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Wirtschaft Gefilmt, getrackt und abgescannt
Nachrichten Wirtschaft Gefilmt, getrackt und abgescannt
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19:02 09.05.2018
Der Einkauf im Supermarkt wir zunehmend digital begleitet. „Der stationäre Handel sucht in Zeiten von Digital Shopping nach neuen Wegen“, sagt Klaus Meier-Kortwig, Geschäftsführer des Einkaufwagenherstellers Wanzl. Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband
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Berlin

Fürs Mittagessen gerade nach einem hochwertigen Balsamico gesucht? Dann könnte vielleicht auch der frisch gelieferte Rucola aus regionalem Anbau für Sie interessant sein. Schokoriegel in den Einkaufswagen gepackt? Dann schauen Sie sich doch mal an, was andere Kunden gut finden, die diesen Artikel ebenfalls gekauft haben.

Was im Internet längst üblich ist, soll auch im Supermarkt funktionieren: Während früher Tante Emma im persönlichen Gespräch über die Ladentheke hinweg mehr über die Vorlieben der einzelnen Käufer herausgefunden hat, sind es heutzutage technische Helfer, die über die sonst so anonyme Kundschaft im Supermarkt Daten sammelt und damit bestimmte Verhaltensweisen der Marktbesucher herausfiltern kann. Händler erhoffen sich dadurch, ihre Kunden wieder besser kennenzulernen und sie mit individuell zugeschnittener Werbung an sich binden zu können.

Mit der Hilfe digitaler Daten erhoffen sich die Händler, ihren Kunden mit individuell zugeschnittener Werbung zum Kauf animieren zu können. Quelle: Pixabay

Personalisierte Werbung dank Tracking-Tools

Das Prinzip ist nicht neu. Wer häufig im Netz unterwegs ist, weiß, dass auf Webseiten häufig Werbung für genau diejenigen Produkte und Dienstleistungen aufblinkt, für die man sich kurz zuvor interessiert gezeigt hat. Dafür sorgen sogenannte Tracking-Tools. Sie verfolgen Bewegungen der User und können daraus ein Bild zeichnen von der Person, die vor dem Bildschirm sitzt. Das ermöglicht es Onlinehändlern zum Beispiel nachzuvollziehen, welche Produktgruppe von welcher Altersklasse bevorzugt wird, wie lange ein Kunde sich auf der Webseite aufgehalten hat oder ob ein Angebot eher von Männern oder Frauen angenommen wurde.

Der Versuch, eine ähnliche Technik auch offline anzuwenden, sorgte bereits vor fünf Jahren für großes Aufsehen: Damals ließ das Unternehmen Renew auf öffentlichen Plätzen in London Mülltonnen aufstellen, die Smartphones in ihrer Umgebung registrierten und so Bewegungsprofile ihrer Besitzer erstellen konnten. Auf zugehörigen Bildschirmen flimmerte danach Werbung auf, die für den jeweiligen Passanten von Interesse war. Nach Protesten wurde das Projekt wieder eingestellt.

Kundenbewegung mit WLAN verfolgen

Mittlerweile ist das sogenannte Wi-Fi-Tracking auch hierzulande weit verbreitet. In vielen großen Läden sind etwa Wlan-Hotspots verteilt, in die sich die Smartphones der Kunden automatisch einloggen, wenn ihr WLAN eingeschaltet ist. Dabei senden sie Signale. Marktleiter können dadurch die Wege ihrer Kunden nachvollziehen und sehen, welche Regale häufig besucht oder welche Aktionsstände womöglich übersehen werden.

Neue Wege der Datenakquise

Um auch diejenige Kundschaft erfassen zu können, die ohne oder mit ausgeschaltetem Smartphone durch den Supermarkt schlendert, bietet der Einkaufswagenhersteller Wanzl seit letztem Jahr eine Lösung: „Smart Trolleys“ sind mit RFID-Signalgebern ausgerüstet. Darüber erfassen sie, welche Wege der Kunde im Laden wählt, welche für Produkte zu welchen Preisen er in den Wagen legt und wie lange er sich vor den einzelnen Regalen aufhält.

