Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Scheitert T-Mobile an den US-Kartellwächtern?
Nachrichten Wirtschaft Scheitert T-Mobile an den US-Kartellwächtern?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 17.04.2019
T-Mobile will in den USA zu den großen Mitbewerbern aufschließen – doch Kartellbehörden könnten das verhindern. Quelle: AP
Frechen

John Legere, Chef von T-Mobile US, inszeniert sich gern als der coole Typ mit den langen Haaren. Gerade hat er ein kurzes Video auf Twitter gestellt, das ihn beim Joggen in Washington DC zeigt. Die Stadt sei einer seiner bevorzugten Orte für eine Runde. Man könne gleichzeitig Läufer und Tourist sein.

Legere dürfte derzeit nicht nur Anstrengungen sportlicher Art in der Kapitale machen. Er setzt wohl auch alles daran, die Übernahme des kleineren Rivalen Sprint durch sein Unternehmen zu retten. Wovon auch die Deutsche Telekom als T-Mobile-Mutter profitieren würde.

Seit mindestens fünf Jahren ist die Fusion der beiden US-Mobilfunker ein Thema – mit wechselnder Intensität. Es gab bereits zwei gescheiterte Anläufe für eine Verschmelzung der Firmen. Doch noch vor einigen Wochen sah es so aus, als würde der Deal nun von den US-Behörden durchgewinkt.

Lesen Sie auch

Was macht John Legere in Trumps Hotels?

Aber jetzt melden mehrere Nachrichtenagenturen, dass die Wettbewerbsabteilung des Justizministeriums die Transaktion in der bisher geplanten Form nicht genehmigen wolle. Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ berichtet. Legere hat per Twitter prompt reagiert: Die Zuspitzung im ersten Absatz des Artikels sei schlicht falsch, so der Manager. Daran ist bemerkenswert, dass die Angelegenheit selbst nicht dementiert wird. Insider gehen denn auch davon aus, dass die Übernahme noch nicht vom Tisch ist und dass über die Konditionen noch verhandelt wird.

T-Mobile will zur Konkurrenz aufschließen

Die Nummer drei und die Nummer vier der US-Mobilfunker wollen sich zusammentun, um zu den beiden Marktführern Verizon und AT&T aufschließen zu können. Die Transaktion hätte ein Volumen von umgerechnet knapp 27 Milliarden Dollar. Die Tochter der Deutschen Telekom will Sprint mittels eines Aktientauschs schlucken – Anteilseigner von Sprint erhalten T-Mobile-Papiere.

Hauptargument für das Unterfangen sind Synergien. Es geht darum, Kosten auf beinahe allen Feldern des Geschäfts drücken und zugleich günstiger einkaufen. Im Vordergrund steht dabei die Netzwerktechnik mit Masten und Glasfaserleitungen. Auch in den USA ist die Branche in Richtung 5G unterwegs. Der neue Standard verlangt, die Zahl der Sende- und Empfangsanlagen massiv zu vergrößern. Das ist in dem riesigen, vielfach dünn besiedelten Land enorm teuer.

In den USA soll 5G deutlich schneller kommen als hierzulande. Das Marktforschungsunternehmen Gartner geht davon aus, dass das superschnelle mobile Internet dort schon 2023 von 90 Prozent der Bevölkerung genutzt werden kann. Um mitzuhalten, will T-Mobile in diesem Jahr die Investitionen deutlich nach oben fahren, und zwar auf rund 4,8 Milliarden Euro. Ende des Jahres ist eine große Versteigerung von 5G-Frequenzen geplant.

T-Mobile als frecher Herausforderer

Indes hat das Sprint-Management darauf hingewiesen, dass das Unternehmen zu klein und zu schwach sei, um auf Dauer im Wettstreit der Mobilfunk-Riesen mitzuhalten. Ob das Argument zieht, ist fraglich. US-Verbraucherschützer und viele Politiker befürchten, dass mit der Fusion die Wettbewerbsintensität nachlassen wird, Preise für die Nutzer steigen werden und dass die Versorgung ländlicher Gebiete mit neuester Funktechnik leiden wird. Dahinter steckt die Annahme, dass nach einer Übernahme die dann drei etwa gleich großen Mobilfunker sich auf eine friedliche Koexistenz verständigen werden.

Derzeit spielt T-Mobile – passend zum Image von Legere – die Rolle des frechen Herausforderers, der mit aggressivem Marketing und immer neuen Billigangeboten einerseits seine Kundenzahl kontinuierlich steigert und andererseits damit auch das Preisniveau niedrig hält; ähnlich wie hierzulande E-Plus vor der Übernahme durch Telefonica/O2. Voriges Jahr konnte T-Mobile sein Klientel trotz eines weitgehend gesättigten Marktes um fast zehn Prozent auf knapp 80 Millionen Nutzer steigern.

T-Mobile würde auch allein klarkommen

Wie ein Kompromiss mit dem Justizministerium und auch mit der Aufsichtsbehörde FCC aussehen könnte, ist völlig offen. Naheliegend wäre, dass die fusionierte Gesellschaft Netzkapazitäten an kleinere Telekom-Firmen oder an Neueinsteiger abgeben soll. Das würde aber die erhofften Synergien schmälern. Gut möglich, dass T-Mobile dann zurücksteckt. Telekom-Chef Tim Höttges hat schon mehrfach deutlich gemacht, dass die US-Tochter auch alleine klarkommen könnte. Allerdings fragen sich Experten zugleich, wie lange sie ihre Wadenbeißer-Strategie noch durchhalten kann. Zumal der Ausbau der Marktanteile auf eine Fusion mit Sprint ausgerichtet ist.

Dass die Ereignisse jenseits des Atlantiks auch Einfluss auf Wohl und Wehe der Mutter haben, war gestern am Kurs der T-Aktie abzulesen. Das Papier der Deutschen Telekom rangierte am Mittwoch mit einem Minus von zeitweise mehr als zwei Prozent auf den hinteren Rängen im Deutschen Aktienindex. Schließlich ist T-Mobile mittlerweile die wichtigste Sparte im Konzern. Der US-Ableger stand zuletzt für 40 Prozent des Konzern-Gewinns aus der betrieblichen Tätigkeit.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel