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Proteste

EDC-Beschäftigte demonstrieren auf Werksgelände

Mehr als 400 Beschäftigte des traditionsreichen CD-Presswerks in Langenhagen haben am Donnerstag ihrem Ärger über die Lohnkürzungspläne ihres US-Mutterkonzerns Entertainment Distribution Company (EDC) Luft gemacht.
EDC-Beschäftigte nutzen die Betriebsversammlung, um ihrem Ärger Luft zu machen.

EDC-Beschäftigte nutzen die Betriebsversammlung, um ihrem Ärger Luft zu machen.

© Rainer Dröse

Auf Plakaten prangerten sie „die Aussauger“ aus Amerika an und forderten „Nein zu Schließungsplänen“. Ihr Arbeitgeber verlangt von den rund 1000 Mitarbeitern Lohnzugeständnisse in Höhe von 20 Prozent und droht, dem Werk seine Aufträge wegzunehmen.

EDC ist hart von der Wirtschaftskrise getroffen worden, hinzu kommen die strukturellen Probleme der Datenträger CD und DVD, die langfristig vom Aussterben bedroht sind. Gleichwohl schreibt das Langenhagener Werk – das größte seiner Art in Europa – satte Gewinne: 12 Millionen Euro vor Steuern sollen es 2008 gewesen sein, das entspricht einer Umsatzrendite von 10 Prozent.

EDC schließt derzeit das letzte europäische Schwesterwerk in England und verlagert die Produktion nach Langenhagen. Mit den Lohnzugeständnissen sollen die hiesigen Mitarbeiter die Sozialpläne in England finanzieren. „Wir haben eure Schulden nicht gemacht“, wetterte Betriebsratschef Heiner Delgehausen auf der Betriebsversammlung, „wir bezahlen sie nur.“ Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren schon mehrfach Zugeständnisse gemacht. Schon heute liegen ihre Löhne 9 Prozent unter dem Flächentarif der chemischen Industrie, ein Anwachsen der Differenz auf 15 Prozent bis spätestens 2015 ist bereits abgemacht.

Der neue Vorstandschef von EDC, Clarke H. Bailey, der gestern das Werk besuchte, bekam von der Demonstration nichts mit. Er reiste eigens später an. Mit den aktuellen Geschäftsführern in Langenhagen soll er kaum gesprochen haben. Ihnen wurde zum Jahresende gekündigt, derzeit werden Nachfolger gesucht. Bailey verfolgt die gleichen Kürzungspläne wie sein Vorgänger, der Fondsmanager Robert Chapman.

Angesichts der weit auseinander liegenden Positionen drängen sowohl das niedersächsische Wirtschaftsministerium als auch die US-Handelskammer AmCham auf einen Vermittler. Im Gespräch ist der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, der allerdings noch nicht offiziell beauftragt worden ist.

Viele der Beteiligten sehen ohnehin allein in einem Verkauf des Werks die einzig sinnvolle Alternative. Gespräche dazu laufen bereits auf politischer Ebene. Hilfen des Landes, etwa in Form von Bürgschaften, seien denkbar, falls eine tragfähige Lösung gefunden werde, hieß es. Auch Bailey soll einem Verkauf offen gegenüber stehen, ebenso der letzte große Kunde des Standorts, Universal. Die frühere Konzernmutter hatte das Werk 2005 an EDC verkauft. Die Marke Deutsche Grammophon, 1898 von Emil und Joseph Berliner in ihrer Geburtsstadt Hannover gegründet und Wurzel des Langenhagener Werks, verblieb damals bei dem Medienkonzern.

[Lars Ruzic]

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