend gemacht werden. Er entspricht dem steuerfreien Existenzminimum (8.820 Euro für 2017). Hinzu kommen gezahlte Beiträge für Basiskranken- und Pflegeversicherung. Eigene Einkünfte oder Bezüge des Kindes, bspw. aus einem Nebenjob, mindern den Freibetrag, wenn sie 624 Euro übersteigen.

 Ich beziehe Lohn und vermiete außerdem eine Wohnung. Ich habe noch nie eine Steuererklärung abgegeben. Kann ich abwarten, bis ich eine Aufforderung vom Finanzamt erhalte? 

Wer eine Steuererklärung abgeben, muss richtet sich nach den gesetzlichen Vorschriften. Für Arbeitnehmer trifft die Abgabepflicht nur in bestimmten Fällen zu, weil sie bereits monatlich Lohnsteuer zahlen. Kommen jedoch weitere Einkünfte hinzu, ändert sich die Situation. Sobald diese eine Bagatellgrenze von 410 Euro im Jahr übersteigen, muss eine Steuererklärung eingereicht werden. Sie müssen folglich prüfen, ob die Mieteinnahmen nach Abzug der Werbungskosten wie  Abschreibung, Kreditzinsen, Reparaturen diesen Betrag übersteigen. In diesem Fall sollte keinesfalls eine Aufforderung durch das Finanzamt abgewartet werden. Das Finanzamt kann in diesen Fällen mindestens sieben Jahre rückwirkend die Steuer festsetzen. Zudem drohen Verspätungszuschläge und Zinsen auf Nachzahlungen. 

 Stimmt es, dass mit der Steuererklärung 2017 keine Belege mehr mitgeschickt werden müssen? 

  Das stimmt grundsätzlich. Hintergrund ist, dass die Finanzverwaltung möglichst viele Steuererklärungen vollautomatisch bearbeiten will. Dennoch landen Steuererklärungen weiterhin auf dem Schreibtisch eines Finanzbeamten. Hierzu erfolgt eine Auswahl nach dem Zufallsprinzip und nach programmierten Risikokriterien. Bei einer solchen individuellen Prüfung kann der Sachbearbeiter vom Steuerbürger Belege anfordern. Aus diesem Grund dürfen Belege frühestens entsorgt werden, wenn der endgültige Steuerbescheid vorliegt – und kein Einspruch eingelegt wird. Für Spendenbescheinigungen gilt zudem eine Aufbewahrungsfrist von einem Jahr – gerechnet ab Erhalt des Steuerbescheids. In bestimmten Fällen, bspw. für Handwerkerrechnungen oder für betriebliche Unterlagen bei Gewerbetreibenden, gelten weiterhin längere Aufbewahrungsfristen. 

 Ich habe mit meinem Mann ein Mietobjekt. Im vergangenen Jahr wurden wir geschieden, das Haus gehört uns weiterhin je zur Hälfte. Wie ist jetzt die Vermietung beim Finanzamt anzugeben? Bisher wurde unsere Steuererklärung vom Lohnsteuerhilfeverein angefertigt. Ist das weiterhin möglich? 

Die Mieteinkünfte sind in einer separaten Steuererklärung, einer Feststellungserklärung (Erklärung zur gesonderten und einheitlichen Feststellung) ermittelt. Diese muss einer der beiden Eigentümer als Bevollmächtigter der Grundstücksgemeinschaft beim Finanzamt einreichen. Das Finanzamt wird in einem Steuerbescheid die Mieteinkünfte festsetzen und nach dem Eigentumsanteil, hier also je zur Hälfte, zuordnen. In die persönliche Steuererklärung ist dann dieser Anteil der Mieteinkünfte einzutragen. Häufig erfolgt der Feststellungsbescheid erst nach der Einkommensteuerfestsetzung. In diesem Fall werden die persönlichen Einkommensteuerbescheide nachträglich geändert. 

 Meine Frau und ich sind Rentner. Das Finanzamt hat uns vor einigen Jahren mitgeteilt, dass wir keine Steuererklärung mehr einreichen müssen. Gilt das immer noch? 

 Das Schreiben des Finanzamtes gilt, solange sich weder ihre steuerlichen Verhältnisse noch die Rechtslage bedeutsam ändern. Für die jährlichen Rentenerhöhungen gilt, dass diese einerseits zwar in voller Höhe steuerpflichtig sind, andererseits aber das steuerfreie Existenzminimum ebenfalls regelmäßig angehoben Das gleicht sich meist aus. In den letzten Jahren fielen die Rentenerhöhungen etwas höher aus, sodass einige Rentner hierdurch erstmals Steuern zahlen mussten. Dies sind jedoch Ausnahmen. Bedeutsamer sind veränderte persönliche Verhältnisse. Wenn ein Ehepartner verstirbt und der andere neben seiner eigenen Rente eine Hinterbliebenenrente bezieht, ist stets die mögliche Besteuerung neu zu prüfen. In diesem Fällen gilt allerdings noch ein Übergangsjahr der Steuertarif für Verheiratete, sodass Handlungsbedarf erst im zweiten Jahr nach dem Todesfall besteht. 

 Bis zu welcher Rentenhöhe müssen Rentner keine Steuern zahlen? 

Das hängt von verschiedenen Sachverhalten ab, in erster Linie vom Jahr des Rentenbeginns. Wer bereits seit 2005 oder früher Rente bezieht, hat den höchsten Rentenfreibetrag von 50 Prozent der damaligen Rente. Rentner mit einer Bruttorente bis ca. 1.620 Euro im Monat brauchen keine Steuerzahlung zu befürchten. Für jeden späteren Rentnerjahrgang verringert sich diese Grenze und beträgt beispielsweise bei einem Rentenbeginn 2017 nur noch rund 1.200 Euro. Bei der Berechnung dieser Werte wurde auf der Ausgabenseite jedoch nur der Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherungen berücksichtigt. Wer weitere steuermindernde Ausgaben geltend machen kann, muss auch bei höheren Renten nicht unbedingt Steuern nachzahlen. Eine Steuererklärung ist in diesen Fällen jedoch meist erforderlich. Das gilt im Übrigen auch, wenn neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte erzielt wurden.

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