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Erneuerbare Energien

Windindustrie sieht sich durch verlängerte AKW-Laufzeiten gefährdet

Die Branche der Erneuerbaren Energien fürchtet verlängerte AKW-Laufzeiten - alleine Gespräche über die Laufzeitverlängerung wirken sich laut Unternehmern negativ auf potenzielle Investoren, Banken und Versicherungen aus.
Außenbereich des Offshore-Unternehmens BARD in Emden: Die Branche der Erneuerbaren Energien fürchtet längere AKW-Laufzeiten.

Außenbereich des Offshore-Unternehmens BARD in Emden: Die Branche der Erneuerbaren Energien fürchtet längere AKW-Laufzeiten.

© dpa

Die geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken stößt in der Windkraftbranche nicht auf Begeisterung. „Das kann Investitionsentscheidungen, speziell für Nordsee-Windparks, negativ beeinflussen“, sagte Andreas Kölling vom Offshore-Unternehmen Bard am Mittwoch im ostfriesischen Emden. Bei Gesprächen mit potenziellen Investoren, Banken und Versicherungen, sei die aktuelle Debatte um Laufzeitverlängerungen nicht hilfreich. „Wir sind eine sehr junge Branche und zeigen gerade, dass es geht, auf hoher See unter schwierigen Bedingungen Strom zu erzeugen.“ Bard baut derzeit den ersten deutschen kommerziellen Nordsee-Windpark vor Borkum.

Auch beim größten deutschen Windrad-Hersteller Enercon in Aurich kommt beim Thema Laufzeitverlängerung keine Freude auf. Nach Ansicht von Geschäftsführer Aloys Wobben könnten die Erneuerbaren Energien auch ohne neue Kohlekraftwerke und weiter betriebene Atomkraftwerke eine sichere und zukunftsfähige Stromversorgung gewährleisten, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die unflexibel steuerbaren Atomkraftwerke blockierten die Entwicklung der Erneuerbaren Energien. Auch komme so der dringend notwendige Netzausbau nicht voran.

Die niedersächsische Landesregierung sieht dagegen in der Verlängerung der Restlaufzeiten kein Hindernis für den Ausbau der regenerativen Energien. Es gebe eine garantierte Einspeisevergütung und den Vorrang im Netz für regenerative Energie, sagte Umwelt-Staatssekretär Stefan Birkner (FDP) am Mittwoch bei Bard in Emden. „Die oft suggerierte Konkurrenz von Strom aus Kernkraftwerken zum Offshore-Strom ist nicht gegeben.“ Zudem seien junge Kernkraftwerke sehr wohl in der Lage, die schwankende Einspeisung von Windstrom im Netz auszugleichen. Windstrom kann derzeit nicht gespeichert werden. Für jedes auf See erzeugte Megawatt Windstrom muss bei einem Ausfall eine gleichwertige Kraftwerkleistung an Land bereit stehen.

Bard baut derzeit den Windpark „Bard Offshore 1“ knapp 100 Kilometer nordwestlich von Borkum. Von den geplanten 80 Anlagen sind bisher sieben komplett, zehn weitere Fundamente sind errichtet. Im September soll der erste Strom fließen. Das im April feierlich eröffnete erste deutsche Offshore-Testfeld „alpha ventus“ ist dagegen ein Reparaturfall und nur zur Hälfte einsatzbereit. Von den zwölf Anlagen werden derzeit sechs wegen Getriebeschäden ausgetauscht. Die Kosten stehen bisher nicht fest. Bis August haben die Anlagen nach Angaben einer Sprecherin insgesamt mehr als 110 Gigawattstunden Strom produziert und ins Netz eingespeist.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) hatte kürzlich gefordert, Mehreinnahmen für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken sollten in den Ausbau des Stromnetzes fließen. Schon jetzt könne in Schleswig-Holstein der mit Windkraft gewonnene Strom nicht immer ins überlastete Netz eingespeist werden. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigte zusätzliche Abgabe bei einer Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken könnte in die Forschung fließen, etwa die Speichertechnologie alternativer Energieträger, meinte de Jager anlässlich der bevorstehenden Fachmesse Husum WindEnergy (21.-25. September).

Die internationale Messe gilt als bedeutendster Branchentreff weltweit. Auf rund 43.000 Quadratmetern - 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren - bieten mehr als 950 Aussteller aus rund 30 Nationen ihre Produkte und Dienstleistungen an. Erwartet werden 30.000 Besucher aus rund 70 Ländern.

Die Optimierung der Lieferketten und Qualitätsstandards bei Windanlagen-Herstellern dürften diesmal eine große Rolle spielen. Der Fachkräftemangel an Ingenieuren und Service-Technikern macht der Branche zunehmende Sorgen. Am letzten Messetag steht die Jobmesse windcareer auf dem Programm.

dpa


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