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Wirtschaft „Kopfgeld“-Streit in Braunschweiger Brauerei beigelegt
Nachrichten Wirtschaft „Kopfgeld“-Streit in Braunschweiger Brauerei beigelegt
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00:17 19.01.2018
Wolters Brauerei Braunschweig Quelle: Wolters
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Hannover/Braunschweig

 Ein Betriebsrat, der Beleidigungen gegen einzelne Mitarbeiter vor 100 Kollegen vorliest. Eine Geschäftsführung, die mit 2000 Euro Belohnung nach den Verfassern dieser Beleidigungen fahndet. Was nach einer Folge „Stromberg“ klingt, ist in einer Braunschweiger Brauerei mit rund 150 Mitarbeitern tatsächlich passiert. 

 Am Dienstag befasste sich sogar das Arbeitsgericht Braunschweig mit dem Fall. Es sollte auf Antrag des Betriebsrats entscheiden, ob das „Kopfgeld“ rechtmäßig ist – oder nicht. Urteile zu ähnlichen Fällen konnte sie nicht finden, erklärte Richterin Laura Purschwirtz. Am Ende kam sie um die knifflige Entscheidungsfindung herum. Die beiden Parteien einigten sich auf einen Vergleich: Die Geschäftsleitung zieht ihre Belohnung zurück, im Gegenzug distanziert sich der Betriebsrat schriftlich von den Beleidigungen.

Einige Fragen blieben vor Gericht allerdings ungeklärt. Wie konnte es so weit kommen? Und gibt die Geschäftsführung ihre Suche nach den Schmähern nun völlig auf?

Eklat vor der Weihnachtsfeier

Die entscheidende Szene spielte sich Mitte Dezember auf einer Betriebsversammlung ab. Der Betriebsrat referierte, die Geschäftsführung ebenfalls. Die Mitarbeiter freuten sich schon auf die für den Abend geplante Weihnachtsfeier.

Doch dann stand die Betriebsratsvorsitzende noch einmal auf, und kündigte an, dass sie etwas vorlesen müsse: die Briefe, die Mitarbeiter zuvor in den „Kummerkasten“ geworfen hatten. Auch in den Vorjahren waren diese verlesen worden. Doch dieses Mal ging es nicht um konstruktive Vorschläge zu Fortbildungen oder zur Optimierung der Abläufe. 

„X verpisst sich, wenn Arbeit auf ihn zukommt.“ „Y kann nicht bis drei zählen.“ „Z schwätzt nur dumm rum.“ Solche Beleidigungen las die Betriebsratsvorsitzende auf der Versammlung vor, so schildert es Geschäftsführer Peter Lehna. „Da wurden fünf oder sechs anwesende Mitarbeiter mit vollem Namen genannt, beleidigt und angegriffen.“ Die Getroffenen seien „ganz normale Mitarbeiter“, betont er. Keine Manager, sondern Schichtleiter oder Sachbearbeiter. 

Der Betriebsrat will nicht zu dem Vorgang Stellung nehmen. Die Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten), die ihn berät, lässt durchblicken, dass es keine kluge Entscheidung war, die Schmähkritik laut vorzulesen. Aber es sei nun einmal passiert.

Die Suche geht weiter

Am Tag nach der Betriebsversammlung lobten dann Lehna und ein weiterer Geschäftsführer – aus ihren privaten Geldbörsen – die Belohnung aus: 2000 Euro für denjenigen, der die Verfasser überführt und sich als Zeuge in einem Prozess zur Verfügung stellt.

Dabei ging es ihm nicht um einen Maulkorb für die Belegschaft oder den Betriebsrat, betont Lehna. Er müsse die Belegschaft „vor Diffamierung schützen“. Außerdem stünden alle Mitarbeiter unter Generalverdacht, solange die Verfasser nicht gefunden sind.

Die Belohnung ist durch den Vergleich nun hinfällig. „Wir mussten eine konstruktive Lösung finden, die den Betriebsfrieden wiederherstellt“, sagt der Geschäftsführer. Aufgeben will er aber nicht: Er hofft weiterhin auf Hinweise und prüft eine Strafanzeige gegen die unbekannten Verfasser.

Von Christian Wölbert

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