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Wirtschaft Neue Betrugswelle bei Amazon
Nachrichten Wirtschaft Neue Betrugswelle bei Amazon
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18:57 10.05.2017
Genau hinsehen: Verbraucherschützer raten bei Angeboten weit unter dem Marktpreis zu Vorsicht. Quelle: dpa
Berlin

Es sah aus wie ein echtes Schnäppchen: Die neue Blu-Ray des Fantasy-Films „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ gab es bei einem Händler auf der Amazon-Plattform Marketplace kürzlich für 1,25 Euro. Zum Vergleich: Im regulären Amazon-Handel kostet der Film knapp 15 Euro. Weil der private Online-Verkäufer auch noch mit besten Bewertungen glänzte, griffen einige Kunden zu – doch zum gemütlichen Filmabend kam es nicht.

Amazon kämpft im Moment mit einer neuen Betrugsmasche, von der auch seriöse Verkäufer betroffen sein können, wenn ihre Accounts­ gehackt und für den Betrug missbraucht werden. Die sogenannten Fake-Shops bieten Artikel zu extrem günstigen Preisen an – häufig im einstelligen Euro-Bereich.

Betrüger spielen auf Zeit

Wie bei einem echten Geschäft auf Marketplace wird das Geld zunächst von Amazon eingezogen. Der Onlinehändler behält es so lange ein, bis die Ware angekommen ist. Die Betrüger dagegen spielen auf Zeit, sie versenden keine Artikel – weil sie in der Regel auch gar keine haben. „Sie setzen offensichtlich darauf, dass Amazon das Geld irgendwann einfach so, ohne eine Bestätigung, weiterleitet“, vermutet Jo Bager vom Computermagazin „c’t“. Für die Kunden sei das ärgerlich: „Sie verlassen sich auf die Integrität und stehen am Ende ohne Produkt da.“ Hinzu kommt, dass auch bei jedem Scheingeschäft Versand- und Rechnungsadressen preisgegeben werden. Seriöse Verkäufer fürchten um ihren Ruf, aber auch Amazon ist von dem Vertrauensverlust betroffen.

Das finanzielle Risiko für die Verbraucher ist bei dieser Masche dagegen gering. Die Marketplace-Geschäfte sind durch Amazon abgesichert, bestätigt Unternehmenssprecher Christian Blum: „Sollte ein Produkt einmal nicht ankommen oder vom beworbenen Zustand abweichen, können Kunden die Erstattung des vollen Kaufpreises beantragen.“ In manchen Fällen werden gezahlte Beträge von Amazon auch sehr schnell automatisch erstattet: Als Grund wird dann „Kontoberichtigung“ angegeben. Die neue Masche ist Teil eines andauernden Katz-und-Maus-Spiels. „Es gibt Menschen mit betrügerischen Absichten und da sie immer smarter werden, müssen wir es auch sein“, sagt Blum.

Accounts werden gesperrt und tauchen anderswo wieder auf

Das tatsächliche Ausmaß der aktuellen Betrugswelle ist für „c’t“-Redakteur Bager schwer abzuschätzen, zumal die Scheinverkäufer ihre Accounts nach einer Sperrung durch Amazon gleich wieder neu ins System stellen. „Das ist ein elender Wildwuchs mit zum Teil Dutzenden Anmeldungen pro Tag“, berichtet Bager.

Nicht das erste Mal bereiten Fake­-Shops auf Amazons Marketplace Probleme. In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Fälle einer anderen Betrugsmasche gemeldet: Scheinverkäufer boten dabei hochpreisige Produkte wie Fernseher, Kameras und Handys weit unter dem Marktniveau an. Bei der Abwicklung wurden dann Schwierigkeiten vorgespielt, die den Käufer dazu bringen sollten, das Geld auf privatem Weg zu überweisen. „Wenn der Amazon-Kanal verlassen wird, greift auch der Schutz nicht mehr“, erklärt Sebastian Lambeck von der Verbraucherzentrale. „Leider ist das Geld dann meistens weg.“

Die Verbraucherzentrale hat deshalb Hinweise herausgegeben, die vor Fake-Shops schützen sollen. Erkennbar seien Betrugsseiten demnach zum Beispiel am fehlenden oder unvollständigen Impressum. Bei der Abwicklung eines Kaufs blieben zudem oft von mehreren versprochenen Bezahlmöglichkeiten am Ende nur die Vorkasse und Direktüberweisung übrig.

„C’t“-Redakteur Bager fordert von den Kunden grundsätzlich mehr Vorsicht beim Onlineshopping: „Wenn die Angebote weit unter dem Marktpreis liegen, kann etwas nicht stimmen.“ Explizit für Amazon gelte, den offiziellen Kanal nicht zu verlassen: „Wenn Verkäufe diesen Weg umschiffen wollen, ist das meist unseriös.“

Rückgabebedingungen vereinheitlicht

Auf der Plattform Amazon Marketplace können Drittanbieter Waren verkaufen. Diese müssen sich dabei an die von Amazon vorgegebenen Bedingungen halten. Vor Kurzem wurden diese strenger – denn Amazon hat das Rückgaberecht für alle gewerblichen Verkäufer vereinheitlicht. Demnach können Kunden ein gekauftes Produkt ohne Angabe von Gründen innerhalb von 30 Tagen zurücksenden. Sie bekommen dann den Preis erstattet. Wenn ein Kunde einen Artikel im Wert von mehr als 40 Euro innerhalb von 14 Tagen zurücksendet, werden außerdem die Rücksendekosten übernommen. Bei Kleidung, Schuhen und Handtaschen müssen Händler die Rückversandkosten unabhängig vom Kaufpreis und über die gesamten 30 Tage tragen.

Von Anton Zirk / RND

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