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Galileo-Satellit

Satelliten-Großauftrag der EU geht nach Bremen

Die vom Niedergang der Werften gebeutelte Hansestadt Bremen entwickelt sich immer stärker zum Hochtechnologiestandort für Luft- und Raumfahrt. Star ist der kleine Bremer Technologiekonzern OHB, der am Donnerstag den größten und prestigeträchtigsten Einzelauftrag seiner Firmengeschichte einheimsen konnte.
Das Gebäude des zur OHB Gruppe gehörenden Raumfahrtunternehmens OHB Technology AG

Das Gebäude des zur OHB Gruppe gehörenden Raumfahrtunternehmens OHB Technology AG

© lni

Das Familienunternehmen OHB mit bundesweit 1500 Mitarbeitern, das kompakte Kleinsatelliten für Wissenschaft und Kommunikation baut, hat am Donnerstag von der EU den Zuschlag bekommen, 14 Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo zu bauen. Auch wenn die Nachricht von EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani nicht völlig überraschend kam – schon im Dezember gab es Signale, dass OHB zu den Gewinnern gehört – dürften Sektkorken geknallt haben. „Das ist ein toller Auftrag für das neue Jahr“, meinte OHB-Vorstandschef Marco Fuchs mit hanseatischer Zurückhaltung. Der Auftrag sei ein großartiger Erfolg für Bremen und den deutschen Mittelstand.

Mit der Auftragsvergabe ist Europa seiner eigenen Satelliten-Navigation, die dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen soll, einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Der Aufbau des seit Mitte der neunziger Jahre geplanten Systems hat sich jahrelang verzögert. Nachdem die EU aus politischen Gründen Firmen zur Kooperation zwingen wollte, die nicht zusammenpassten, stand das Projekt vor einigen Jahren fast vor dem Aus. Jetzt könne die Arbeit endlich losgehen, sagte Fuchs.

Nach gegenwärtiger Planung sollen die ersten Satelliten im Oktober 2012 vom Weltraumbahnhof Kourou in Südamerika aus ins All geschossen werden.Aus Kostengründen werden dafür nicht europäische Ariane-, sondern russische Sojus-Raketen eingesetzt. Ab 2014 soll Galileo betriebsbereit sein. Bis zu 32 der telefonzellengroßen Satelliten werden dann in 24 000 Kilometern Höhe um die Erde kreisen und zentimetergenaue Navigation am Boden und in der Luft ermöglichen. Galileo wird nach Angaben der Planer genauer arbeiten als das GPS (Global Positioning System) und die Europäer unabhängig von diesem militärisch organisierten System machen, das im Fall bewaffneter Konflikte unzugänglich gemacht werden könnte.

Um den Auftrag der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA gab es hinter den Kulissen ein Hauen und Stechen. OHB machte das Rennen gegen den weit größeren deutschen Konkurrenten EADS-Astrium. „Wir haben den Zuschlag bekommen, weil wir inhaltlich besser und wirtschaftlich attraktiver sind“, erklärte Vorstandschef Fuchs. OHB habe Erfahrungen im Bau kleiner, robuster und zuverlässiger Satelliten. Auch für den Folgeauftrag zum Bau der restlichen Galileo-Flugkörper rechnet sich OHB nun gute Chancen aus.

In Bremen wird der Galileo-Auftrag als „Riesenchance“ gefeiert. OHB spiele damit eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung der Stadt als Raumfahrt-Modellregion in Deutschland und Europa, sagte der Bremer SPD-Landesvorsitzende Uwe Beckmeyer.

[Dr. Margit Kautenburger]

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