Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage wegen Betrugsverdacht gegen frühere Verantwortliche der Göttinger EEV AG
Nachrichten Wirtschaft Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage wegen Betrugsverdacht gegen frühere Verantwortliche der Göttinger EEV AG
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:42 11.06.2018
Das Kraftwerk in Papenburg gehörte einst einer EEV-Tochter und wurde nach der Insolvenz verkauft. Quelle: Cordsen
Anzeige
Hannover

Die Pleite der EEV Erneuerbare Energie Versorgung AG hat ein juristisches Nachspiel. Wegen des Verdachts auf schweren Betrug, Kapitalanlagebetrug, Untreue und Verstoß gegen das Gesetz über das Kreditwesen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen fünf frühere Verantwortliche der Gesellschaft beim Landgericht Göttingen erhoben. Dem Quintett werde vorgeworfen, mehr als 2500 Anleger betrogen zu haben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Freitag. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Die EEV AG hatte ab 2012 nach Angaben ihres Insolvenzverwalters rund 26 Millionen Euro bei Anlegern eingeworben, davon rund 16,7  Millionen in Form von Genussrechten und rund 9,5 Millionen Euro in Form sogenannter Nachrang-Darlehen. Mit diesem Geld sollte der Kauf eines Biomasseheizkraftwerkes in Papenburg und die Entwicklung eines Offshore-Windparks („Skua“) in der Nordsee finanziert werden. Doch dazu kam es nicht: Ende November 2015 meldete die EEV Insolvenz an.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war hier Vorsatz im Spiel. Die Angeschuldigten hätten den Anlegern zum einen „bewusst verschwiegen“, dass der Windpark „Skua“ in den militärischen Übungsgebieten der Bundeswehr lag und dass das Verteidigungsministerium seit mehreren Jahren dem beim Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie anhängigen Planfeststellungsverfahren „aufs schärfste widersprochen“ habe. Zum anderen hätten die Verantwortlichen den Unternehmenswert des Papenburger Kraftwerkes bewusst „zu hoch angesetzt“. Darüber hinaus enthält die Anklage noch Vorwürfe über Entnahmen aus Firmenvermögen, um Möbel für eine Privatwohnung anzuschaffen.

Vorwürfe gegen „heimlichen Herrscher im Hintergrund“

Die Angeschuldigten sind nach Angaben der Anklagebehörde zwei „formelle“ frühere Vorstände, ein „faktischer“ Vorstand und ein Aufsichtsratsmitglied der EEV AG sowie ein Berater, der einen Anleger-Prospekt erstellt haben soll. Bei dem „faktischen“ Vorstand handelt es sich nach HAZ-Informationen um den auf dem grauen Kapitalmarkt einschlägig bekannten Rolf H., den ehemalige Vertriebsmitarbeiter als den „heimlichen Herrscher im Hintergrund“ beschreiben.

Rolf H. gilt als einer der beiden Gründerväter der EEV – der andere war der inzwischen verstorbene ostfriesische Windkraft-Pionier Günter Eisenhauer. Letzterer saß seinerzeit auf dem schwer verkäuflichen Claim für den Windpark „Skua“ und war durch die Pleite eines Konkurrenten günstig an das Papenburger Kraftwerk gekommen – Rolf H. hatte hier noch in letzter Minute über die Ausgabe von Genussrechten Geld beschaffen sollen. Aus dieser Gemengelage war im Frühjahr 2012 die Idee entstanden, das Kraftwerk und „Skua“ zu einem Paket zu schnüren, es teuer an eine scheinbar unabhängige Firma zu verkaufen und Rolf H. in deren Namen mit der Akquise von Anlegern zur Finanzierung des Deals zu beauftragen.

Im Juni 2012 streckte Eisenhauers Gesellschaft Etanax Rolf H. und dessen Geschäftspartner Peter B. eine Million Euro vor: Damit sollten die beiden zwei Aktiengesellschaften gründen – eine „Mutter AG“ in Wien und eine „Tochter AG“ in Deutschland. Die deutsche EEV erwarb die Assets von Eisenhauer zu ungewöhnlichen Bedingungen: Für das Kraftwerk wollte man 15 Millionen Euro bezahlen, obwohl der Verkehrswert nach Einschätzung von Experten deutlich darunter lag. Für den Erwerb der Windparkgesellschaft „Skua“ wurden 11,5 Millionen Euro fällig.

Doch die Geschäfte bei der EEV gerieten schon früh ins Stocken: Weil die neu gegründete Gesellschaft keiner kannte, zeigten sich die Anleger zugeknöpft. Gleich mehrmals musste die Gesellschaft Eisenhauers Etanax um eine „Anpassung der Fälligkeiten“ bitten; mit den Verzugszinsen wuchs der Schuldenberg – als die Staatsanwaltschaft im Herbst 2014 Ermittlungen wegen Betrugsverdachts bestätigte, schien der Weg in die Pleite vorgezeichnet.

Anlegern droht der Totalverlust

Den Anlegern droht seither ein Totalverlust. Zwar konnte der Insolvenzverwalter der Papenburger EEV-Tochter das dortige Kraftwerk für angeblich mehr als 30 Millionen Euro verkaufen, der überwiegende Teil des Erlöses werde jedoch an die Etanax und damit an die Familie Eisenhauer gehen, glauben Anleger-Anwälte. Für die Genussrechte-Zeichner und Darlehensgeber der Muttergesellschaft EEV AG bleibe voraussichtlich nichts übrig, verlautete aus dem Gläubigerausschuss. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus wollte das auf Anfrage nicht kommentieren: Das Verfahren werde noch „einige Jahre dauern“, teilte er mit.

Mit der Anklage der Staatsanwaltschaft könnte die Lage für die Anleger noch schwieriger werden: Anleger-Anwälte hatten individuelle Schadensersatzansprüche gegen „die Prospektverantwortlichen und Hintermänner der EEV AG“ als aussichtsreich dargestellt. Das Geld hätte vor allem aus Vermögenshaftpflichtversicherungen kommen sollen, die Firmen für ihre leitenden Manager abschließen. Doch diese zahlen nur, wenn führende Mitarbeiter ihre Sorgfaltspflicht ohne Vorsatz verletzen – für mutmaßliche Betrüger kämen sie nicht auf, sagte ein beteiligter Anwalt.

Von Jens Heitmann

Die Krankenkassen wollen die Honorare der Apotheker um eine Milliarde Euro kürzen. Nach Einschätzung der Branche hätte das massive Folgen für die Patienten – wenn die Inhaber ihr Geschäft aufgeben müssten, würde die Wege zur Einlösung von Rezepten deutlich länger.

11.06.2018

Hohe Investitionen und gestiegene Löhne sorgen bei der Deutschen Post derzeit für einen nachhaltigen Gewinnrückgang. Deshalb kappt das Unternehmen die Jahresprognose und schraubt die erwarteten Gewinne von 4,15 auf 3,2 Milliarden Euro zurück.

08.06.2018

Die Deutsche Post will im Brief- und Paketgeschäft Kosten senken und Preise erhöhen – und senkt die Gewinnprognose für das Jahr 2018. Die Börse reagiert heftig.

11.06.2018
Anzeige