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Wirtschaft Zwölf Minuten Arbeit für ein Brathähnchen
Nachrichten Wirtschaft Zwölf Minuten Arbeit für ein Brathähnchen
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16:53 25.10.2018
Für viele Waren müssen die Deutsche heute kürzer arbeiten als 1960. Quelle: dpa
Hannover

Die meisten Deutschen müssen heute deutlich weniger arbeiten, um sich ihre Konsumwünsche zu erfüllen. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich die Kaufkraft einer Lohnminute im Vergleich zu 1960 mehr als verdreifacht. „Dies bedeutet, dass ein Warenkorb, für den man seinerzeit noch eine Stunde arbeiten musste, heute bereits in 19 Minuten verdient ist“, sagt der Autor Christoph Schröder. Der Warenkorb bezieht sich auf eine Zusammenstellung von 600 Güterarten, die das Statistische Bundesamt seinem Preisindex zugrunde legt.

Das Verhältnis von Arbeitszeit zum Einkaufswert fällt allerdings sehr unterschiedlich aus – je nachdem wie sich die Preise für einzelne Produkte über die Jahre entwickelt haben. Ein wesentlicher Treiber des Gewinns an Kaufkraft ist der technische Fortschritt: So musste der Käufer eines einfachen Schwarz-Weiß-Fernsehgerätes 1960 noch 339 Stunden dafür arbeiten, heute reichen bereits 24 Stunden aus, um sich ein Smart-TV mit hochauflösendem 40-Zoll-Bildschirm leisten zu können. Der Preis für einen Flachbild-Fernseher liege heute mit 440 Euro in etwa so hoch wie damals für das Röhrengerät, heißt es in der Studie.

Auch die zunehmende Industrialisierung hat die Kaufkraft der Verbraucher erhöht. Das zeigt sich insbesondere beim Blick auf die Landwirtschaft: 1960 mussten die Kunden für den Erwerb von einem Kilo Zucker noch eine eine halbe Stunde arbeiten, heute reichen dafür drei Minuten. Für ein Päckchen Markenbutter waren es früher 39 Minuten, aktuell sind es sechs Minuten. Noch augenfälliger ist der Unterschied bei Brathähnchen: Ein Kilogramm entsprach vor sechs Jahrzehnten einer Arbeitszeit von rund zwei Stunden, inzwischen genügen zwölf Minuten – allerdings unter den Bedingungen der Massentierhaltung.

Profitiert haben die Beschäftigten hierzulande auch von der Globalisierung. Weil Textilien heute in der Regel in Billiglohnländern produziert werden, ist Bekleidung relativ günstiger geworden. Für ein hochwertiges Herrenhemd musste ein deutscher Käufer 1960 noch fast acht Stunden arbeiten – heute reicht dafür ein Viertel dieser Zeit. Für ein paar Pumps waren früher rund 14 Stunden nötig, inzwischen sind es weniger als fünf Stunden.

Doch nicht alles ist günstiger als gegen Ende der Ära Adenauer. Für bestimmte persönliche Dienstleistungen müssen die Deutschen heute sogar länger arbeiten als damals. Ein Herren-Haarschnitt in einem durchschnittlichen Friseurgeschäft erfordert in diesen Tagen eine Arbeitszeit von 76 Minuten – 1960 hätten dafür noch 42 Minuten gereicht. Für diesen Vergleich legt die Studie jedoch nicht den Besuch bei einem Billig-Coiffeur in Bahnhofsnähe zugrunde, sondern ein Angebot mit Schneiden und Waschen. „Der Wohlstandszuwachs zeigt sich auch in solchen Details“, sagt Schröder.

Von Jens Heitmann

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