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00:18 08.11.2018
Wenn der Zahnarzt nicht mehr selbstständig ist, verdienen internationale Finanzinvestoren an Kronen und anderen Dienstleistungen. Quelle: dpa
Berlin/Hannover

Die Zahnärzte fühlen sich durch Finanzinvestoren bedroht. Seit der Gesetzgeber vor drei Jahren die Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) erleichtert hat, entdecken nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zunehmend Fondsgesellschaften und andere Geldgeber den Gesundheitsbereich für sich. „Der Ausverkauf der Versorgung an Spekulanten ist die größte Bedrohung, die es im zahnärztlichen Bereich je gab“, sagte KZBV-Vorstandschef Wolfgang Eßer.

Laut einer Analyse der KZBV hat sich die Zahl der Versorgungszentren seit 2015 rapide erhöht – von 28 auf inzwischen mehr als 540 Häuser. In Niedersachsen ist die Zahl der MVZ von vier auf aktuell 51 gestiegen. Etwa 80 Prozent dieser Zentren haben demnach in Großstädten eröffnet sowie in Landkreisen, in denen das Einkommen der Bevölkerung vergleichsweise hoch ist. „Wir haben den Eindruck, dass sich die MVZ-Ketten auf besonders renditestarke Bereiche konzentrieren – wie zum Beispiel auf Implantologie oder auf aufwendigen Zahnersatz“, sagte Eßer. „Leidtragende sind letztlich die Patienten, deren Versorgung einem ungezügelten Gewinnstreben untergeordnet wird.“

Die KZBV zählt in einer Analyse sieben aktive Investoren – darunter den Fonds Nordic Capital, der die Kölner Praxis-Gruppe „Zahnstation“ kaufte, und die Frankfurter Quadriga Capital, Besitzer der „Zahnärztliche Tageskliniken Dr. Eichenseer“. Auch die Kaffee-Dynastie Jacobs mischt über ihre Investment-Holding mit, unter der Marke „Colosseum Dental Group“.

Der US-Konkurrent Summit Partners gründet von Südniedersachsen aus weitere Zahnkliniken. Zunächst hat die Private-Equity-Gesellschaft die Deister-Süntel-Klinik in Bad Münder übernommen, die 2016 kurz vor der Insolvenz stand. Dieser Schritt war nötig, weil hierzulande nur Zahnärzte, Krankenhäuser und Kommunen Medizinische Versorgungszentren eröffnen dürfen. Mit dem neuen Inhaber im Rücken ist die frühere Mini-Klinik der Arbeiterwohlfahrt seither auf Expansionskurs.

Auch „Zahneins“ mit Sitz in Hamburg und 19 Praxis-Standorten bundesweit gehört heute zu Summit Partners. Geschäftsführer Daniel Wichels hält private Investoren in der Branche für unerlässlich, um die flächendeckende Versorgung zu sichern. „Anders lässt sich das Nachfolgeproblem der niedergelassenen Zahnärzte auf dem Land nicht lösen“, sagte Wichels. Dass die große Mehrheit der Versorgungszentren in Städten und deren Umland säßen, liege schlicht daran, dass dort die meisten Patienten wohnten: „Viele unserer Standorte befinden sich in ländlichen Regionen.“

Finanzinvestoren profitierten davon, dass eigene Praxen von jungen Zahnärzten zunehmend als unattraktiv empfunden werden, sagte Thilo Kaltenbach, Gesundheitsexperte bei der Beratungsfirma Roland Berger: „Viele scheuen die hohen Investitionen eines Kaufs und das Risiko der Selbstständigkeit, sie ziehen einen Angestelltenvertrag vor.“

Bundesweit ist die Zahl der angestellten Zahnärzte bei den Versorgungszentren nach Angaben der KZBV allein im vergangenen Jahr um gut 70 Prozent auf 1350 gestiegen Insgesamt ist von rund 72.000 Zahnärzten in Deutschland etwa jeder siebte angestellt. In Niedersachsen arbeiten rund 1600 Zahnärzte als Angestellte, die MVZ beschäftigen 198 von ihnen. Insgesamt sind zwischen Ems und Elbe rund 5600 Zahnärzte zugelassen, knapp 3700 davon arbeiten in Einzelpraxen.

 

Von Jens Heitmann und Alexander Sturm

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