Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Beschäftigte wehren sich gegen verkaufsoffene Sonntage
Nachrichten Wirtschaft Beschäftigte wehren sich gegen verkaufsoffene Sonntage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 30.10.2017
Quelle: Villegas
Hannover

Kaufhof und Karstadt hatten im Mai eine bundesweite Kampagne für mehr verkaufsoffene Sonntage gestartet. Der hannoversche Karstadt-Geschäftsführer Rolf Lay erklärte später, er halte in Hannover zehn bis 20 Termine pro Jahr für sinnvoll. Karstadt benötige „Chancengleichheit“ im Wettbewerb mit dem Online-Handel.

„Man kann gerne Forderungen stellen - aber das ist maßlos übertrieben“, sagte der Betriebsratsvorsitzende von Karstadt in Hannover, Ingo Kotzian. Die meisten Mitarbeiter seien nicht bereit, an mehr als einem oder zwei Sonntagen im Jahr zu arbeiten. Außerdem belaste die Sonntagsarbeit die Belegschaft schon heute stark. Kotzian widersprach dem Argument des hannoverschen Karstadt-Chefs, dass die Sonntagsöffnungen die Umsätze an den anderen Wochentagen nicht beeinträchtigen. „Der Samstag vorher läuft nicht so, wie wir uns das erhoffen. Und am Montag und Dienstag brechen die Umsätze ein.“

Auch Kaufhof-Betriebsräte stellten sich gegen den Vorstoß, mehr Sonntagsöffnungen zu erlauben. „Das ist so unglaublich weit weg von der Realität, dass mir die Worte fehlen“, sagte Werner Preissner, Betriebsratsvorsitzender von Galeria Kaufhof an der Marktkirche. Die Sonntagsumsätze seien seit Jahren rückläufig. Außerdem litten die Mitarbeiter bereits unter den Öffnungszeiten unter der Woche bis 20 Uhr. „Sie können sich kaum in Vereinen engagieren, mit Freunden treffen oder ins Kino gehen.“

Carsten Henne, Betriebsratschef von Kaufhof am Hauptbahnhof, kritisierte die Online-Strategie der beiden Kaufhaus-Konzerne. Die Unternehmen versuchten, mit hohen Rabatten bei ihren Online-Shops Kunden dazu zu bewegen, mehr im Internet zu kaufen. Das Argument, der verkaufsoffene Sonntag helfe den Filialen im Wettbewerb mit Online-Händlern, sei deshalb „scheinheilig“.

Nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi ist Sonntagsarbeit für Mitarbeiter im Einzelhandel nur bedingt freiwillig. Die Menschen stünden unter finanziellem Zwang, sagte Gewerkschaftssekretärin Juliane Fuchs.

An wie vielen Sonntagen die Geschäfte öffnen dürfen, regeln die Bundesländer - in Niedersachsen sind es bis zu vier pro Jahr und Kommune. Diese Obergrenze wollen Verdi, die Betriebsräte und die Kirchen beibehalten. In Berlin hingegen sind im Jahr zehn verkaufsoffene Sonntage erlaubt. In Nordrhein-Westfalen sollen künftig acht möglich sein.

In Niedersachsen wollte die bisherige rot-grüne Regierung die Regelung auf vier verkaufsoffene Sonntage je Gemeinde plus einen weiteren je Stadtbezirk in großen Städten wie Hannover ausweiten - der Gesetzentwurf wurde jedoch nicht verabschiedet. Eine Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag nannte auf Anfrage keine konkrete Zielvorstellung ihrer Partei, was die Zahl verkaufsoffener Sonntage betrifft. Die CDU betont in ihrem Programm aber die „besondere Bedeutung“ der Sonntagsruhe für Arbeitnehmer.

In der Innenstadt von Hannover gibt es in diesem Jahr nur zwei verkaufsoffene Sonntage. Aufgrund eines Gerichtsurteils muss die Stadt die Termine zwischen der Innenstadt und den anderen Stadtteilen aufteilen. Der zweite Termin in der Innenstadt ist am kommenden Sonntag. Als Anlass dient das Fest „Hannover hilft“. „Wir werden uns genau ansehen, ob dieser Anlass wirklich Leute in die Stadt lockt, so wie wir es bei allen Sonntagsöffnungen machen. Nur dann lohnt sich das für alle Händler“, sagte Kaufhof-Betriebsrat Werner Preissner.

Von Christian Wölbert

Schluss mit aufwendigen Inventuren an den Supermarkt-Regalen: Der US-amerikanische Einzelhandelsriese Walmart lässt ab sofort Roboter durch die Gänge fahren und Waren zählen.

29.10.2017

Plant der Rheinmetall-Konzern eine Fabrik für 1000 Panzer in der Türkei? Firmenchef Papperger dementiert: Exportgenehmigungen gibt es derzeit nicht und Eigenentwicklungen im Ausland würden viel zu lange dauern.

29.10.2017

Ein Zwei-Mann-Unternehmen bekommt einen 300-Millionen-Dollar-Vertrag zum Wiederaufbau des gesamten Stromnetzes in Puerto Rico. Dass die Minifirma ihren Sitz im Heimatort des US-Innenministers hat, ist reiner Zufall – sagt der Politiker.

29.10.2017