Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft „Wir wollen in der Champions League bleiben“
Nachrichten Wirtschaft „Wir wollen in der Champions League bleiben“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 07.01.2018
Messe-Chef Jochen Köckler im Interview. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Jochen Köckler steht seit Juli 2017 an der Spitze der Deutschen Messe AG. Der promovierte Agrarökonom. kam 2012 von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) nach Hannover. Der 48-Jährige ist für die Hannover Messe, das Digitalgeschäft und den Personalbereich verantwortlich. Der zweifache Vater ist Jäger und außerdem ein passionierter Sportler.

Sie haben den Umbau der Deutschen Messe zu „einem internationalen Anbieter von Veranstaltungen und Data-Services“ angekündigt, Herr Köckler. Sind Sie das nicht längst?

In gewisser Weise sind wir das natürlich schon seit 70 Jahren: Wir bringen Menschen zusammen. Aber die Ansprüche der Aussteller und Besucher wandeln sich. Beide kommen heute dank Internet und sozialer Netzwerke deutlich besser vorbereitet aus das Gelände und wollen auch im Anschluss in Kontakt bleiben. Das möchten wir unterstützen – und damit auch unsere digitale Reichweite über die reinen Messetage hinaus vergrößern, um so unser Kerngeschäft abzusichern.

Der Messe ist es bisher nicht gelungen, die kränkelnde Cebit zu stabilisieren. Schadet das nicht Ihrer Glaubwürdigkeit als Service-Partner fürs digitale Geschäft?

Absolut nicht. Unser Anspruch ist es, bestimmte Branchen zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammenzubringen – und die so entstehenden Kontakte auch über digitale Kanäle zu vertiefen. Die Besucher suchen auf einer Messe nach Lösungen für spezifische Aufgaben und Probleme – sie wollen sich aber auch persönlich treffen, und das auf eine möglichst effiziente Art und Weise. Wir bündeln also nicht nur das Geschäft an einem Ort, sondern wir kennen auch die Profile und die Wünsche der Besucher. Beides ist ein Mehrwert für unsere Kunden.

Die Cebit wird im nächsten Jahr noch einmal deutlich kleiner ausfallen als zuvor. Wie klein darf sie denn werden, damit sie noch einmal stattfinden kann?

Die IT-Branche verändert sich radikal – darauf müssen wir reagieren und wir tun das mit einem radikal veränderten Konzept für die Cebit. Wir verlegen den Termin vom März in den Juni und entwickeln ein völlig neues Format. Natürlich ist es unsere feste Intention, die Cebit als Messe zu sichern. Den Erfolg messen wir aber nicht in den klassischen Größenordnungen wie Besucherzahlen und Quadratmeterpreisen.

Aber rechnen soll sich die Cebit schon, oder?

Natürlich. Aber die Parameter werden andere sein. Wir werden für unsere Aussteller attraktive Beteiligungspakete schnüren. Denkbar ist beispielsweise, die Kosten über Teilnahmegebühren an Konferenzen zu refinanzieren. Auch von den starren Öffnungszeiten werden wir uns lösen und so andere Geschäftsmodelle ermöglichen.

Ist das der letzte Versuch mit der Cebit?

Unsere Aussteller und unsere Beiräte haben gesagt: Bitte ändert das Format und den Charakter der Cebit. Wir glauben, dass wir das Momentum des Wechsels richtig gepackt habe. Das Kriterium für den Erfolg der Messe 2018 wird sein, ob die Kunden mit der Neuartigkeit der Veranstaltung zufrieden sind.

Mit der Industrie-Messe im April haben Sie nur noch eine eigene Veranstaltung, die das Gelände komplett nutzt. Reicht das auf Dauer?

Großveranstaltungen sind nach wie vor sehr beliebt, aber ihre Zahl ist international begrenzt. Wir sind deshalb sehr froh, dass eine Domotex für Bodenbeläge oder eine Ligna für die Holzverarbeitung sich sehr gut entwickeln und das Gelände zur Hälfte beziehungsweise der Vierteln auslasten. Hannover ist aber auch attraktiv für kleinere Fachmessen wie die „Battery Show Europe“ oder die „Tire Technology Expo“, die mit vielleicht 800 Ausstellern zwei oder drei Hallen belegen. Solche Veranstaltungen passen gut in die Lücken zwischen größeren Veranstaltungen, seien es unsere eigenen oder die von Gastveranstaltern wie die Agritechnica, die IAA Nutzfahrzeuge oder Werkzeugmaschinenmesse EMO.

Das heißt: Im Kern ist der Messemarkt verteilt?

Wenn Großveranstaltungen an einem Ort etabliert sind, bleiben sie in der Regel dort. Sollte dennoch jemand an einem Messeplatz unzufrieden sein, wären wir natürlich hoch motiviert, ihn für uns zu gewinnen. Durch den Wechsel der Cebit in den Juni ist im Frühjahr ein Platz im Kalender frei geworden – unsere Kampagne „Märzrasen“ spielt darauf an. Wir arbeiten aber auch daran, neue Messen zu entwickeln.

Die Deutsche Messe hat in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag gefeiert. Wie schätzen Sie die Perspektive des Standorts Hannover ein?

Wir haben viele Vorteile auf unserer Seite. Ein solches Gelände mit ebenerdigen Hallen gibt es nur hier. Für Industriemessen mit langen Aufbauzeiten ist das ideal. Kleinere Veranstaltungen können natürlich überall stattfinden. Hier müssen wir mit klassischen Tugenden wie Service und Verlässlichkeit punkten.

Im laufenden Jahr steuern Sie auf einen Rekordumsatz zu, sie verfehlen aber das ursprüngliche Ziel von 400 Millionen Euro. Wann erreichen Sie diese Schwelle?

Wir erreichen in diesem Jahr rund 360 Millionen Euro Umsatz und wollen künftig profitabel um 3 Prozent im Jahr wachsen, mittelfristig dürfen es gern auch 5 Prozent werden. Unser Ziel ist es, in der Champions League des Messemachens zu bleiben.

Das Verhältnis von Vorstand und Betriebsrat bei der Deutschen Messe war über viele Jahre miserabel, Sie waren Stammgäste beim Arbeitsgericht. Hat sich seit Ihrem Amtsantritt als Vorstandschef im Sommer etwas zum Positiven verändert?

Wir hatten im Juni die Chance zu einem Neuanfang – und die kann man nutzen, wenn das beide Seiten wollen. Wir haben uns in die Augen geschaut und beschlossen, unsere Energien künftig lieber in das Messegeschäft zu investieren. Das gelingt uns gerade extrem gut. Vor dem Arbeitsgericht sind wir nicht mehr.

Von Jens Heitmann

Für die Inbetriebnahme und den Ausbau des Berliner Hauptstadtflughafens BER fehlt laut Berichten nach ersten Schätzungen bis zu eine Milliarde Euro. Einen entsprechenden Finanzbedarf teilte die BER-Geschäftsführung demnach dem Aufsichtsrat vor Weihnachten mit. Ein Flughafensprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

07.01.2018

Nach der Veröffentlichung der gravierenden Sicherheitslücken „Meltdown“ und „Spectre“ haben erste US-Verbraucher den Chiphersteller Intel verklagt und Wiedergutmachung gefordert. Die Kläger streben eine weitreichende Sammelanklage an.

06.01.2018

Im europäischen Vergleich geben die Deutschen mehr Geld für Reisen aus. Auch in Sachen Wohnen liegt die Bundesrepublik über dem EU-Durchschnitt: Mehr als ein Viertel der Konsumausgaben fließen in Wohnraum und Hausrat.

06.01.2018