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Wirtschaft Kemm'sche Kuchen kommen nach Hannover
Nachrichten Wirtschaft Kemm'sche Kuchen kommen nach Hannover
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13:55 04.11.2017
„Eine Herzensangelegenheit“: Georg Parlasca hat die Kemm’schen Kuchen nach Burgdorf geholt. Quelle: Körner/Georg Parlasca Keksfabrik GmbH
Burgdorf

Die Kemm’schen Kuchen wären für den Hannoveraner, wenn er sie denn kennen würde, Weihnachtskekse. Braun, nelkig und zimtig, ähnlich wie Spekulatius, aber glatter, härter und splittriger. In und um Hamburg allerdings isst man sie das ganze Jahr über. Zum Frühstück und zum Tee, pur oder auf einem Brötchen, als Zutat in Süßspeisen oder in Bratensoßen.

Vor allem aber sind sie für viele alteingesessene Hanseaten unverzichtbar wie der Michel und der Hafen. Als es vor einigen Jahren Lieferprobleme gab, klagte das „Hamburger Abendblatt“: „Regale leer: Sorge um Hamburgs Kultkekse.“ Die Tradition reicht zurück bis ins Jahr 1782: Damals entwickelte der Altonaer Bäcker Johann Georg Kemm das Rezept.

Frischer Anstrich     

„Im Norden ist Kemm eine sehr, sehr starke Marke“, sagt Georg Parlasca. Der Burgdorfer Keksfabrikant backt die Kuchen seit 2012 und besitzt seit 2015 auch die traditionsreiche Marke. Seitdem modernisiert der Unternehmer sie: Er hat eine Werbefigur eingeführt, eine kesse Matrosin, und die Verpackung verbessert sowie den Blauton korrigiert. Außerdem gibt es nun ein Kemm-Müsli und eine Einzelpackung. Weitergehen soll es behutsam: „Wir übertreiben es nicht, wir machen das ganz dezent“, betont er. Seit der Übernahme habe man den Absatz um über 30 Prozent gesteigert. Und geübt haben sie offenbar auch: Die Qualitätsprobleme der Anfangszeit scheinen überwunden.

Nun plant Parlasca weiteres Wachstum: „Wir wollen langsam auch den Süden erobern.“ In Süddeutschland läuft eine Vertriebs­aktion, die Kemm als Weihnachtsgebäck etablieren soll. Auch in der Region Hannover versucht Parlasca, Händler zu überzeugen. „Da hat Kemm es nicht einfach.“ Bislang gibt es die Kekse hier nur direkt bei Parlasca sowie sporadisch in einigen Edeka-Märkten.

Parlasca betont, dass Kemm für ihn kein normales Geschäft ist, sondern eine „Herzensangelegenheit“. Er war 17, als er die Kuchen in Hamburg zum ersten Mal probierte. Seine Familie hatte Kontakte zur ­Lokstedter Firma Flentje, die sie damals buk. 1994 übernahm das Unternehmen Gruyters aus Krefeld sie. Die Parlascas konzentrierten sich damals noch auf den Direktvertrieb ihrer eigenen Marken und bekamen nicht rechtzeitig mit, dass Kemm zum Verkauf stand. „Aber als die Marke verkauft war, hat mich das schon gestört“, erinnert sich Georg Parlasca, der 1995 in Vollzeit in das Familienunternehmen einstieg.

2012 klingelte sein Telefon. Gruyters hatte Produktionsprobleme und fragte, ob er als Auftragsbäcker einspringen könne. Er sagte Ja – und handelte sich viel Stress ein. Wochenlang optimierten er und seine Mitarbeiter die Anlagen und Abläufe, damit die Kekse so aussahen und schmeckten, wie von den Hamburgern gewohnt. Parlasca war stolz, dass nun zumindest die Produktion bei ihm lag.

Marke für sechsstellige Summe

2015 kam seine Chance. Gruyters hatte wirtschaftliche Probleme und bot Parlasca die Marke an. Der sprach sofort mit seiner Mutter und seiner Schwester und fuhr schon am nächsten Tag zum Notar, um den Vertrag zu unterschreiben. So stach er andere Interessenten aus. „Grundsätzlich mag ich es nicht, so schnell Entscheidungen zu treffen, aber das war keine Frage.“ Für Verpackungsanlagen, Marke und Designs gab er eine sechsstellige Summe aus – Genaueres verrät er nicht.

Bislang machen die Kuchen nur einen Bruchteil des Umsatzes aus. Trotzdem profitiert Georg Parlasca schon heute von seinem Zukauf: Als Kemm-Chef werde er in Hamburg nun ganz anders wahrgenommen, erzählt er. Er ist häufig dort, denn er hat eine Hamburgerin geheiratet. Ältere Hamburger hätten sogar Tränen der Rührung in den Augen, wenn sie mit ihm über die Kekse sprechen. „Und meine Frau und mein Schwiegervater sind sehr glücklich.“

Parlasca backt vor allem für andere Firmen

Auch die Familie Parlasca hat eine lange Backtradition: Vor 120 Jahren führte Georg Parlasca I. ein Spekulatiusrezept aus den Niederlanden in Hannover ein und wurde deutscher Marktführer für das Weihnachtsgebäck. In den Neunzigerjahren hatte Parlasca in der Region Hannover Dutzende Filialen, mittlerweile ist das Geschäftsmodell ein anderes: Die 90 Mitarbeiter produzieren in Burgdorf vor allem Kekse und Riegel für Marken anderer Firmen, zum Beispiel Supermärkte und Drogerien. Der Schwerpunkt liegt auf Nischen wie Bio, Vegan und Babyfood. Die eigenen Marken Pur, Parlasca und Kemm machen nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Geführt wird die Firma von Georg Parlasca III. (49), Urenkel des Gründers.

Von Christian Wölbert

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