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Wirtschaft Warnung vor Verkehrskollaps auf Messeschnellweg
Nachrichten Wirtschaft Warnung vor Verkehrskollaps auf Messeschnellweg
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05:53 04.10.2018
Dichter Verkehr auf dem Messeschnellweg. Quelle: Rainer Droese
Hannover

 Die Deutsche Messe AG sieht durch veraltete Verkehrsleitanlagen ihre Konkurrenzfähigkeit gefährdet. Wenn sich der An-und Abreiseverkehr auf dem Messeschnellweg wegen technischer Probleme nicht mehr steuern lasse, werde das „zu einem deutlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen (vermeintlich attraktiveren) Standorten führen“, heißt es in einer Vorlage für den Aufsichtsrat, der der HAZ vorliegt.

Nach Angaben der Messe haben die Region und die Polizeidirektion Hannover nach der Agritechnica im Herbst vergangenen Jahres entschieden, dass die Mitarbeiter in der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) unter den gegebenen Voraussetzungen „keine Schaltung zur Einrichtung der bekannten Einbahnstraßenregelungen (Maßnahmen A und R) mehr durchführen werden“. Während die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Messeschnellweg weiter als „verkehrssicher“ einschätze, verträten die VMZ und die Polizei „einen gegenteiligen Standpunkt“.

Die Verkehrsleitanlagen auf dem Messeschnellweg wurden zur Weltausstellung Expo 2000 errichtet – und sind in die Jahre gekommen. Schilder drehten sich ohne Schaltbefehle oder zeigten falsche Schaltzustände an, „was in der Vergangenheit mehrfach zu Beinahe-Unfällen geführt hat“, heißt es in der Vorlage für die Aufsichtsräte. Prismenschilder ließen sich bei Frost nicht drehen, da sonst die Motoren durchbrennen – eine dreispurige Verkehrsführung sei damit nicht länger möglich. Da die elektronische Schaltung der Schranken an Auf- und Abfahrten vom Messeschnellweg nicht mehr verlässlich arbeite, müssten diese personell besetzt werden.

Im laufenden Jahr fielen diese Defizite noch nicht so ins Gewicht, weil sich der Andrang zur Hannover Messe und zur Cebit in Grenzen gehalten habe, heißt es weiter. Für 2019 sehe das jedoch anders aus: „Bei der Agritechnica wird es unter den gegebenen Rahmenbedingungen massive Verzögerungen bei der An- und Abreise geben.“ In Bezug auf die Hannover Messe gebe es von Seiten der Aussteller bereits „massive Beschwerden“, weil diese in ungeraden Jahren deutlich größer ausfalle. „Starke Verkehrsbehinderungen würden zu einer großen Unzufriedenheit führen und ein positives Messe-Erlebnis stark beeinträchtigten“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Die zuständigen Behörden begegnen dem Alarmruf der Messe mit Zurückhaltung. Auf dem Schnellweg sei eine Einbahnstraßenregelung „nach wie vor grundsätzlich möglich“, erklärte das federführende Wirtschaftsministerium. Bei den Messen in diesem Jahr gebe es für diese Maßnahme jedoch wegen des vergleichsweise geringen Verkehrsaufkommens keinen Grund. Für 2019 lägen noch keine Prognosen zu den Besucherzahlen vor, hieß es. Die Messe erwartet nach eigenen Angaben 220.000 Besucher zur Industrieschau im April und 450.000 Gäste zur Agritechnica im November.

Hinter vorgehaltener Hand nehmen Behördenvertreter auch das Unternehmen in die Verantwortung: Um die An- und Abreise zu erleichtern, könne die Messe beispielsweise ihre Öffnungszeiten ändern: „Wenn etwa die Agritechnica erst um 10 Uhr begänne, wäre der Berufsverkehr schon durch“, sagte ein Verkehrsplaner.

Das Wirtschaftsministerium wolle gemeinsam mit der Messe, der Region und der Stadt Hannover eine gemeinsame Lösung zur künftigen Ausgestaltung des „Verkehrsleitsystems Messeschnellweg“ erarbeiten, sagte ein Behördensprecher. Noch in diesem Herbst seien dazu erste Abstimmungsgespräche geplant.

Der Stau ist Teil des Marketings

Aus Sicht einer Messegesellschaft ist der Stau ein schwieriges Marketing-instrument. Erreichen Besucher ohne jedwede Behinderung das Gelände, deutet das auf geringes Interesse an der Ausstellung hin. Kommen sie hingegen mit großer Verspätung ans Ziel, platzen möglicherweise wichtige Termine. Es gilt also, die richtige Balance zu finden: So lange der Verkehr nur stockt, ist das noch im Sinne der Veranstalter, längerer Stillstand hingegen provoziert unnötigen Unmut.

Die Messemacher in Hannover waren lange verwöhnt: Mithilfe der Behörden konnten An- und Abreise so dosiert werden, dass sich die Standzeiten auf dem Schnellweg für Aussteller und Besucher in akzeptablen Grenzen hielten. Für die Einheimischen und die Pendler aus dem Umland galt das hingegen nicht: Für sie ging es innerstädtisch oft nur im Schritttempo voran, damit die Gäste ihre freie Fahrt genießen konnten.

Für viele Hannoveraner war es deshalb nicht unbedingt von Nachteil, dass der Messeschnellweg zuletzt immer seltener zur Einbahnstraße geworden ist. Das lag allerdings weniger an veralteten Verkehrsleitanlagen als am abnehmenden Andrang: Richtig voll wird es auf dem Ausstellungsgelände nur noch zu besonderen Konzerten, bei der Agritechnica und – in ungeraden Jahren – zur Hannover Messe. Dass die Veranstalter die Verantwortung dafür gern auf andere abschieben möchten, ist nachvollziehbar. Für überstürzte Investitionen in neue Verkehrstechnik aber besteht kein Anlass: Die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Messe AG hängt zuallererst von ihrer Fähigkeit ab, wieder mehr Aussteller und Besucher für ihre Veranstaltungskonzepte zu gewinnen.

Von Jens Heitmann

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