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Wirtschaft Werner M. Bahlsen: Unternehmer mit Neugierde und Zielstrebigkeit
Nachrichten Wirtschaft Werner M. Bahlsen: Unternehmer mit Neugierde und Zielstrebigkeit
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00:45 27.04.2018
Werner Bahlsen. Quelle: dpa
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Hannover

 Werner M. Bahlsen wirkt entspannt, als er am Dienstag im Bahlsen-Stammhaus seinen Rücktritt von der Spitze seines Unternehmens verkündet. Als sei das keine große Sache. Obwohl er mehrere Jahrzehnte die Verantwortung für Tausende Mitarbeiter getragen hat. „Ich habe diesen Schritt lange geplant, seit zwei bis drei Jahren“, erklärt er. Er betont, dass er dem Management-Team vertraut, das nun gemeinschaftlich führen soll – vielleicht dauerhaft, vielleicht aber auch nur ein paar Jahre, falls bald seine Kinder an die Spitze drängen.

Doch was für ein Mensch ist das, der den Keks-Konzern in den vergangenen Jahrzehnten geführt hat und nun den Übergang zur nächsten Generation einleitet? Der erste Eindruck: eher ein Professor als ein Manager. Er spricht oft leise, seine Stimme klingt manchmal etwas dünn. Wird er fotografiert, erinnert sein Pressesprecher ihn daran, sich aufrechter hinzusetzen. 

Als erfolgreicher Unternehmer muss er aber auch nicht laut werden. Ihm hört man auch so zu. Und das lohnt sich: Statt sich auf die Schulter zu klopfen, spricht er über Herausforderungen. In druckreifen Sätzen erklärt er, wie das Unternehmen wachsen und innovativer werden kann, wie der Übergang zur vierten Generation gelingen soll.

Nie zufrieden sein, sich immer wieder hinterfragen, das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Inspiration sucht er überall: Im Ausland, in der Familiengeschichte, bei Beratern und anderen Firmen. In den 90er-Jahren begeistert er sich für die japanische Lehre vom „Kaizen“-Management. Heute spricht er vom „Findig im Finden“, dem Neuentdecken, als Kern der Bahlsen-Philosophie. 

Auf viele wirkt das visionär, auf manche ein bisschen abgehoben. Der Erfolg gibt Bahlsen jedenfalls recht: Sein Unternehmen ist solide aufgestellt und wächst – nicht nur im Ausland, auch in reifen Märkten wie Deutschland. Rastlos ertüfteln die Mitarbeiter neue Produkte und Kampagnen. Auch als Arbeitgeber ist Bahlsen beliebt: Viele Angestellte pendeln aus Berlin oder Hamburg nach Hannover.

Als Schwäche könnte man seine Humorlosigkeit auslegen: Über den Diebstahl des goldenen Leibniz-Kekses ärgerte er sich maßlos. Andere hätten sich über die Gratiswerbung gefreut und den Medienrummel ausgenutzt. 

In seiner Welt kommt es aber nicht auf Selbstironie an, sondern auf Innovationsfreude und Zielstrebigkeit. Dass er beides verbindet, erkennen auch andere Unternehmer an: Seit 2008 ist er Präsident der niedersächsischen Unternehmerverbände, seit 2015 Präsident des Wirtschaftsrats der CDU. 

Die Neugierde trieb ihn schon früh in die Welt: Nach der Schule ging er nicht direkt zur Uni, sondern machte erst einmal eine Konditorausbildung. Es folgten Traineestellen bei Gebäckherstellern in England und den USA, bevor er im Familienunternehmen einstieg.

Ungern spricht er darüber, was danach kam: der Streit in der Familie. In den 90er Jahren flogen die Fetzen, und auch Werner M. Bahlsen zeigte sich machtbewusst. In einem Schreiben an Mitarbeiter verkündeten er und sein Bruder den Abschied ihres älteren Vetters aus dem Unternehmen, der aber ganz andere Vorstellungen hatte. Später stritt er sich auch mit seinem Bruder. Es dauerte Jahre, bis die Kontrahenten einen Weg fanden, den Konzern aufzuteilen, um sich aus dem Weg gehen zu können.

Was er damals gelernt hat, das verrät Bahlsen aber: Man braucht einen Plan für die Übergabe. Man bleibt nicht auf dem Chefsessel sitzen, bis man umkippt. Dass die Erben sich irgendwann trotzdem streiten, das kann man zwar nicht hunderprozentig ausschließen. Aber man kann das Risiko verringern. 

Mit seinen vier Kindern hat er „gemeinsame Werte“ in einer Art Charta festgeschrieben. „Wir reden viel miteinander über das Unternehmen und den zukünftigen Kurs“, sagt er. „Und das ist anders, als das, was wir in der letzten Generation gemacht haben.“

Er selbst will sich nun etwas mehr Zeit für die Familie und seine Hobbys – zum Beispiel für sein Cello – nehmen. Aber das soll nicht heißen, dass er die Füße hochlegt. Im Verwaltungsrat wird er weiter über die Strategie wachen. Und er will für die Firma Ausschau nach spannenden Start-ups halten. Er bleibt also neugierig.

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