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Wirtschaft Opel-Chef fordert Lohnverzicht der Mitarbeiter
Nachrichten Wirtschaft Opel-Chef fordert Lohnverzicht der Mitarbeiter
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16:14 20.04.2018
Die Mitarbeiter sollen künftig auf einen Teil ihres Gehalts verzichten: Die jüngste Forderung von Opel-Chef Michael Lohscheller sorgt für neuen Zündstoff im Streit um die Sanierung des Unternehmens. Quelle: dpa
Rüsselsheim/Berlin

Der Ton im Streit um den richtigen Weg der Opel-Sanierung wird rauer, die Fronten verhärten sich. Während sich Opel-Chef Michael Lohscheller für umfassende Sparmaßnahmen einsetzt, wirft Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug der Geschäftsleitung einen Tarifbruch vor.

Die Opel-Spitze hatte sich bereits im Februar für die Verschiebung der Tariferhöhung von 4,3 Prozent ausgesprochen. Auch, wenn die Arbeitnehmervertreter das ablehnten – ausgezahlt wird noch immer der alte Lohn.

„Tue mich schwer damit, dass übertariflich bezahlt wird“

„Zunächst ging es nur um eine Aussetzung der fälligen Tariferhöhung für die Dauer der Verhandlungen, um nicht die Arbeitskosten weiter zu erhöhen“, sagte Lohscheller im Gespräch mit dem Wiesbadener Kurier.

Nachdem das aber erfolglos blieb, gehe man nun einen Schritt weiter: „Jetzt geht es um die Anrechnung der übertariflichen Zulagen. Ich tue mich schwer damit, dass ein Unternehmen in solch einer wirtschaftlichen Schieflage in vielen Bereichen noch übertariflich zahlt. Mein Wunsch ist, dass wir tarifvertragskonform bezahlen und nicht darüber hinaus. Und dabei geht es durchaus um hohe Summen.“

„Halbierung der Belegschaft wäre Einstieg in den Komplettausstieg“

Für die Arbeitnehmer würde eine Zurückstufung zum Tarifgehalt großen Verzicht bedeuten: „Dafür müssten alle Beschäftigten 4,3 Prozent dauerhaft abgeben, Urlaubs- und Weihnachtsgeld fiele ebenfalls weg“, kritisierte Schäfer-Klug. „Ein solches Angebot werden wir auch weiterhin nicht annehmen.“

Die IG Metall und der Betriebsrat sehen im Verhalten der Unternehmensspitze einen klaren Tarifbruch. Würde in Eisenach künftig nur ein Fahrzeug gebaut, laufe dies in etwa auf eine Halbierung der Belegschaft von derzeit 1800 Mitarbeitern an dem Standort hinaus, sagte Schäfer-Klug.

Unter der Leitung des Mutterkonzerns PSA will Opel deshalb in dem thüringischen Werk nur noch einen Geländewagen anstatt der bislang zwei Kleinwagen-Modelle Adam und Corsa montieren. „Die Halbierung der Belegschaft in Eisenach wäre der Einstieg in den Komplettausstieg“, sagte der Regionalbevollmächtigte der IG Metall, Uwe Laubach.

Projekte sollen Werkschließung verhindern

Lohscheller sehe sich in Maßen zur Reduzierung der Mitarbeiterzahl gezwungen, allerdings versuche das Unternehmen diese Maßnahme mit allen Mitteln zu verhindern: „Wir haben immer gesagt, dass es keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen gibt. Und dazu stehen wir. Auch für Kaiserslautern bieten wir Projekte und eine Auslastung an, die über die Laufzeit des Tarifvertrags hinausgehen.“

Im Motorenwerk Kaiserslautern sollten die Beschäftigten einem Szenario zufolge keine Motorenteile mehr herstellen, sondern nur noch die Endmontage machen. „Wenn das so käme, würde das eine Verringerung der Mitarbeiterzahl bedeuten“, sagte der dortige Betriebsratschef Lothar Sorger nach einer Betriebsversammlung. Im vergangenen Jahr arbeiteten gut 2000 Menschen in Kaiserslautern. Die Ingenieure in Rüsselsheim sollen künftig zusätzlich für die Entwicklungsleitung bei den leichten Nutzfahrzeugen der PSA-Gruppe zuständig sein.

Merkel fordert Mutterkonzern PSA zur Einhaltung der Versprechen auf

Der Sanierungs-Streit nimmt mittlerweile auch bundespolitische Ausmaße an. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe ein großes Interesse an einer nachhaltigen Perspektive für Opel und seine Beschäftigten, sagte eine Sprecherin.

Der SPD-Politiker Bernd Westphal verlangte, der neue Opel-Mutterkonzern PSA müsse sich an die Zusagen halten, die bei der Übernahme des Rüsselsheimer Autobauers gemachten worden seien: „Die SPD-Bundestagsfraktion steht an der Seite der Belegschaft.“ Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte gefordert, dass sich PSA an die Zusagen halten solle. „Wir erwarten jetzt erst mal von dem Unternehmen, dass es all das, was es versprochen hat im Zusammenhang mit der Übernahme, auch einhält.“

PSA hatte bislang versichert, die Opel-Sanierung ohne Entlassungen oder Werkschließungen zu schaffen. Umfangreiche Abfindungsprogramme sollen die Belegschaft reduzieren, an den deutschen Opel-Standorten mit fast 19.000 Beschäftigten wird derzeit massiv kurzgearbeitet. „In allen anderen Ländern in Europa haben wir schon Lösungen gefunden und entsprechende Investitionen zugesagt. Jetzt gilt es, das auch in Deutschland zu erreichen. Mit einem ganz individuellen Weg – es gibt keine Blaupause aus anderen Ländern, die wir hierzulande kopieren wollen“, sagt Opel-Chef Lohscheller.

25.000 Autos weniger im ersten Quartal

Firmenchef Lohscheller sehe das Unternehmen auf einem guten Weg. Er stellte im ersten Quartal 2018 kleine Verbesserungen fest. Die „Erträge werden deutlich besser“, sagte er nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ auf einer Mitarbeiterversammlung im Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus.

Allerdings habe Opel im ersten Quartal 25.000 Autos weniger als vor einem Jahr verkauft, berichtete das Magazin unter Berufung auf Aussagen Lohschellers. Die Gründe dafür sehe der Manager im vom Brexit geplagten Großbritannien und dem schwächer wachsenden türkischen Markt. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken.

Von RND/dpa/lf

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