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Wirtschaft Modellbau-Hersteller nimmt „Nazi-Ufo“ vom Markt
Nachrichten Wirtschaft Modellbau-Hersteller nimmt „Nazi-Ufo“ vom Markt
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17:48 18.06.2018
Ein Nazi-Ufo, das es nie gegeben hat: Wegen des Modellbausatzes „Flying Saucer Haunebu II“ ist der Modellbauhersteller Revell in der Kritik. Quelle: Revell/Screenshot Amazon
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Hamburg

Der Modellbauhersteller Revell aus Nordrhein-Westfalen ist wegen eines „Nazi-Ufos“ in die Kritik geraten. Bei dem Bausatz handelt es sich um eine Art „Fliegende Untertasse“, die vermeintlich aus der Zeit des Dritten Reiches stammt. Experten sehen in dem Bausatz Verfälschung der Geschichte und indirekte Verbreitung von esoterischen und rechtsextremen Verschwörungstheorien im Kinderzimmer. Als Reaktion nahm Revell den Bausatz am Montag vom Markt. Er werde nicht mehr ausgeliefert, teilte eine Sprecherin des Unternehmens aus Bünde in Ostwestfalen mit.

Kritik kam unter anderem vom Historiker Jens Wehner vom Militärhistorischen Museum in Dresden. Sein Vorwurf: Es sei nicht akzeptabel, dem NS-Regime Fähigkeiten zuzuschreiben, die es nach dem Stand der Wissenschaften nie gegeben habe, sagte er NDR Info.

„Revell distanziere sich von jeder Art der Verherrlichung des Nationalsozialismus“

„Grundsätzlich geben wir dem Militärhistorischen Museum recht, es handelt sich tatsächlich um ein legendenumwobenes, außergewöhnliches Fluggerät, dessen Existenz und Umsetzbarkeit nicht belegt ist“, räumt das Unternehmen ein. „Unser Verpackungstext bringt dies aber leider nicht adäquat zum Ausdruck, wir entschuldigen uns hierfür“, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Revell distanziere sich ausdrücklich von jeder Art der Verherrlichung von Kriegen und des Nationalsozialismus, betonte eine Unternehmenssprecherin.

Stein des Anstoßes war das Produkt „Flying Saucer Haunebu II“, für 49,99 Euro im Spielwarenhandel erhältlich – ein waffenstarrender Rundkörper, gekennzeichnet mit dem Eisernen Kreuz der Luftwaffe des Dritten Reiches, das aus Zwillingsgeschützen auf Fantasieflugzeuge feuert. Laut Kartonaufdruck empfohlen für Kinder ab 12 Jahren. Der beschreibende Text erweckte den Eindruck, es handle sich um ein echtes Kriegsgerät der Nazis mit geradezu übernatürlichen Fähigkeiten: „1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 Km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt nicht über die Erprobungsphase hinaus.“

Nazi-Ufo noch in verschiedenen Online-Shops erhältlich

Revell hat die „Flying Saucer Haunebu II“ am Montag aus ihrem Online-Shop genommen. Der Bausatz war aber noch auf verschiedenen anderen Online-Shoppingportalen erhältlich.

Von RND

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