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Wirtschaft Land zahlt Handwerksmeistern 4000 Euro
Nachrichten Wirtschaft Land zahlt Handwerksmeistern 4000 Euro
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00:17 18.09.2017
Handwerksvertreter Karl-Wilhelm Steinmann begrüste die Meisterprämie als "Durchbruch". Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Niedersachsen fördert künftig die Ausbildung von Handwerksmeistern deutlich stärker. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat sich am Freitag mit Vertretern der Handwerkskammern und Arbeitgeber auf eine neue "Meisterprämie" in Höhe von 4000 Euro geeinigt. Wer die Meisterprüfung besteht, soll diese Summe erhalten – und zwar rückwirkend seit dem 1. September. "Das ist ein Durchbruch", freute sich Karl-Wilhelm Steinmann, Vizepräsident des Niedersächsischen Handwerkstages.

Lies begründete die Förderung mit dem Mangel an Fachkräften im Handwerk. "Anfang der 2000er Jahre legten in Niedersachsen noch über 3000 Personen eine Meisterprüfung ab. 2016 sank diese Zahl auf weniger als 2200", sagte er. Dieser Mangel erschwere älteren Meistern die Suche nach geeigneten Nachfolgern, die ihre Betriebe weiterführen. Außerdem führe er dazu, dass immer weniger Betriebe junge Handwerker ausbilden.

Hohe Umsetzungschancen

Lies' Ministerium rechnet mit Kosten in Höhe von 8 bis 10 Millionen Euro pro Jahr. "Die notwendigen Finanzmittel sollen in einem Nachtragshaushalt 2018 verankert werden", sagte der Minister. Vor der Landtagswahl wird das allerdings nicht passieren, denn für die letzte Sitzung in der kommenden Woche steht das Thema nicht auf der Agenda. Die Mittel für die Prämie wird also der nächste Landtag freigeben müssen.

Die Chancen, dass das tatsächlich passiert, sind hoch – unabhängig vom Ausgang der Wahl. Denn die Meisterprämie geht zurück auf einen Antrag der FDP-Fraktion, dem Mitte August alle Fraktionen zustimmten. Der Antrag forderte die Landesregierung auf, angehende Meister von Lehrgangs- und Prüfungsgebühren zu befreien, um sie mit Studenten gleichzustellen.

Für dieses Ziel kämpfen die Handwerkskammern seit vielen Jahren. Sie halten es für unfair, dass Akademiker gebührenfrei studieren, während Meister für ihre Kurse zahlen. Mit der Meisterprämie sei man nun in Niedersachsen "endlich auf dem richtigen Weg zu der immer wieder vom Handwerk geforderten Gleichstellung der akademischen und beruflichen Bildung", sagte Steinmann.

Fünfstellige Kosten für den Meister

Der niedersächsische Handwerkstag schätzt, dass Handwerker im Durchschnitt 9000 Euro für die Vorbereitungskurse ausgeben. Die Meisterschulen der Kammern erheben die Gebühren, weil sie sich selbst tragen müssen. Hinzu kommen Kosten für das Meisterstück sowie die Lebenshaltung. Diese lassen sich schlecht abschätzen, da sie von den individuellen Umständen abhängen. Auch der Verdienstausfall lässt sich schwer beziffern. Unter dem Strich investieren die meisten aber fünfstellige Beträge in ihre Meisterausbildung.

Der Bund und die Länder unterstützen die angehende Meister deshalb schon seit Längerem mit Zuschüssen und Darlehen. Dieses sogenannte Meisterbafög deckt jedoch nur rund die Hälfte der Ausbildungskosten ab.

Bund der Steuerzahler mahnt solide Finanzierung an

Die niedersächsische Landesregierung und die Handwerkskammern hoffen, dass die Bundesregierung das Aufstiegsfortbildungsgesetz so ändert, dass das Meisterbafög künftig 100 Prozent der Kosten abdeckt. "Falls dies nicht im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung stehen sollte, wird Niedersachsen eine entsprechende Bundesratsinitiative starten", sagte Lies. Steinmann betonte, dass sich die Intention des Landtagsbeschlusses vom August nur über das Bundesgesetz vollumfänglich umsetzen lasse. Sollte dieses Vorhaben gelingen, dürfte die niedersächsische Meisterprämie überflüssig sein.

Der Bund der Steuerzahler sieht die neue Prämie kritisch. "Minister Lies zeigt sich bei der Meisterprämie ausgesprochen spendabel. Vor Wahlen ist so manches möglich", sagte Bernhard Zentgraf, Vorsitzender des Steuerzahlerbunds in Niedersachsen. Länder wie Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern würden lediglich 1000 Euro zahlen. "Der Bonus des Staates ist weder einkommensteuerpflichtig noch mindert er Werbungskosten, die im Zusammenhang mit dem Meisterkurs stehen", betonte Zentgraf.

"So sehr mit der Prämie eine Wertschätzung des Handwerks und eine Stärkung des Unternehmertums einhergeht, so wichtig ist eine solide Finanzierung im Landeshaushalt", ergänzte er.

Von Christian Wölbert

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