„Der stationäre Handel sucht in Zeiten von E-Commerce und Digital Shopping nach neuen Wegen und nach einer Datenakquise auf Augenhöhe mit Onlineplayern“, äußerte sich der Vorsitzende der Geschäftsführung des Unternehmens, Klaus Meier-Kortwig, jüngst in einer Pressemitteilung. Bedenken, dass die Kunden sich womöglich ausgespäht fühlen und den smarten Einkaufswagen oder auch gleich den ganzen Supermarkt meiden könnten? Keine.

Per Lichtsignal zum Wunschprodukt

In Düsseldorf setzt eine Filiale von Edeka Paschmann als erster deutscher Supermarkt auf ein LED-Beleuchtungssystem von Philips, das Kunden schneller zum Standort eines gesuchten Produkts führen soll. Hat ein Kunde die zugehörige App geöffnet, senden die Lichter Signale an die Smartphone-Kamera, die wiederum ihre Position übermittelt. So soll der Kunde zügig durch den Laden navigiert werden, zugleich kann Edeka aber auch das Verhalten der jeweiligen Person analysieren und ihre zurückgelegten Wege nachvollziehen.

Gesichtserkennungssoftware liefert passende Werbung

Bei Real und Partnergeschäften der Deutschen Post war in den vergangenen zwei Jahren in verschiedenen Filialen probeweise eine Gesichtserkennungssoftware im Einsatz. Kameras filmten die Gesichter der Kunden ab und sendeten die Bilder an ein Analyseprogramm. Dieses zog aus den Daten Rückschlüsse über Alter und Geschlecht und wählte danach passende Werbung aus, die im Kassenbereich vor der Nase der Kundschaft über einen Bildschirm flimmerte. Seit Anfang dieses Jahres können Einzelhändler die Software erwerben und in ihren Läden einsetzen.

Einen Gefallen dürften sie sich damit jedoch nicht tun. Eine repräsentative Onlinebefragung des Marktwächter-Teams Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergab, dass 83 Prozent der Umfrageteilnehmer den Einsatz einer solchen Gesichtserkennung im Supermarkt kritisch sehen und sich daran stören würden, wenn unbemerkt Informationen über sie gesammelt würden. Mehr als zwei Drittel gaben an, seltener oder überhaupt nicht mehr in einem Supermarkt einkaufen zu wollen, wenn dieser eine Gesichtserkennungstechnologie einsetze.

Verbraucher wollen anonym bleiben

Auch dem Offlinetracking stehen Kunden mehrheitlich ablehnend gegenüber. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen zufolge fordert mehr als die Hälfte der Verbraucher ein Verbot dieser Technologie. Ein Drittel der Befragten hält es unter gewissen Bedingungen für akzeptabel – etwa, wenn die Daten nur nach ausdrücklicher Zustimmung genutzt würden.

Verbraucherumfrage Quelle: forsa

Anonym einkaufen

Beim Einkauf im Netz sind es Cookies, individuelle Nummern, die im Hintergrund auf dem PC gespeichert werden. Sie erlauben es, Verhaltensmuster der Nutzer zu erkennen und darauf etwa mit passender Werbung oder personalisierten Preisen zu reagieren. Wer sie regelmäßig löscht, macht es Datensammlern schwer, ein Profil von sich zu erstellen.

Bonusprogramme und Kundenkarten im Laden um die Ecke sind nicht nur ein Geschenk an die Besucher, um beim Kauf verschiedener Produkte Punkte gutgeschrieben zu bekommen und diese gegen eine Prämie einlösen zu dürfen. Stattdessen erfahren Händler darüber etwas über das Einkaufsverhalten ihrer Kundschaft und können ihren Kunden speziellere Angebote machen.

Wo kein oder nur ein ausgeschaltetes Smartphone ist, kann sich auch über Bluetooth oder WLAN kein Hotspot einloggen und Positionen oder Laufwege nachvollziehen. Umgekehrt gilt: Wer sich die App eines bestimmten Geschäfts besorgt oder das kostenlose WLAN nutzt, muss auch damit rechnen, dass das Unternehmen bestimmte Daten registriert und für Werbeangebote nutzt.

Von Alena Hecker/RND

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