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Nachrichten Wirtschaft So leer sind Supermarkt-Regale ohne Bienen
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13:21 15.05.2018
Discounter Penny und der Nabu haben die Regale ausgeräumt. Quelle: NABU/Till-David Schade
Hannover

 Da haben sich am Montag aber viele Kunden eines Penny-Marktes bei Hannover verwundert die Augen gerieben: Denn sie standen vielfach vor leeren Regalen. Mit dieser Aktion haben Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes, Leif Miller, auf den Verlust der Insektenvielfalt unter dem Motto „Stummer Frühling – erst sterben Biene & Co, dann die Auswahl“ hingewiesen. Das berichtete die „Hannoversche Allgemeine“. Der Handelskonzern hatte dafür rund 60 Prozent der Waren – etwa 1600 Produkte aus den Regalen räumen lassen. Um so den Menschen die Folgen des Insektensterbens dramatisch vor Augen zu führen.

Gemeinsam gegen das Insektensterben

Lies nutzte die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie gut es sei, den Menschen zu zeigen, was beim Insektensterben passiert. Deshalb sei die Aktion ein „kluger Weg“, um die Bürger möglichst nachhaltig zu sensibilisieren. „Die Konsequenzen eines ungebremsten Insektensterbens werden uns hier auf erschreckend deutliche Weise vor Augen geführt“, betonte der Minister mit Verweis auf die leeren Supermarktregale.

Nach eigenen Angaben „schockiert“ ihn aber vor allem auch, dass im Jahr 2018 zwar die Ursachen bekannt sind, es aber keine Lösungsansätze dagegen gibt. Die Landesregierung habe sich nun des Themas angenommen, auch die Bundesregierung habe ein Aktionsprogramm aufgelegt, sagte Lies. Es müssten nun verbesserte Bedingungen für Bienen und andere bestäubende Insekten geschaffen werden, forderte er. „Nur mit vereinten Kräften können wir dem Insektensterben entgegenwirken.“

Der zuständige Nabu-Vorsitzende Ricky Stankewitz spricht von einer „guten Aktion“. „Man kann nicht besser als hier zeigen, wohin die Reise geht, wenn es mit der landwirtschaftlichen Praxis so weitergeht“, betonte er. Gleichwohl räumt er ein, dass die Landwirte letztlich nur Opfer sind. Denn sie bekämen von der Agrarlobby Produkte zur Verfügung gestellt, die angeblich ungefährlich für Insekten seien. „Und im Nachgang stellt sich das dann als Irrtum heraus.“

Landwirtschaft von Insekten abhängig

Der Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller ergänzte, wie jeder Einzelne etwas gegen das Insektensterben tun kann. Etwa mit der Anlage einer Blumenwiese, eines begrünten Balkons oder dem Kauf ökologischer Produkte. Seinen Angaben zufolge habe die Insektenmasse seit den 1980-er Jahren um etwa 75 Prozent und damit dramatisch abgenommen. Die Aktion im Penny-Markt sei nun bewusst im Vorfeld des ersten Weltbienentages der Vereinten Nationen am 20. Mai initiiert worden. „Es ist paradox, dass vor allem die Landwirtschaft in hohem Maße von Insekten abhängig ist, beispielsweise für die Bestäubung der Kulturpflanzen oder für die biologische Schädlingsbekämpfung – und zugleich als einer der Haupttreiber ihres Verlustes gilt“, sagte Miller.

„Ich war schockiert, als ich die Auflistung sah. Man macht sich überhaupt keine Vorstellung davon, wie viele Produkte ohne die Bestäubungsleistung der Insekten wegfallen würden“, sagte Stefan Magel, Bereichsvorstand Handel von Penny-Deutschland, zum Engagement seines Unternehmens. Aus diesem Grund seien gemeinsame Anstrengungen unerlässlich, um das Artensterben zu stoppen.

Seit 20 Jahren sterben Insekten massiv

Denn, auch das wurde bei dem Termin deutlich, Bienen sind nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Weltweit sind mehr als 85 Prozent der Pflanzen auf die Bestäubungsleistung der Bienen und einer Vielzahl ebenso wirkender Insektenarten angewiesen. Ihr wirtschaftlicher Nutzen soll global bei jährlich bis zu 500 Milliarden Euro liegen.

Doch von den etwa 550 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten sind bereits mehr als die Hälfte mindestens gefährdet, viele bereits ausgestorben. Bei anderen Insektengruppen ist diese Entwicklung ähnlich brisant. Die Ursachen für den dramatischen Insektenrückgang liegen maßgeblich in der industriellen Landwirtschaft, unterstrich Nabu-Vertreter Miller.

„Artenzahl hat sich drastisch reduziert“

In erster Linie durch den massiven Einsatz von Pestiziden und dem Fehlen von Strukturen wie Feldgehölzen oder Ackerrandstreifen werden Insekten direkt getötet oder finden keine Nahrungsquellen mehr. Auch die zunehmende Lebensraumzerstörung oder der Klimawandel stellen ein Problem dar.

„Die Artenzahl der Insekten hat sich in den vergangenen 20 Jahren drastisch reduziert“, bestätigte auch Professorin Gerlind Lehmann von der Humboldt Universität in Berlin während des Termins. Ursachen und Folgen dieses massenhaften Sterbens seien aber bisher nur ansatzweise erforscht.

„Wir brauchen daher neben einem breiten öffentlichen Problembewusstsein ein bundesweites und einheitliches Insektenmonitoring. Nur so können wir rasch Handlungskonzepte entwickeln, um diesen Trend aufzuhalten und wieder umzukehren“, mahnte die Lehrstuhlinhaberin für Evolutionäre Ökologie.

Von RND/HAZ

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