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Wirtschaft Immer mehr Flüchtlinge machen  eine Lehre
Nachrichten Wirtschaft Immer mehr Flüchtlinge machen  eine Lehre
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00:29 13.04.2018
2015 begann der Eritreer Arefa Abdulkader seine Ausbildung beim Fensterhersteller HBI, nun steht er kurz vor der Prüfung und Übernahme. Quelle: epd
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Nürnberg/Hannover

 Der Fenster- und Türenhersteller HBI aus dem niedersächsischen Hemsbünde war besonders schnell: Schon im Juni 2015 bot er einem Flüchtling einen Ausbildungsplatz an, als erstes Unternehmen im Landkreis Rotenburg, und noch vor Ende des Asylverfahrens des Bewerbers aus Eritrea. Die Entscheidung habe sich gelohnt, berichtet nun der kaufmännische Leiter von HBI, Heiko Lübke-Detring: „Wir gehen fest davon aus, dass er die Prüfung zum Tischlergesellen im Juni besteht. Wir bieten ihm eine Stelle an, und die wird er auch annehmen.“

Bei HBI bewerben sich zwar mehr als genug junge Menschen für eine Ausbildung im Büro, doch bei den Tischlern und Holzmechanikern herrscht Nachwuchsmangel, erklärt Lübke-Detring. Motivierte Flüchtlinge wie der angehende Tischler aus Eritrea seien deshalb eine willkommene Verstärkung. 

Ist diese Erfolgsgeschichte eine Ausnahme? Oder können Flüchtlinge flächendeckend die Fachkräftelücken in der Wirtschaft füllen? Neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigen: Immer noch machen nur wenige Flüchtlinge eine Ausbildung – aber immerhin steigen die Zahlen spürbar.

Chancen durch Sprachkenntnisse

Ende September 2017 absolvierten in Deutschland rund 27 700 junge Leute aus den wichtigsten acht Asylherkunftsländern eine duale Ausbildung, zeigt eine Sonderauswertung der BA. 2016 waren es erst 12000, und 2015 nur 6600. In Niedersachsen war der Zuwachs ähnlich dynamisch: Die Azubi-Zahl stieg von 640 im Jahr 2015 auf rund 2800 im Jahr 2017.

Dass die absolute Zahl steigt, überrascht angesichts der Flüchtlingszahlen nicht. Aber auch der Anteil der Flüchtlinge in Ausbildung, gemessen an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Flüchtlinge, hat zugenommen: 2015 lag er bei 8 Prozent, 2016 bei 10 Prozent und 2017 bei 14 Prozent.

Die Ausbildungsbereitschaft der Flüchtlinge steigt also. „Das liegt zum einen daran, dass sie zunehmend die Vorteile des deutschen Ausbildungssystems verstehen“,  erklärte eine BA-Sprecherin. „Andererseits verbessern sich mit ihren wachsenden Deutschkenntnissen auch die Chancen auf eine Lehrstelle im Betrieb.“ Ohne diesen Trend hätte es im vergangenen Ausbildungsjahr in Niedersachsen einen deutlichen Bewerberrückgang auf Lehrstellen gegeben, betonte die Sprecherin.

Im Vergleich der einzelnen Branchen bildet der Fahrzeugbau die meisten Flüchtlinge aus, bundesweit sind es hier rund 2200. Auf den weiteren Plätzen folgen die Körperpflegebranche (dazu gehören zum Beispiel Friseure) sowie die Energietechnik, Arztpraxen, Klempner und Sanitärtechniker. Auch Bereiche wie Altenpflege, Gastronomie und Maschinenbau sind gefragt.

Mehrheit bezieht noch Hartz IV

Insgesamt entscheiden sich nach Erfahrung der BA aber immer noch viele Flüchtlinge eher für einen Job als für eine Ausbildung, häufig aufgrund finanzieller Verpflichtungen gegenüber Familienangehörigen in ihrem Heimatland. Rund 195.000 Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Herkunftsländern hatten im September 2017 einen sozialversicherungspflichtigen Job. Zum Vergleich: Die Zahl der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger aus diesen Ländern lag zu diesem Zeitpunkt bei knapp 600.000. 

Auch Heiko Lübke-Detring vom Fensterbauer HBI hat die Erfahrung gemacht, dass viele Flüchtlinge kein Interesse an einer Ausbildung haben, weil sie möglichst schnell einen Job mit höherem Gehalt anstreben. Deswegen habe er bislang auch keinen weiteren Flüchtling eingestellt. „Ich wünsche mir, dass die Jobcenter die Leute noch stärker motivieren, eine Ausbildung zu machen“, sagt er. 

Von Christian Wölbert und Klaus Tscharnke

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