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Sparmaßnahmen

e.on stoppt Millionenprojekt in Ostfriesland

Eigentlich sollte die Energiewende Investitionen in andere alternative Energieformen befördern. Weil die Stromkonzerne mit den stillgelegten Atomkraftwerken aber eine wichtige Einnahmequelle verloren haben, werden geplante Investitionen verschoben. So hat der Energiekonzern e.on ein Millionenprojekt in der ostfriesischen Gemeinde Jemgum (Kreis Leer) vorerst gestoppt.
Foto: EWE lässt in Jemgum schon nach Gas bohren, e.on hat sein Projekt vorerst auf Eis gelegt.

EWE lässt in Jemgum schon nach Gas bohren, e.on hat sein Projekt vorerst auf Eis gelegt.

© dpa

Hannover/Jemgum. Das Unternehmen wollte im Jemgumer Salzstock nahe der Ortschaft Holtgaste 20 Gaskavernen für die Erdgasspeicherung anlegen. In diesem Frühjahr sollten die Probebohrungen beginnen. Doch der Atomausstieg zwingt den Konzern zum Sparen. Bundesweit sollen 1100 Mitarbeiter entlassen werden, und auch bei Investitionen stehe e.on auf der Kostenbremse, sagt Unternehmenssprecher Helmut Roloff. Die Entwicklungen am Energiemarkt machten es erforderlich, das Speicherprojekt zeitlich neu zu bewerten und inhaltlich zu überprüfen. Durch die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende gebe es eine große Unsicherheit am Markt, erklärt Roloff.

In Jemgum reagiert man recht gelassen auf die Verschiebung. „Wenn es nichts wird, dann bleibt alles, wie es ist,  und dann ist es auch gut“, sagt Bürgermeister Johann Tempel. Viele Anwohner begrüßen den Rückzieher. Sie wollen keine Industrieanlage vor ihrer Haustür und befürchten Schäden an ihren Wohnhäusern durch Bodenabsenkungen, die durch den Kavernenbau entstehen könnten. Andererseits hätte e.on Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen in die abgelegene Region gebracht. Für die Gegner des Projektes bedeutet der Rückzieher aber noch keine Entwarnung. e.on hat die Salzrechte gekauft, man müsse daher damit rechnen, dass zu einem späteren Zeitpunkt doch noch gebohrt werde, sagt Bürgermeister Tempel.

Ziel sei es, am Standort Jemgum mittel- bis langfristig die Möglichkeit der Energiespeicherung weiterzuentwickeln, sagt e.on-Sprecher Roloff. Denkbar ist beispielsweise, dass e.on dort Kavernen als Speicher für Strom aus Windkraftanlagen anlegt. Dazu muss überschüssiger Windstrom zu Erdgas umgewandelt werden. Das funktioniert nach einem altbekannten Verfahren, das Experten wiederentdeckt haben: Zuerst wird Wasser mit dem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Nach dieser Elektrolyse reagiert der Wasserstoff mit Kohlendioxid zu reinem Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas. Das Gas kann dann wieder zu Strom umgewandelt, aber auch zum Heizen von Häusern oder zum Autofahren genutzt werden.

Weil immer mehr Gas verbraucht wird, weiten die meisten Energieunternehmen derzeit ihre unterirdischen Speicherkapazitäten aus. Am Standort Jemgum sind auch die Konzerne Wingas und EWE aktiv. Insgesamt werden in Deutschland gegenwärtig zehn Untertagespeicher erweitert und 15 neu gebaut.

[Dr. Margit Kautenburger]

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