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Wirtschaft Mehrdad Payandeh rückt an Spitze des DGB
Nachrichten Wirtschaft Mehrdad Payandeh rückt an Spitze des DGB
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06:43 01.11.2017
Von Jens Heitmann
„Ich dachte: Das ist der Sozialismus“: Mehrdad Payandeh wollte nach Dänemark - und landete in West-Berlin. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Eigentlich wollte Mehrdad Payandeh nach Dänemark. Die freundlichen Menschen im Norden nähmen Flüchtlinge sofort in ihre Gesellschaft auf, hatte ihm jemand auf der langen Reise von der iranischen Grenze über die Türkei und Bulgarien bis nach Ost-Berlin erzählt. Der junge Mann aus Abadan wollte das gern glauben, auch der günstige Ticketpreis von 40 Pfennig für die Bahnfahrt machte ihn nicht skeptisch. „Ich dachte: Das ist der Sozialismus.“ Es war aber nur ein Irrtum: Kurz darauf stoppte die S-Bahn im Westteil der Stadt - und Payandeh stand hilflos in seiner neuen Heimat.

Kulturschock in Berlin

Rund 30 Jahre später kommt der gebürtige Iraner dem Wunschbild sehr nahe, das viele von einem erfolgreichen Asylbewerber haben: Er hat schnell Deutsch gelernt, dann erst gearbeitet, später studiert - und zählt heute als Chefökonom des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu jener Schicht, die gemeinhin als tragende Säule der Gesellschaft gilt. Im Februar löst der 57-Jährige Hartmut Tölle an der Spitze des DGB-Bezirks Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt ab, der aus Altersgründen ausscheidet.

Der Weg zur Gewerkschaft war weit und naheliegend zugleich: Sein Vater war noch unter dem Schah in der Arbeiterbewegung aktiv - und hatte ein gespaltenes Verhältnis zum Regime: Einerseits musste er anerkennen, dass Reza Pahlavi Persien zu einem modernen Staat mit Schulen, Universitäten und Krankenhäusern machte - andererseits wurde jedwede Opposition unterdrückt, Gewerkschafter wie er fanden sich schnell im Gefängnis wieder.

Nach der „Islamischen Revolution“ 1979 wird es nicht besser - im Gegenteil: „Abadan war vorher eine säkulare Stadt - Religion spielte in unserem Alltag keine Rolle“, sagt Payandeh. Als die Mullahs die Macht übernehmen, sieht er für sich keine Perspektive mehr, pendelt erst zwischen Nichtstun, gelegentlichen Jobs und politischem Widerstand - und flieht schließlich über die nahe türkische Grenze.

Er jobbte als Lagerarbeiter

Dem ersten Kulturschock im Berliner Westen folgt alsbald der zweite: Payandeh steuert sogleich einen Streifenwagen an, der am Straßenrand steht, und gibt sich als Asylsuchender zu erkennen: „Ich dachte: Die nehmen mich wie im Iran sofort fest.“ Doch die Polizisten verweisen freundlich auf den Behördenweg.

Mitte der Achtzigerjahre steigen die Zahlen der Asylbewerber allmählich - die deutsche Politik aber schaltet noch keinen Gang höher: Flüchtlinge dürfen lange auf ihre Anerkennung warten und nichts sonst. Payandeh findet das schon damals „unwirtschaftlich“ - auch dass er an der Volkshochschule nur Deutsch lernen kann, weil ihm der Leiter die Kursgebühr erlässt. „Zum Glück hat man aus den Fehlern gelernt“, sagt Payandeh heute. Frühe Sprachkurse sind heute eher die Regel als die Ausnahme.

Doch auch wer Deutsch spricht, versteht nicht alles: Im Iran galt Payandeh als hochbegabter Abiturient, hier stufen ihn die bayerischen Behörden als Realschüler ein. Eine Umschulung folgt, er jobbt als Lagerarbeiter: „Innerlich habe ich mich damit nie abgefunden, aber ich wollte dem Staat nicht zur Last fallen.“ Erst bei den Jusos erfährt Payandeh von einem Gewerkschafter, dass er in Hamburg auf dem zweiten Bildungsweg studieren kann.

„Als ich meinem Vater am Telefon erzählt habe, dass ich mich für Volkswirtschaft entschieden habe, hat er aufgelegt“, erzählt Payandeh. Ingenieur oder Arzt wäre besser angekommen: „Aber ich wollte schon immer die Ursachen für die ökonomischen und sozialen Ungleichheiten in der Welt verstehen.“ Dieses Erkenntnisinteresse führt ihn als Student bis auf die Krim. Auch nach dem Kollaps der UdSSR sei es dort noch sehr sowjetisch zugegangen, sagt Payandeh. „Ich habe da verstanden, warum die Planwirtschaft gescheitert ist.“

Kritiker der Agenda 2010

So eine Erfahrung erdet. Nach der Promotion startet Payandeh als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den inzwischen verstorbenen SPD-Bundestagsabgeordneten Ottmar Schreiner - dessen harte Kritik an den Agenda-2010-Reformen hält er immer noch für berechtigt. „Durch Regelungen wie Hartz IV ist die Unsicherheit für viele Menschen größer geworden“, sagt Payandeh.

Dass sich die Arbeitslosenrate seither halbiert hat, akzeptiert er allenfalls bedingt als gute Nachricht: Die Zahl der Arbeitsstunden insgesamt habe sich nicht erhöht, sagt Payandeh: „Sie wurden nur auf mehr Schultern verteilt.“ Die Folge davon sei ein gewachsener Niedriglohnsektor: „Erst kamen die Ein-Euro-Jobs, dann die Ein-Euro-Shops - es gibt da einen Zusammenhang.“

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