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Wirtschaft Bis 2030 geht fast jeder fünfte Hausarzt in in Rente
Nachrichten Wirtschaft Bis 2030 geht fast jeder fünfte Hausarzt in in Rente
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00:43 14.04.2018
Noch gibt es genügend Hausärzte – in ein paar Jahren könnte das anders aussehen. Quelle: dpa
Hannover

 Noch ist der Weg zum Hausarzt in Niedersachsen kurz:  Knapp zwei Drittel der Patienten benötigen im Durchschnitt nur fünf Minuten bis zur nächsten Praxis. In den nächsten Jahren dürften die Strecken deutlich länger werden – insbesondere im Emsland und im Raum Nienburg/Walsrode. Bis 2030 werde fast jeder fünfte der aktuell rund 5100 Hausärzte im Land in Rente gehen, sagte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, am Dienstag in Hannover vor knapp 200 Vertretern von Städten und Gemeinden. „Das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei 54  Jahren.“

Im Prinzip könnten sich die Politiker zurücklehnen, denn formal ist die KVN für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung zuständig – die Vertreter der Kommunen ahnen jedoch, dass die ärztliche Selbstverwaltung mit dieser Aufgabe überfordert sein könnte. Während die Alterung der Bevölkerung auch auf dem Land voranschreitet, zieht es junge Mediziner eher in die Städte – vor allem Ärztinnen arbeiten gern als Angestellte in einer Gemeinschaftspraxis und in Teilzeit. Die Zeit der „Einzelkämpfer“ laufe allmählich ab, sagte KVN-Chef Barjenbruch.

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Rechtsanspruch auf den Arzt?

Vor diesem Hintergrund hat der Städte- und Gemeindebund bereits  einen Rechtsanspruch auf einen Arzt in jeder Kommune gefordert, vergleichbar dem Anspruch auf einen Kitaplatz. Die KVN und die Landesregierung hingegen setzen auf freiwillige Lösungen – wie etwa Stipendien für Medizinstudierende, die sich im Anschluss als Landarzt niederlassen. „Das Programm wird sehr gut angenommen“, sagte Sozialministerin Carola Reimann. Künftig wollen die Länder zudem jeden zehnten Studienplatz an Bewerber vergeben, die später für mindestens zehn Jahre abseits der Städte praktizieren wollen. 

Bund und Länder könnten die Gesundheitsversorgung auf dem Land jedoch nicht von oben „verordnen“, sagte Reimann – wichtig seien daher auch Initiativen vor Ort. Als positives Beispiel nannte sie die Landkreise Friesland und Wesermarsch, die sich zusammen mit der KVN um Nachwuchsmediziner bemühen: Bereits während des Studiums  locken die Kommunen Studierende mit Kurs- und Bildungsangeboten an die Küste und stellen ihnen Mentoren an die Seite. „Das Ziel ist eine frühe und dauerhafte Bindung an die Region“, sagte Reimann.

Statistisch gesehen gilt eine Kommune als unterversorgt, wenn  dort weniger als 75 Prozent des errechneten Ärztebedarfs abgedeckt sind. Es gibt jedoch Zweifel,  ob vermeintlich schlecht versorgte Regionen in der Nähe von Ballungsräumen mehr Ärzte brauchen – viele Patienten führen gern zum Arzt in die Stadt, heißt es bei der KVN. Die Versorgung sollte sich deshalb auch an den örtlichen Besonderheiten orientieren.

Auch aus diesem Grund hat der Gesetzgeber den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, die Bedarfsplanung neu auszurichten – das oberste Beschlussgremium der Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Kliniken und Krankenkassen definiert den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung für 70 Millionen Versicherte. „In vielen Regionen sind wir schon heute meilenweit von einer flächendeckenden Versorgung entfernt“, sagte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken

Arme Kommunen im Nachteil

Ziel sei es, den Ländern und Kommunen möglichst viel Flexibilität bei Planung der ambulanten Versorgung zu ermöglichen. „Unsere Aufgabe sehe ich darin, Leitplanken zu setzen“, sagte Hecken. Der Bundesausschuss müsse aber einheitliche Ober- und Untergrenzen definieren, um die vom Grundgesetz garantierte Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zu gewährleisten. „Sonst können reiche Landkreise so viele Ärzte anlocken wie sie wollen, während ärmere Kommunen in die Röhre gucken“, sagte Hecken.

Von Jens Heitmann

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