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Vergütungssystem

TUI-Vorstandsboni sorgen für Ärger

Vor der Hauptversammlung der TUI an diesem Mittwoch wächst der Unmut der Aktionäre über die hohen Vergütungen der Vorstände.
© Florian Eisele/ddp

„Wenn die Anteilseigner keine Dividende bekommen, darf die Chefetage des Konzerns keinen Bonus bekommen“, sagte Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die TUI-Führung will die Aktionäre in diesem Jahr leer ausgehen lassen, weil der Konzern 2008 in die Verlustzone gerutscht ist.

TUI-Großaktionär John Fredriksen möchte durch einen Sonderprüfer feststellen lassen, ob Vorstandschef Michael Frenzel selbst dann mehr als die Hälfte seiner erfolgsabhängigen Vergütung zusteht, wenn der Konzern rote Zahlen schreibt. Der TUI-Chef habe zuletzt 54 Prozent seiner erfolgsabhängigen Vergütung und 85 Prozent seiner Gesamtvergütung aus dem Vorjahr erhalten – und habe damit vergleichsweise mehr verdient als deutlich erfolgreichere Vorstände von Dax-Firmen. „Es ist daher zu prüfen, ob das Vergütungssystem nicht so angelegt ist, dass es potenziell Fehlanreize zum Nachteil der Gesellschaft und ihrer Aktionäre setzen kann“, so Fredriksen.

In diesem Punkt könne der Norweger mit der Unterstützung der Kleinanleger rechnen, kündigte SdK-Vertreter Martius an. Seine Organisation werde zudem darauf dringen, das Gehaltsniveau des TUI-Vorstandes insgesamt zu senken. „Wenn ein Konzern aus dem Dax in den M-Dax abrutscht, muss sich dieser Abstieg auch bei der Vergütung niederschlagen“, sagte Martius.

Im Ganzen hatte die TUI-Führung 2008 ihre Bezüge sogar leicht erhöhen können. Das kleine Plus des gesamten Vorstandes gründet auf dem großen Gehaltssprung eines Mitglieds: Peter Long konnte als Chef der Touristiktochter TUI Travel in London seine Vergütung mehr als vervierfachen – von 1,2 auf 5,2 Millionen Euro. Verantwortlich dafür ist eine Vertragskonstruktion, die den Erfolg des Unternehmens nicht am Ergebnis unter dem Strich misst, sondern an der Entwicklung des Aktienkurses und dem um alle Sonderlasten bereinigten operativen Gewinn.

Dieses Vergütungssystem stößt auch beim TUI-Aktionärsverein auf Kritik, der nach eigenen Angaben rund ein Prozent des Kapitals vertritt. „Es wäre sinnvoller, den Erfolg von Vorständen an anderen Parametern zu messen als dem kurzfristigen operativen Gewinn“, sagte der Vereinsvorsitzende Christoph Großmann. Als mögliche Kriterien nannte er Qualifizierungsanstrengungen für die Mitarbeiter, eine hohe Ausbildungsquote oder die Integration von Schwerbehinderten.

Innerhalb des Konzerns sorgt insbesondere das Gehaltsniveau der Führungskräfte von TUI Travel schon länger für Verstimmung. Das an der Londoner Börse notierte Unternehmen ist aus der Fusion der TUI-Reisesparten mit dem britischen Anbieter First Choice hervorgegangen. „Die Vorstände in London denken bei jeder Entscheidung nur an ihre Boni“, sagte ein Manager von TUI Deutschland. „So etwas kannn unzufriedene Aktionäre in die Arme von Fredriksen treiben.“

[Jens Heitmann]

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