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Wirtschaft Wie fühlt es sich an, bald nicht mehr Chef zu sein, Herr Haas?
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00:43 04.05.2018
Herbert Haas von Talanx. Quelle: Samantha Franson
Hannover 

 Am 8. Mai ist der letzte Arbeitstag für den Chef des Talanx-Konzerns. In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung spricht er über seine Erfahrungen, Erfolge und  Fehler. 

Herr Haas, mit Ablauf der Hauptversammlung am 8. Mai sind Sie Ihren Job los. Macht Ihnen das Sorge? 

Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Einerseits hätte ich noch ganz gerne als Vorstandsvorsitzender weitergemacht, mein Vertrag wäre erst Ende 2019 ausgelaufen. Andererseits bin ich auch erfreut, dass man mir angeboten hat, als Nachfolger von Wolf-Dieter Baumgartl den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen. Das ermöglicht mir, dem Talanx-Konzern weiter zur Verfügung zu stehen, und zugleich einen angenehmen Übergang von einem Vollzeit- zu einem Halbzeitjob. Von einem vollen auf einen ganz leeren Terminkalender umzuschalten, wäre schon etwas schwierig. 

 Kein Problem mit dem Bedeutungsverlust? 

Nein. Man muss loslassen können. Und ich freue mich darauf, nicht mehr so sehr fremdbestimmt zu sein. 

 Der direkte Wechsel vom Chefposten in die Führungsrolle im Aufsichtsrat ist nach den Grundsätzen der guten Unternehmensführung eigentlich verpönt, weil dies dazu führen könnte, dass sich der Chefkontrolleur zu sehr in die laufenden Geschäfte einmischt. Stört Sie das gar nicht? 

Ich sehe darin kein Problem, auch wenn es auf der Hauptversammlung ein Diskussionsthema werden dürfte. Schließlich ist Wolf-Dieter Baumgartl ein gutes Vorbild für mich. Er hat sich nicht in die Belange des Vorstandes eingemischt. So möchte ich es auch halten. Das Ziel ist es, dem Vorstand größtmögliche strategische Gestaltungsfreiheit zu geben. Der Aufsichtsrat überwacht und berät den Vorstand dabei. Im Übrigen habe ich zu meinem Nachfolger Torsten Leue ein sehr, sehr gutes Arbeitsverhältnis. 

 Kommen wir zu Ihrer Bilanz. Sie haben zwölf Jahre lang den Talanx-Konzern geführt. Was ist Ihnen in dieser Zeit gut gelungen? 

Ich denke, dass der Konzern heute mit seiner kundenorientierten Struktur gut aufgestellt ist. Ein wenig stolz bin ich, dass sich das Auslandsgeschäft so gut entwickelt hat – das war eine wichtige strategische Zielsetzung. 

Was noch? 

Wir haben die Talanx im Herbst 2012 erfolgreich an die Börse gebracht. Dies stand immerhin schon mehr als ein Jahrzehnt auf der Agenda. Zwar mussten wir den Börsengang zwischendurch kurzfristig absagen, aber zwei Wochen später hat es doch noch geklappt. Das war wirklich eine schwierige Zeit. Als dann der erste Börsenkurs deutlich über dem Emissionskurs festgestellt wurde, ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen. Und auch wer damals investiert hat, hat kein schlechtes Geschäft gemacht. Die durchschnittliche jährliche Rendite lag bisher bei rund 16 Prozent. Wir haben für Aktionäre, Investoren und Mitarbeiter Wert geschaffen. 

 Was ist Ihnen nicht gelungen? 

Ich kreide mir an, die Probleme im deutschen Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft zu spät erkannt zu haben, dadurch haben wir Kunden verloren. Das war einer meiner größten Fehler. 

 Sie sind nun fast vier Jahrzehnte in der Versicherungswirtschaft tätig, zunächst bei der Aufsichtsbehörde, dann im Talanx-Konzern. War das Ihr Berufswunsch? 

Nein, ich hätte mir nicht träumen lassen, in dieser Branche zu landen. Leider ist bis heute in breiten Teilen der Bevölkerung nicht bekannt, welche hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der Versicherungswirtschaft zukommt. Hier haben wir nach wie vor ein Reputationsthema. Versicherung wird immer noch mit Klinkenputzen und ähnlichem gleichgesetzt, dabei bietet sie ein ungeheures Spektrum an beruflichen Möglichkeiten. Wir versichern Ihr Auto, aber auch das Space Shuttle - und brauchen deshalb Spezialisten aus allen Bereichen. Ich nenne den Talanx-Konzern deshalb ein Haus der hundert Berufe. 

 Sind Sie im Rückblick mit Ihren beruflichen Entscheidungen zufrieden? 

Ja, ich bedauere nichts. Allerdings frage ich mich heute: Hast Du diesen Erfolg wirklich verdient? Es gibt immer Menschen, die klüger sind und mehr Fähigkeiten haben. Wenn mich junge Leute fragen, wie man Karriere macht, antworte ich mit den drei S: Viel Sein, viel Schein und viel Schwein – also Glück. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. 

 Was ändert sich bei Talanx mit Ihrem Abschied? 

Das entscheidet mein Nachfolger. Aber an der grundsätzlichen Struktur wird sich nichts ändern, so viel kann ich sagen. Es ist aber gut, dass mit Herrn Leue nun ein neuer Vorstandsvorsitzender die Führung übernimmt, das sorgt für frischen Wind und Aufbruchstimmung. Man merkt schon, dass man nach zwölf Jahren in dieser Position etwas betriebsblind wird. 

 Machen Sie schon Pläne für den Ruhestand? 

Meine Frau hat vor einiger Zeit den Pilotenschein erworben. Ich möchte nicht nur als Copilot mitfliegen und habe mich deshalb entschlossen, ebenfalls eine Flugausbildung zu machen. Dafür muss ich bald ziemlich viel pauken. Navigation Meteorologie, Luftrecht, Aerodynamik und so weiter. 

 Ein persönliche Schlussbilanz Ihres Berufslebens? 

Ich habe ja das Glück, noch weiter arbeiten zu dürfen. Aber bisher war es eine sehr gute Zeit, sie hat mir viel Spaß gemacht. 

Seit 1982 im Konzern

Herbert K. Haas, geboren am 17. Dezember 1954, stammt aus dem schwäbischen Bad Urach. Nach dem Wirtschaftsstudium begann er seine Berufslaufbahn beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen in Berlin. 1982 wechselte er zur Rückversicherung des damaligen HDI-Konzerns, heute Talanx. 1985 bis 1989 arbeitete als Finanzchef bei einer Tochtergesellschaft in Los Angeles. 1984 wurde er Finanzvorstand der Hannover Rück. 2002 kam er in den Vorstand der Talanx AG, wo er 2006 den Vorsitz übernahm. Auf der Hautpversammlung am 8. Mai soll er zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werden. Sein Nachfolger an der Talanx-Spitze wird Torsten Leue, derzeit im Vorstand für das ausländische Privat- und Firmenkundengeschäft zuständig.

 

 

 

Von Albrecht Scheuermann

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