TUI-Chef Michael Frenzel.
Angesichts einer Präsenz von lediglich knapp 69 Prozent des Kapitals zeichnete sich auf der Hauptversammlung am Mittwochabend eine Ablehnung der Anträge des Reeders ab.
Zuvor hatte Fredriksens Vertrauter Tor Olav Trøim vor den Aktionären kein gutes Haar an der Strategie des TUI-Managements gelassen. Mit seinen Minderheitsbeteiligungen an der Reisetochter TUI Travel und der Containerlinie Hapag-Lloyd sei der Konzern heute „nicht mehr als eine wenig erfolgreiche Vermögensverwaltungsgesellschaft“. Angesichts der hohen Verschuldung der einzelnen Gesellschaften sei es zweifelhaft, ob der Konzernverbund die bald fällig werdenden Verbindlichkeiten bedienen könne. „Dieses Unternehmen braucht Geld mehr als alles andere“, sagte Trøim unter Zustimmung der Aktionäre.
Für die Zukunft der TUI sieht Fredriksen nach Angaben seines Vertrauten drei Optionen: die Zerschlagung des Konzerns samt Verwertung seiner Einzelteile zugunsten der Aktionäre, die Konzentration auf die Touristik oder den Fortbestand der Aktiengesellschaft in ihrer jetzigen Form – allerdings in einer deutlich verschlankten Ausgabe. Man bevorzuge die letzte Variante und sei auch bereit, neues Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, sagte Trøim: „Wir wollen den Konzern nicht zerschlagen.“
Genau daran hegen viele TUI-Mitarbeiter offenbar Zweifel. Rund 150 Beschäftigte demonstrierten vor Beginn der Hauptversammlung für den Erhalt der TUI. „Wir brauchen jetzt eine Phase der Ruhe und des Nicht-Getriebenwerdens“, sagte Christoph Großmann vom Verein der TUI-Belegschaftsaktionäre. „Ohne Wertschätzung der Mitarbeiter wird es auch keine Wertschöpfung geben.“
Auch TUI-Chef Michael Frenzel lehnte die Vorschläge Fredriksens ab. Eine aktive Entwicklung des Hotelgeschäfts, der Kreuzfahrtaktivitäten sowie der Touristiktochter TUI Travel lasse sich nicht mit „sechs oder zwölf Mitarbeitern“ umsetzen. „Wer dies fordert, hat die Zerschlagung der AG im Sinne“, erklärte Frenzel.
Lautstarke Unterstützung von Seiten der Aktionäre gab es für Fredriksens Kritik an der Vergütung des Vorstandes. Trotz eines Konzernverlustes von 142 Millionen Euro und des Ausfalls der Dividende habe Frenzel 2008 mit 3,8 Millionen Euro die zweithöchste Entlohnung seiner 14-jährigen Amtszeit erhalten, monierte Trøim – 558.000 Euro davon allein als Vergütung für Ämter, die er bei TUI-Töchtern bekleide. Diese Kritik stützten auch Vertreter der Anlegervereinigungen DSW und SdK, die Einsetzung eines Sonderprüfers lehnten sie jedoch ab.
Verständnis wurde auch laut für den Wunsch Fredriksens, mit zwei Plätzen im TUI-Aufsichtsrat vertreten zu sein – allerdings nicht den vom Norweger eingeschlagenen Weg über die Abwahl amtierender Mitglieder des Gremiums. Mehrene Redner mahnten eine einvernehmliche Einigung an.
Obwohl Fredriksen seine TUI-Beteiligung nach eigenen Angaben auf „etwa 18 Prozent“ ausgebaut hat, stand er gestern erneut auf verlorenem Posten. Das TUI-Management konnte sich auf etwa 35 Prozent der Stimmen stützen – und damit angesichts der Präsenz eine Mehrheit behaupten.