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Wirtschaft Talanx-Personalien stoßen auf Kritik
Nachrichten Wirtschaft Talanx-Personalien stoßen auf Kritik
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00:45 11.05.2018
Torsten Leue (links) ist jetzt Chef von Deutschlands drittgörßtem Versicherungskonzern. Wolf-Dieter Baumgartl (Mitte) räumte seinen Platz an der Spitze des Aufsichtsrates für Herbert K. Haas (rechts).  Quelle: Talanx AG
Hannover

 Beim Talanx-Konzern gibt es eine neue Spitze. Der bisherige Chef Herbert K. Haas (63) räumte den Stuhl für Torsten Leue, stattdessen führt er jetzt den Aufsichtsrat. Sein Amtsvorgänger Wolf-Dieter Baumgartl (74), vor Haas selbst viele Jahre lang Talanx-Chef, hat sich nun ganz zurückgezogen. Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Hannover gab es zum Abschied allerhand Lob für Haas – aber dennoch passte Vertretern der Kleinaktionäre der nahtlose Wechsel in den Aufsichtsrat gar nicht. 

Vom „Ende einer Ära“ sprach Josef Gemmeke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK). Die Aktionäre seien mit der Arbeit von Haas sehr zufrieden – wozu zumindest die Aktionäre der ersten Stunde allen Grund haben. Schließlich hat sich ein Engagement zum Börsengang im Jahr 2012 seitdem, Kursanstieg und Dividende zusammengerechnet, mit jährlich rund 16 Prozent verzinst. Dennoch stellte Gemmeke klar: „Wir können Haas nicht in den Aufsichtsrat wählen.“ Für die SDK sei „eine zweijährige Cooling-Off-Periode unabdingbar“. 

Gemeint ist damit, dass zwischen dem Ausscheiden aus dem Vorstand und dem Einzug in den Aufsichtsrat mindestens zwei Jahre verstreichen sollen. So schreibt es Paragraph 100 des Aktiengesetzes vor, allerdings mit einer Ausnahme, von der auch Talanx Gebrauch macht: Demnach ist ein direkter Wechsel vom Topmanagement in das Kontrollgremium erlaubt, wenn der Vorschlag von einem Aktionär kommt, der mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an der Gesellschaft hält. 

Talanx-Hauptaktionär ist mit 79 Prozent der HDI Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Deshalb gab es keine Zweifel daran, dass die Bestellung von Haas mit großer Mehrheit von der Hauptversammlung gebilligt würde, obwohl auch andere Aktionärsvertreter dagegen stimmten. Die Aktionärsvereinigung DSW hätte Haas wohl noch zum einfachen Aufsichtsratmitglied gewählt – aber seine Wahl zum Vorsitzenden „können wir nicht mittragen“, wie ihr Vertreter Alexander Richard Baron von Vietinghoff-Scheel zu Protokoll gab. 

„Wir haben den HDI-Antrag im Aufsichtsrat sehr gründlich geprüft“, beteuerte Wolf-Dieter Baumgartl. So habe man „nicht die leisesten Hinweise“ gefunden, dass Haas in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender für irgendetwas verantwortlich sein könnte, für das er haftbar gemacht werden müsste. Zudem sei nicht zu befürchten, dass er in das operative Geschäft hineinregieren werde, für das allein der Vorstand verantwortlich ist. „Haas hat viele Jahre eine gute Schule gehabt“, sagte Baumgartl. Er selbst habe sich immer penibel an die Regel gehalten, „nicht dem Vorstandsvorsitzenden zu sagen, wie es geht“. Haas werde sich genauso an diese Grenzen halten. 

Baumgartl sparte nicht mit Lob für seinen Nachfolger im Aufsichtsrat. Haas sei „kausal“ für den Erfolg des Talanx-Konzerns gewesen. Auch das 2017  im Vergleich zum Vorjahr erheblich geschrumpfte Ergebnis von 672 Millionen Euro sei „in Anbetracht der historischen Großschadenbelastung“ sehr gut. Die Aktionäre erhalten dennoch eine um 5 Cent auf 1,40 Euro erhöhte Dividende, womit sie zum vierten Mal hintereinander um diesen Betrag kletterte. 

Abschied aus Niedersachsen

Wolf-Dieter Baumgartl hat auch während seiner Zeit als Talanx-Chef von 1993 bis 2006 jede Chance ergriffen, aus Hannover in seine oberbayerische Heimat am Starnberger See zu entschwinden. Da der eigentlich aus Böhmen stammende knorrige Bayer nun auch den Aufsichtsratsvorsitz aufgegeben hat, wird er in Niedersachsen wohl kaum noch zu sehen sein. Zum Abschied attestierte ihm Talanx-Aufsichtsratsmitglied Thomas Lindner, „a rechts Mannsbild“ zu sein. Baumgartl habe 1993 in sehr schwieriger Lage die Führung des Versicherungskonzerns übernommen und ihn zum Erfolg geführt. Im Aufsichtsrat sei er „Oppositionsbestrebungen immer mit hoher Toleranz“ begegnet. Letztlich habe aber immer „das bessere Argument – das des Vorsitzenden – überzeugt“. Deutschland bekannt wurde Baumgartl im Jahr 2012, als der damalige Bundespräsident Christian Wulff wegen seiner Nähe zu Vertretern der Wirtschaft in der Kritik stand. Der CDU-Politiker Wulff hatte in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident zweimal Urlaub in Baumgartls Anwesen in der Toskana gemacht.

Von Albrecht Scheuermann

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