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Wirtschaft Streichen oder nicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum BGH-Urteil
Nachrichten Wirtschaft Streichen oder nicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum BGH-Urteil
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13:40 22.08.2018
Schönheitsreparaturen: Ein Mann bessert an einer Wand mit Hilfe eines angerührten Spachtelpulvers ein Dübelloch aus. Quelle: Stefan Jaitner/dpa
Karlsruhe

Ein Umzug bedeutet meistens Stress und angespannte Nerven. Gerade bei der Übergabe der alten Wohnung haben viele ein ungutes Gefühl - hoffentlich ist dem Vermieter alles hübsch genug. Aber muss ich überhaupt renovieren? Die obersten Zivilrichter am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe haben diese Frage am Mittwoch in einem besonders vertrackten Fall (Az. VIII ZR 277/16) entschieden.

Worum ging es im Mietstreit?

Der Mieter hatte seine Wohnung im niedersächsischen Celle vor dem Auszug selbst gestrichen. Dazu hatte ihn die vermietende Wohnungsbaugenossenschaft aufgefordert. Der waren die Decken und Wände allerdings zu streifig – sie ließ für knapp 800 Euro einen Maler kommen. Bezahlen soll das der Mieter, aber der weigerte sich.

Wie ist die Rechtslage bei Schönheitsreparaturen?

Grundsätzlich verpflichtet das Gesetz den Vermieter, die Wohnung in Schuss zu halten. Davon darf allerdings abgewichen werden, und deshalb ist die Ausnahme seit langem zur Regel geworden. Laut Deutschem Mieterbund gibt es heute kaum einen Mietvertrag, der die sogenannten Schönheitsreparaturen nicht dem Mieter aufbürdet.

BGH Urteil: Wie haben die Richter in diesem Fall entschieden?

Der Bundesgerichtshof (BGH) stärkt die Rechte von Mietern bei Schönheitsreparaturen. Sie müssen wie in einem Streitfall in Celle eine unrenoviert übernommene Wohnung auch dann nicht beim Auszug streichen, wenn sie das dem Vormieter gegenüber einmal zugesagt haben. Eine solche Vereinbarung habe keinen Einfluss auf die Verpflichtungen von Mieter und Vermieter im Mietvertrag, hieß es.

Was sind Schönheitsreparaturen?

Vereinfacht gesagt sind das alle Malerarbeiten in der Wohnung, also eben das Streichen oder Tapezieren der Wände und Decken, aber auch das Lackieren von Heizkörpern, Türen oder Fensterrahmen von innen. Das muss nicht unbedingt ein Handwerker erledigen. Solange der Mieter „fachgerecht“ arbeitet, kann er auch selbst zum Pinsel greifen.

Wie verpflichtend sind Mietverträge?

Etliche gängige Klauseln in Mietverträgen zu Schönheitsreparaturen haben Gerichte für unwirksam erklärt, weil sie die Mieter unangemessen benachteiligen. Zum Beispiel dürfen Vermieter nicht vorschreiben, dass Küche und Bad zwingend alle drei Jahre zu streichen sind – egal, wie abgewohnt die Räume tatsächlich aussehen. Hat der Mieter so eine unwirksame Klausel in seinem Vertrag stehen, ist er fein raus: Er muss die Arbeiten gar nicht erledigen.

Was bedeutete das BGH Urteil für den Streit aus Celle?

Hier kommt eine wichtige BGH-Entscheidung von 2015 ins Spiel. Seither dürfen Mieter die Schönheitsreparaturen zumindest nicht mehr ohne Ausgleich aufgebrummt bekommen, wenn sie in eine unrenovierte Wohnung ziehen. Sonst müssten sie die Räume womöglich schöner hinterlassen, als sie sie vorgefunden haben. Der Mann hatte die Wohnung unrenoviert gemietet. Er meint deshalb, dass er gar nicht hätte streichen müssen.

Warum war der Mietstreit ein Fall für Karlsruhe?

Der Knackpunkt ist eine Vereinbarung mit der Vormieterin. Von ihr hatte der Mann den Teppichboden und die Einbauküche übernommen und dafür 390 Euro gezahlt. Im Übergabeprotokoll ist festgehalten, dass er „Renovierungsarbeiten u. Tebo“ übernimmt. Darauf pocht die Genossenschaft – der Mieter habe sich den deutlich teureren Teppichboden („Tebo“) mit seiner Zusage zu renovieren erkauft. Der BGH hat nun erstmals geklärt, welche Rolle so eine Vereinbarung spielt.

Von RND/dpa